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Neues Teehaus in Fehraltorf

«Je nach Tasse schmeckt der Tee anders»

Eine neue Überbauung hätte ihrem Laden die Sicht genommen. Deshalb ist Andrea Lilienthal mit ihrem «Teehaus Strandkorb» nach zwölf Jahren von Pfäffikon nach Fehraltorf gezogen.

Stine
Wetzel
Sonntag, 04. Juni 2017, 15:40 Uhr Neues Teehaus in Fehraltorf
Hunderte Sorten Tee: Andrea Lilienthal und Paul Sauren kennen jede einzelne Sorte. (Bild: Seraina Boner)

«Worauf haben Sie Lust?» – «Kräuter.» – «Eher kräftig oder blumig?» – «Kräftig.» – «Mögen Sie Ingwer?» – «Sehr.» Andrea Lilienthal steht hinter dem Tresen, hinter ihr, wandhoch 300 Teedosen. Sie nimmt eine davon aus dem Regal: Power Tea – eine frische Zitronennote, würzig scharf. «Die meisten sind etwas überfordert, wenn sie das erste Mal ins Teehaus kommen», sagt Lilienthal. «Ich frage den Kunden nach seinen Vorlieben und Bedürfnissen, sodass wir die Auswahl auf drei bis fünf Sorten eingrenzen können.»

Andrea Lilienthal führte ihr «Teehaus Strandkorb» zwölf Jahre lang in Pfäffikon. Seit fünf Jahren ist auch ihr Lebenspartner Paul Sauren dabei. Jetzt sind die beiden vor einem Bauprojekt geflüchtet. «Mit dem geplanten Gebäude direkt vor unserem Geschäft wurde der Standort unattraktiv.» Nachdem sie die Baupläne eingesehen hatten, machten sie sich sofort auf die Suche nach einer neuen Ladenfläche zwischen Illnau und Wetzikon. Lilienthal und Sauren leben zwar in der Region Winterthur, ihr Geschäft wollten sie aber im Oberland behalten. «Wir haben hier gute Stammkunden», sagt Sauren.

Von Friesenbecher bis Humpen

Vor zwei Wochen dann der grosse Umzug. «Vieles ging drunter und drüber», sagt Lilienthal. Zwischen Vertragsunterzeichnung und Umzug wechselte die Verwaltung. Auch jetzt sei noch nicht alles perfekt. «Die Scheinwerfer hier sind nur unsere Notbeleuchtung. Das zeigt, wie belastbar wir sind», sagt Lilienthal und lacht.

Im Vergleich zum Pfäffiker Laden ist die Verkaufsfläche fast doppelt so gross. Wo man hinschaut Teetassen mit Katzen, Vögeln, Zitronen, medizinischen Schautafeln und Oldtimern  drauf, dazu die passenden Untersetzer, Servietten, Löffel. Feine Japanbecher stehen neben Friesenbechern und monströsen Teetassen, die wie Bierkrüge aussehen. «Den schweren  Humpen haben wir eigentlich für Männer eingekauft. Jetzt sind es aber lustigerweise die Frauen, die zugreifen», sagt Lilienthal. «Man kann nie genau abschätzen, wer was mag.»

Ihren Schwarztee am Morgen trinkt Lilienthal in einer schlanken hohen Tasse. «Je nach Tasse schmeckt der Tee anders», sagt sie. Ab Herbst planen Lilienthal und Sauren Teeseminare und kleine Gruppenevents mit Verkostungen der Kolonialwaren, die sie neuerdings im Sortiment haben.

Essig und Likör zum abfüllen

Denn für Tee allein wäre der Laden in Fehraltorf zu gross, fanden die beiden Inhaber. Deshalb haben sie ihr Sortiment erweitert: In Zukunft setzen sie auch auf Kolonialwaren: Kaffee, Essig, Öl, Likör und Gewürze zum Abfüllen. Die Waren bekommen die Kunden in Mehrwegflaschen und Glasbehältern. «Das ist unser No-Waste-Konzept», sagt Sauren, «Abfall: Fehlanzeige». Die beiden  haben alles selbst degustiert – «den Essig pur», sagt Sauren. «Die unangenehmsten Essigmuster haben wir ausgerechnet am Anfang erwischt», sagt Lilienthal und verzieht das Gesicht. «So viel Einsatz muss sein.»

 

Von Sylt in die Schweiz

Dass Andrea Lilienthal ein Teegeschäft führt, ist aus der Not heraus geboren. Vor zwölf Jahren kam die gelernte Chemielaborantin der Liebe wegen in die Schweiz und fand nicht auf Anhieb einen Job. «Das war für die Aufenthaltsbewilligung ein Problem», sagt sie. «Dann habe ich mich eben selbstständig gemacht – wo ich Tee einkaufen muss, wusste ich.» Auf Sylt hatte sie in einem Teegeschäft gearbeitet. Heute vertreibt sie auch Original-Strandkörbe in der Schweiz – daher auch der Name «Teehaus Strandkorb».

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