×

Ein wandelndes Geschichtsbuch

60 Jahre lang hat Walter Sprenger alles gesammelt, was über die Geschichte von Bauma zu finden war, hat es fotografiert und dokumentiert. Nun übergibt er seinen Schatz der Gemeinde.

Dienstag, 17. Februar 2009, 09:00 Uhr

62 Alben mit 12'000 Fotos, 30 Ordner voll mit historischen Schriften, Briefen sowie Akten aus dem Staatsarchiv, Hunderte Bücher, 62 alte Landkarten, Ortspläne - alles von Bauma. Das ist die Privatsammlung von Walter Sprenger, die er in den letzten 60 Jahren angehäuft hat. Nun überlässt der 82-jährige Ortschronist von Bauma, der schon immer in diesem Dorf gelebt hat, seine geliebte Sammlung seiner Gemeinde. Seit seinem 20. Lebensjahr sammelt und kauft er alles, was er über sein Dorf finden konnte und was im Laufe der Jahre über die Gemeinde erschienen ist. Er verfügt über Material bis ins Jahr 1550 zurück. «Es hat mich einfach interessiert», lautet die simple Erklärung des Hobbyhistorikers. «Vermutlich liegt das Interesse in meinen Genen, denn alle meine Vorfahren mütterlicherseits waren Lehrer.»

Der Abschied tut nicht weh

Der Abschied von seinem historischen Schatz fällt ihm nicht schwer - im Gegenteil. Lieber heute als morgen wäre er mit der Übergabe an die Gemeinde fertig. «Wenn man alt wird, muss man loslassen», sagt er. Schon in den 80er Jahren hatte er sich dafür engagiert, seine Sammlung für die Nachkommen öffentlich zugänglich zu machen.

 

{{ANZEIGE}} 

 

Das  geplante Museum kam mangels Geld nicht zustande. Seine Sammlung in sicheren Händen zu wissen, blieb aber weiterhin das Ziel von Sprenger; wenn nicht in einem Museum, dann in einem Chronikarchiv. Letztes Jahr im März bekam er vom damaligen Gemeindepräsidenten Christian Spoerlé grünes Licht dafür: Im zweiten Obergeschoss des Gemeindehauses wurden zwei Räume für ein Chronikarchiv bereitgestellt.

In den nächsten Monaten viel zu tun

Während der nächsten Monate wird nun Sprenger sämtliche Schriften, Fotos und Pläne einordnen, thematisch erfassen und katalogisieren. Der pensionierte Lehrer Walter Ledermann und der noch berufstätige Lehrer Karl Zopfi unterstützen Sprenger beim Anlegen des Archivs. Zudem wird bald noch ein Gemeinderat in der Arbeitsgruppe mitwirken, der in Zukunft das Ressort Kultur übernehmen wird. Das Archiv wird später der Öffentlichkeit zugänglich sein.

Sammlung ist ein Glücksfall

Sprengers private Sammlung wird den Löwenanteil am zukünftigen Chronikarchiv der Gemeinde ausmachen, zusätzlich wird historisches Material aus dem Gemeindearchiv integriert. «Ein Glücksfall von unschätzbarem Wert» sei die Sammlung von Sprenger, sagt Gemeindeschreiber Bruno Bähler. Auch Walter Sprenger fällt ein Stein vom Herzen. Der Gedanke, dass seine Hinterbliebenen sich um sein Archiv kümmern müssen, sollte er sterben, findet er schrecklich: «Das wären arme Leute.»

Kommentar schreiben