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So geht Integration am Schwingfest

Pfannenstiel-Schwinget

So geht Integration am Schwingfest

Super Stimmung, das sportlich Gezeigte packte und keine Wolken waren am Himmel zu sehen – besser hätte das Pfannenstiel-Schwinget nicht über die Bühne gehen können. Züriost hielt Sie über die Ereignisse im und ums Sägemehl im Ticker auf dem Laufenden.

Malte
Aeberli
Mittwoch, 24. Mai 2017, 09:38 Uhr Pfannenstiel-Schwinget

Die Augen der jungen Männer sind zu schmalen Schlitzen verengt. Ein Dutzend Bärtiger im Edelweiss-Hemd steht im Kreis beisammen. Sie lassen eine Flasche Slibowitz kreisen. Eine kleine Stärkung vor dem Aufstieg.

Die Männer sind Mitglieder des Egger Hobby-Fussballclubs «min Anus», ein Scherzname. Die Fussball-Freunde wandern jedes Jahr gemeinsam hinauf zum Festgelände des Pfannenstiel-Schwinget oberhalb von Egg. «Schliesslich sind wir ein Sportklub», sagt Präsident Rafael Goll mit einem Augenzwinkern.

Mit Schwingfest erwachsen geworden

Während die Truppe den Berg hinaufschnauft, schneidet Tamara Berger gemütlich Brot. Die 26-Jährige arbeitet auf dem Pfannenstiel-Schwinget seit sie 12 Jahre alt ist. Ich bin quasi mit diesem Schwingfest gross geworden», sagt sie.

Gross verändert habe sich das Fest nicht: «Es ist sehr familiär hier oben», sagt sie, während sie im Akkord Schnitzelbrote einwickelt. 1300 Menschen sitzen gegen Mittag in der Sonne und warten auf den ersten Wettkampf.

Integration am Schwingfest

Die Hobby-Fussballer sind in der Zwischenzeit auf dem Pfannenstiel eingetroffen. «Ein Bier zur Stärkung», sagt Mergim Kadriu, den alle Gimmi nennen. Der 140-Kilo-Mann ist so etwas wie das Sprachrohr des Vereins. Gimmi kommt ursprünglich aus Süd-Serbien und trägt trotzdem mit Stolz das Edelweiss-Hemd. «Die Hälfte von uns sind Ausländer. Wir haben Holländer, Albaner, Serben und sogar einen Bündner», sagt Präsident Goll. Die Männer brechen in grölendes Gelächter aus.

Sie alle kokettieren mit ihrer Herkunft, tragen mit Begeisterung das Edelweiss-Hemd und rauchen «die Krummen». «Ich habe zwar albanische Wurzeln, aber ich fühle mich in der Schweiz zu Hause», sagt Gimmi. Für ihn ist es selbstverständlich das hellblaue Hemd zu tragen. «Ich fühle mich als Schweizer und geniesse dieses Schwingfest. Wenn andere finden, wir sollten dieses Hemd nicht tragen, ist das einfach ignorant», sagt Gimmi. «Unser Verein ist gelebte Integration», sagt Rafael Goll stolz.

Die «Bösen» schenken sich nichts:

Wenig Kommerz

Der 120-Kilo Brocken schlägt dumpf im Sägemehl auf. Späne kleben in seinem Bart. Sein Kopf ist schweissnass. Es riecht nach Bier und verbranntem Fleisch. Der Verlierer Roman Schnurrenberger aus Sternenberg lässt sich das Sägemehl von den Schulterblättern wischen. Seine Enttäuschung steht ihm ins Gesicht geschrieben. «Heute ist es einfach nicht gut gelaufen», sagt er.

Schnurrenberger wird in der Schlussrangliste achter. Trotz der Enttäuschung. Schnurrenberger mag das kleine, feine Schwingfest auf dem Pfannenstiel. «Hier ist es noch traditioneller, als an einem Eidgenössischen, aber ich mag beide Welten», sagt er.

Anders sieht das Alfred Oleran von den küsnachter «Blauchutteler», einer Vereinigung zur Bewahrung Schweizer Traditionen. «Mir gefällt es an einem kleinen Fest viel besser. Der Kommerz an grossen Festen hat für meine Begriffe unschöne Ausmasse angenommen.» Auf der anderen Seite profitiere der Sport ganz sicher von der gestiegenen Aufmerksamkeit. «Dadurch kommen sehr viele junge Schwinger nach.»

 

Bis zum bitteren Ende

Während im Hintergrund Adrian Steinauer seinen Kontrahenten Reto Nötzli im Schlussgang ins Sägemehl drückt, ist die Stimmung am Tisch der Egger Fussballer ausgelassen; vom eigentlichen Kampf bekommen sie nur wenig mit. «Wir wollen neben dem Sport mit unserer Anwesenheit diesen kulturellen Anlass fördern», sagt Rafael Goll bierernst. Aber es ist nicht nur der Alkohol, der aus den Männern spricht. «Wir sind alle miteinander aufgewachsen. Wir sind eine grosse Familie und geniessen das in vollen Zügen.»

Steinauer wird als Sieger über den Platz getragen, während Gimmi die nächste Runde spendiert. Ramona Sutter, eine der Kellnerinnen, sagt: «Hier oben wissen die Leute, wie viel sie vertragen.» Da habe sie schon ganz anderes erlebt. «Auch die Jungs sind ganz harmlos.» Und Rafael Goll ergänzt: «Wir werden erst gehen, wenn sie uns die Bank unter dem Hintern wegtragen.»

 

Den ganzen Verlauf des Schwingfests auf dem Pfannenstiel können Sie in unserem Ticker nachlesen:

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