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Streckenwärterhäuschen in Bauma

Neues Zuhause für Eisenbahn-Relikt

Es ist ein kleines Stück Eisenbahngeschichte: das Streckenwärterhäuschen, das beim Bahnhof Eglisau stand. Jetzt hat es in Bauma ein neues Zuhause gefunden als authentische Ergänzung auf dem Areal des Dampfbahn Vereins Zürcher Oberland. Möglich gemacht hat es der 75-jährige pensionierte Schreiner Max Wolf.

Dienstag, 29. Mai 2018, 20:20 Uhr Streckenwärterhäuschen in Bauma

Anfang Februar wurde das rund 100-jährigen Streckenwärterhäuschens beim Bahnhof Eglisau abtransportiert. Der Lokomotivführer Daniel Rutschmann und der Kondukteur Florian Vogel, beide Mitglieder des Dampfbahnvereins Zürcher Oberland und dort in der historischen Abteilung tätig, wollten das recht angeschlagene Bretterbüdeli nach Bauma zur Anlage des Dampfbahnvereins bringen. Dort sollte es ein neues Zuhause finden, so ihre Idee. Zuerst musste jedoch geprüft werden, ob das Häuschen noch erhaltenswürdig sei oder lediglich vermessen, dokumentiert und dann entsorgt werden sollte.


Viel los am Bahnhof


Zum Abtransport aus Eglisau kam es jedoch vorerst nicht, denn zunächst gings zur Werkstatt des pensionierten Eglisauer Schreiners Max Wolf. Dieser hatte nämlich den Artikel im ZU gelesen und sich spontan entschlossen, das teilweise sehr morsche Häuschen zu restaurieren. Und das kostenlos, denn auch für ihn hatte der Bretterverschlag, der nicht viel grösser als eine Telefonkabine ist, eine grosse Bedeutung.

«Als Kind war ich oft am Bahnhof. Ein Junge des Bahnhofvorstands war ein Freund von mir», erzählt Wolf. «Wir wussten genau, was da am Bahnhof so lief.» Und damals sei dort noch viel los gewesen. Drei Bahnhofvorstände hätten sich abgelöst, um zum Rechten zu schauen. Zwei bis drei Männer seien als Weichenwärter tätig gewesen und zwei weitere im Güterschuppen.

Er erinnere sich noch gut an die von Dampflokomotiven gezogenen Güterzüge, die von Basel und Schaffhausen nach Zürich und zurück stampfend durch den Eglisauer Bahnhof fuhren. Zudem kannte er auch die Gleisgänger, die den Schienen zwischen Rafz und Bülach entlang liefen und diese auf Defekte untersuchten.

Unterstand des Gleisgängers

Diese Streckenwärter waren es denn auch, die die kleine Schirmhütte als Unterstand und Kleinmateriallager benutzten. Auch ihr Rundenbuch, in welchem alle Vorkommnisse und Reparaturen fein säuberlich eingetragen wurden, war dort deponiert. «Wir haben am Bahnhof viel gespielt und die kleine Hütte etwa zum Verstecken benützt», erklärt der 75-jährige Max Wolf, der in Eglisau geboren wurde. Seit seinem fünften Lebensjahr wohnten er und die Familie nur einen Steinwurf vom Bahnhof entfernt.

Bodenbretter des Frohsinns

Den spontanen Entschluss, das Streckenwärterrelikt aus seiner Kindheit zu restaurieren, fasste Max Wolf, nachdem er den Artikel über das Projekt des Dampfbahnvereins gelesen hatte. Zunächst galt es, altes Holzmaterial aufzutreiben. Wolf wusste, dass zurzeit das Restaurant Frohsinn in Hochfelden umgebaut wird. Also nahm er Kontakt mit dem dort tätigen Schreiner auf und konnte so einige rund 100 Jahre alte Bodenbretter aus Fichtenholz für sein Unterfangen sichern. 

Mit diesen Bodendielen ersetzte er jene Teile der Schirmhütte, die hoffnungslos von Fäulnis und Käfer betroffen waren. Von den etwa 14 Tagen, die der Eglisauer Schreiner in die Restaurierung investierte, wendete er einen Grossteil für das Abbürsten der Frohsinn-Bretter auf. Gehobelt wurde nichts, denn es sollte möglichst original erscheinen. «In dieser Zeit hätte ich vier solcher Hütten neu gebaut», sagt Wolf lachend. Schliesslich sägte er die unteren zehn Zentimeter des Büdelis ab, denn dieser Teil, der über all die Jahre die Bodenflüssigkeit in sich aufgesaugt hat, war unwiederbringlich zerstört.

«Ein absoluter Glücksfall»

Die Bodennässe wird es nicht mehr so leicht haben, denn das Häuschen steht nun in Bauma auf einem Betonfundament und nicht mehr im Dreck. Auch von oben kann das Wasser nicht ins Innere dringen, denn die Biberschwanzziegel decken das Gleisgängerhäuschen dicht ab und ein Dachdecker hat das Giebelblech fachmännisch eingebaut.

Lokomotivführer und Dampfbähnler Daniel Rutschmann aus Dietlikon ist begeistert vom Ergebnis: «Für uns war Max Wolfs Angebot ein absoluter Glücksfall.» Durch den selbstlosen Einsatz des Eglisauer Schreiners habe der Dampfbahnverein, der ohnehin einen kostspieligen Vereinszweck hat, viel Geld gespart. Etwas gekostet hätten lediglich der Transport des Häuschens und die Arbeit des Dachdeckers. Freude bereitet Rutschmann auch der Umstand, dass rund 75 Prozent der Originalholzstruktur erhalten werden konnten. «Und der Denkmalpfleger der SBB, Giovanni Menghini, ist hocherfreut, dass wir ein Streckenwärterhäuschen für die Nachwelt gesichert haben.» Es dürfte eines der letzten sein.

Autor: Cyprian Schnoz

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