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Kanton lässt Bäume in Naturschutzgebiet fällen

Grosser Holzschlag in Bauma

Kanton lässt Bäume in Naturschutzgebiet fällen

Der Protest der Baumer war nicht zu überhören, als 2012 in einem Waldstück oberhalb des Dorfs hunderte Bäume gefällt wurden. Jetzt planen die Verantwortlichen einen zweiten Holzschlag in derselben Gegend. Dank der Massnahme soll im Wald über dem Dorfs Lebensraum für seltene Arten entstehen.

Mittwoch, 10. Januar 2018, 12:04 Uhr Grosser Holzschlag in Bauma

Das Geräusch von Kettensägen wird in den nächsten Wochen in Bauma zum Alltag gehören. Direkt oberhalb des Dorfs ist ein grosser Holzschlag geplant. Bereits 2012 wurde im benachbarten Gebiet unterhalb der Ruine Altlandenberg geholzt, was damals in der Bevölkerung einigen Protest auslöste. Nun folgt die zweite Etappe. In dem rund 18'000 Quadratmeter grossen Gebiet sollen etwa 300 Bäume gefällt werden. 

So spektakulär wie vor sechs Jahren wird der aktuelle Holzschlag aber nicht. «Damals wurde ein Spezialhelikopter eingesetzt, um die Baumstämme aus dem Hang zu holen», sagt Förster Jürg Küenzi. «Das war wohl der Grund, warum viele Leute fanden, der Eingriff sei unverhältnismässig.» Zu negativen Reaktionen werde es diesmal hoffentlich nicht mehr kommen. Statt einem Helikopter setze man auf eine Seilbahn, um die Bäume aus dem Hang zu ziehen, sagt Küenzi. 


Ein empfindliches Ökosystem


Das Ziel des Eingriffs ist aber vergleichbar mit demjenigen vor sechs Jahren. Auch damals ging es darum, wieder mehr Licht auf den Waldboden zu bringen. Der Hang ist fast auf der ganzen Länge ein kantonales Naturschutzgebiet. «Das Spezielle an diesem Ort ist die steile Hanglage, die Bodenbeschaffenheit und die starke Sonneneinstrahlung dank der Ausrichtung nach Süden», sagt Jacqueline Stalder, die beim kantonalen Amt für Landschaft und Natur für das Projekt zuständig ist. «Diese Lage begünstigt eine einzigartige Kombination von Trockenwiesen und lichtem Wald.» Neben Föhren und Eichen finden sich Mehlbeeren und wilde Kirschen. Diese bieten einer Vielzahl von seltenen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum. Am Boden zwischen den Bäumen wachsen diverse Orchideensorten und Pfeifengras, das den Raupen des seltenen Gelbringfalters als Nahrungsquelle dient. 


Die Vegetation ist zu dicht


Mit der Zeit hat sich die Vegetation verändert. «Da der Holzpreis tief ist, wurde der Wald in den letzten Jahrzehnten zu wenig wirtschaftlich genutzt. Der Bestand wurde darum immer dichter», sagt Küenzi. Zwischen den ökologisch wichtigen Bäumen stehen heute viele Buchen, die den Bodenpflanzen das Licht nehmen. Um zu verhindern, dass sie die geschützten Pflanzen ganz verdrängen, werden jetzt viele dieser Bäume entfernt. 


Vor einigen Jahren kaufte der Kanton einen Grossteil des Gebiets den Privatbesitzern ab. «Ziel war es von Anfang an, den Wald aufzuwerten», sagt Stalder. Für Förster Jürg Küenzi ist diese Situation ein Glücksfall. «Das macht die Organisation viel einfacher, als wenn man das Einverständnis von diversen Waldbesitzern einholen müsste.» Zudem hätten Privatwaldbesitzer häufig kein Interesse an ökologischen Massnahmen, da sie davon keinen wirtschaftlichen Nutzen haben und die Kosten des Eingriffs selber tragen müssen. «Der Kanton ist in dieser Hinsicht ein verlässlicher Partner.» 


Verzögerung wegen «Berglind»


Anders als bei einem kommerziellen Holzschlag werden die gefällten Bäume nicht vor Ort entastet, sondern zuerst mit den Seilbahnen aus dem Hang gezogen. So könne man den Schaden an den verbleibenden Pflanzen geringer halten, sagt Stalder. «Am Anfang wird es dennoch etwas kahl aussehen.» Das werde sich aber relativ schnell ändern, wie die vor sechs Jahren bearbeitete Fläche beweise. «Langfristig gibt es ein abwechslungsreiches Waldbild, das auch für Wanderer interessant ist.» 


Der Holzschlag beginnt nächste Woche und wird etwa einen Monat in Anspruch nehmen, sagt Küenzi. «Es kann aber sein, dass es noch zu Verzögerungen kommt. Denn zuerst muss sich der kantonseigene Forstbetrieb Staatswald Tössstock und Rüti, der den Holzschlag ausführen wird, um die Schäden kümmern, die letzte Woche wegen Sturm Burglind entstanden sind.» 

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