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10 Jahre «Kiptere» in Bauma

Ein Velo-Abenteuer für Kenia

Es wird ein Abenteuer: Nadja Schloss aus Bauma fährt mit dem Velo und ihrer Tochter im Kindersitz nach Portugal. Auf der Reise schreibt sie einem Blog und macht so gleichzeitig auf das 10-Jahr-Jubiläum ihres Hilfswerks aufmerksam.

Montag, 11. Juni 2018, 19:40 Uhr 10 Jahre «Kiptere» in Bauma

Am letzten Samstag ging es los. Mit ihrer knapp dreijährigen Tochter Alissa im Kindersitz brach Nadja Schloss mit dem Velo von Bauma aus auf. «Unsere Idee ist, bis nach Portugal ans Meer zu fahren. Die genaue Route wird vom Wetter, den Velowegen und der Laune meiner Tochter abhängig sein», sagt die junge Mutter. Etwa zwei Monate wird die knapp 2500 Kilometer lange Reise dauern. 


Nadja Schloss traut sich das zu. «Vor ein paar Jahren bin ich mit dem Velo quer durch Kanada gefahren. Ich liebe diese Art zu reisen.» Ihre Erlebnisse während dem Velo-Abenteuer hält sie auf einem Blog mit dem Titel «Experiment Glück» fest. In den Blog-Beiträgen wird es aber nicht nur um ihre eigenen glücklichen Erlebnisse während der Reise gehen, sondern  auch um die Glücksmomente von Bauernfamilien aus Kenia.


Per Zufall in Kenia gelandet


Der Grund für diese ungewöhnliche Kombination ist Schloss’ Engagement in dem ostafrikanischen Land. Von Bauma aus führt sie das Hilfswerk Kiptere, das nach einem Dorf in der Nähe des Victoriasees benannt ist. Dieses Jahr feiert ihr Hilfswerk das 10-Jahr-Jubiläum. 


«Dass ich in Kenia landete, war ein Zufall», sagt Schloss. Mit 22 Jahren wollte sie eigentlich ein Praktikum in Äthiopien machen. «Das kam jedoch nicht zustande. Ich suchte nach einer Alternative und kam schliesslich für einen Freiwilligeneinsatz nach Kiptere.» Dort angekommen, stellte sie fest, dass ihr Projekt de facto nicht existierte. «Der Projektleiter hatte das Geld in die eigene Tasche fliessen lassen.» Statt einfach wieder zu gehen, entschied Schloss ihr eigenes Projekt aufzuziehen. «Das war anfangs nur als kleine Sache gedacht. Ich begann Geld zu sammeln, um damit eine Gruppe zu unterstützen.» Was als einmalige Hilfeleistung geplant war, entwickelte sich bald in ein längerfristiges Engagement. 


Kaffee und sauberes Wasser


Heute unterstützt der Verein Kiptere drei Projekte in Kenia. «Im ersten helfen wir 75 Bauernfamilien beim Anbau von Kaffee, durch dessen Verkauf sie wiederum das Schulgeld für die Kinder bezahlen können», sagt Schloss. Im zweiten Projekt installierte das Hilfswerk eine Filteranlage, die eine Schule mit 1200 Kindern und deren Familien mit Trinkwasser versorgt. «Das dritte Projekt ist eine Werkstatt, in der wir Schmuck, Holzwaren und diverse andere Sachen herstellen, die dann auf Märkten in Kenia und in der Schweiz verkauft werden, und helfen die anderen Projekte zu finanzieren.»

Ein «Kiptere»-Mitarbeiter erklärt lokalen Bauern, worauf man beim Kaffeeanbau achten muss. (Foto: PD)

In Kenia arbeiten 16 Festangestellte und eine wechselnde Zahl von Teilzeitangestellten für «Kiptere». In der Schweiz wird der Verein von Nadja Schloss und ihrem Vater geführt. «Hinzu kommen pro Jahr vier bis fünf Freiwillige, die für Einsätze nach Kenia gehen», sagt Schloss. 


Individuelle Glücksmomente

Zur Feier des Jubiläums von «Kiptere» überlegte sich Nadja Schloss, was sie Spezielles machen könnte. «Ich habe Mühe mit Spendenaktionen, die nur zeigen, wie schlecht es den Leuten geht. Das wird der oft komplexen Realität nicht gerecht.» 


Stattdessen beschloss sie, den Fokus auf die positive Veränderung zu legen, welche die Arbeit von «Kiptere» den Leuten gebracht hat. «Als ich im Februar in Kenia war, haben wir kurze Beiträge von Leuten gesammelt, die von ihren ‹Glücksmomenten› mit uns erzählen.» Diese Beiträge werden nun während der Velo-Reise regelmässig auf Schloss’ Blog aufgeschaltet und mischen sich so mit ihren eigenen Glücks-Beiträgen. «Durch diese Aktion sollen die Leute auf eine andere Art einen Einblick in unsere Arbeit erhalten. Und natürlich hoffen wir, dass wir danach mit Spenden unterstützen werden.» 

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