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Wetziker Familie erfüllt sich einen Traum

Vom Berninapass zu Fuss bis nach Fehraltorf

Wetziker Familie erfüllt sich einen Traum

Familie Gassmann Wäfler aus Wetzikon plant das Abenteuer ihres Lebens. Zu Fuss wandern die Vier in diesen Sommerferien vom Berninapass bis nach Fehraltorf – mit Sack, Pack und Pferd.

Annette
Saloma
Donnerstag, 12. Juli 2018, 09:48 Uhr Vom Berninapass zu Fuss bis nach Fehraltorf

Je näher der 22. Juli rückt, desto unruhiger wird Marion Wäfler. «Letzthin hatte ich einen kleinen Anflug von Panik, als ich mir überlegte, dass es bald los geht», sagt die 41-Jährige. «Gleichzeitig freue ich mich riesig. Das ist mein Herzensprojekt.»

Am 22. Juli startet die vierköpfige Familie aus Wetzikon eine Wanderung vom Berninapass bis nach Fehraltorf. Über 200 Kilometer, in 17 Etappen während vier Wochen. Mit dabei: Der dreijährige Berber-Wallach Chalid. Ihn hat die Familie vor drei Jahren als Fohlen gekauft. «Damit habe ich mir einen Traum erfüllt, den ich schon seit meiner Kindheit hegte», sagt Marion Wäfler. Da sie aber keine Erfahrung mit Fohlen gehabt habe, liess sie ihn während der ersten drei Jahre bei der erfahrenen Züchterin im Puschlav. «Nun ist der Zeitpunkt gekommen, ihn in unsere Nähe zu holen.»

Leidenschaft für Langsames Reisen

Aber ein Transport im Anhänger ist ihr zu langweilig und zu einfach. «Als Teenager träumte ich davon, ein Pferd in Spanien zu kaufen und damit nach Hause in die Schweiz zu reiten», sagt Wäfler, die als selbständige Texterin arbeitet. «Langsames Reisen hat mich schon immer fasziniert. Ich ging beispielsweise mit dem Schiff nach Indien.»

Seit rund einem Jahr ist Mutter Marion Wäfler mit den Vorbereitungen beschäftigt. Letzten Sommer wanderte sie zum Auskundschaften vom Berninapass durch das Oberengadin und das Prättigau bis nach Schiers. Sie fragte bei Bauernhöfen und Reitställen nach Übernachtungsmöglichkeiten.

 

«Langsames Reisen hat mich schon immer fasziniert. Ich ging beispielsweise mit dem Schiff nach Indien.»

Marion Wäfler, Wetzikon

 

Den Rest organisierte sie von zu Hause aus per Telefon. Mittlerweile existiert eine fertige Excel-Liste mit fast allen Orten, wo die Familie übernachten kann. Oft schlafen die Vier bei Privaten im Stroh, ab und zu in einer Pension. «Ich erlebte sehr viel Gastfreundlichkeit und Offenheit. Die Leute waren total unkompliziert und hilfsbereit», erzählt sie. «Bei manchen spürte man gleich eine Verbindung am Telefon und ich freue ich mich sehr, sie persönlich kennenzulernen.»

Motivation der Kinder als grösste Herausforderung

Da Chalid noch nicht zugeritten ist, wird er nur das Gepäck tragen, die Familie geht zu Fuss. Bei jedem Wetter. «Wenns nicht grad Katzen hagelt, laufen wir.» Die kürzeste Etappe ist acht Kilometer lang, die längste sechzehn. «Die grösste Herausforderung wird es sein, unsere Kinder zu motivieren», sagt Wäfler. «Sie freuen sich zwar, aber auf das Wandern haben sie nicht allzu grosse Lust.»

Sie würden aber immer wieder tageweise Pausen einlegen. Während der ersten Woche ist ausserdem die Züchterin mit ihrer Tochter und einer Freundin dabei  – inklusive Pferd für die Kinder. «Wir überqueren gleich am Anfang den Scalettapass. Da sind wir froh um diese Unterstützung.»

 

«Wir sind mit ihm im Strassenverkehr spaziert oder am Bahnhof verweilt, bis der Zug kam»

Marion Wäfler, Wetzikon

 

Um die Ausdauer der Kinder mache sie sich jedoch wenig Sorgen. Da beide mehrmals pro Woche Sport treiben – der 7-jährige Juri Eishockey und die 10-jährige Malou rhythmische Gymnastik - seien sie topfit. Einzig Vater Beat Gassmann werde leiden. «Er ist unsportlich und raucht», sagt Wäfler und lacht. «Aber er findet das Projekt toll und ist mit Begeisterung dabei.»

Start in neuen Lebensabschnitt

Regelmässig fuhr Wäfler im vergangenen Jahr ins Puschlav, um Chalid auf die Wanderung vorzubereiten. Viel Zeit hätten sie mit der Desensibilisierung des Tieres verbracht. «Wir sind mit ihm im Strassenverkehr spaziert oder am Bahnhof verweilt, bis der Zug kam», erzählt sie. «Wir haben schmale Brücken und breite Bäche überquert.» Sie hätten dem Pferd möglichst viele –aus den Augen eines Fluchttiers – gefährliche Situationen zeigen wollen. «Je mehr Chalid schon kennt, desto entspannter ist es unterwegs.» Man merke schon, dass er noch ein junges Pferd sei, sagt sie. «Aber er macht seine Sache sehr gut.»

 

 

Mit der Reise nehme sie auch eine Art Abschied von Menschen, die sie in den letzten Jahren mit Chalid begleitet hätten. «Danach wird Chalid zudem zum ersten Mal ohne seine Herde sein. Das wird sicher ein emotionaler Moment.» Sie freue sich, den Wallach bald in der Nähe zu haben. «Auf dieser Reise werden wir ihn noch besser kennenlernen», sagt sie. «Das ist ein wunderbarer Start in einen neuen Lebensabschnitt zu fünft.»

Ihre Erwartungen an die Reise seien nicht riesig. «Ich wünsche mir einfach, dass alles gut geht und wir als Familie eine gute Zeit haben werden», sagt Marion Wäfler. «Und natürlich hoffen wir auf gutes Wetter.»

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