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Mediker Barriere sorgt für Ärger

Mediker Barriere sorgt für Ärger

Füllt die Stadtpolizei die Wetziker Stadtkasse, indem sie sich beim Bahnübergang in Medikon auf die Lauer legt? «Nein», so Gemeindeschreiber Marcel Peter. Kürzere Schliesszeiten der Barriere kann er aber auch nicht versprechen.

Mittwoch, 04. Januar 2012, 19:38 Uhr

«Statt wirklich etwas für die Sicherheit zu tun, verteilt die Stadt Bussen», ärgert sich Stefan Figi. Bussen für ein «Verbrechen», dass darin bestehe, die Bahn­gleise beim Übergang in Medikon bei offener Barriere zu queren, obwohl das Warnsignal blinkt und die Alarmglocken läuten. Innert zehn Minuten kassierten zwei Stadtpolizisten so an einem Samstag von sechs Betroffenen insgesamt 1500 Franken. Was den in Medikon wohnhaften Primarschulpfleger und TV-Sportjournalisten zusätzlich auf die Palme brachte: «Die Polizisten konnten sich nicht einmal ausweisen. Stattdessen boten sie mir ihre Visitenkärtchen an.» Initiative von 2002

Figi machte seinem Ärger in einem Leserbrief im Zürcher Oberländer Luft. Er merkte bald, dass er einen Nerv getroffen hatte. «Viele Leute haben mich auf den Leserbrief angesprochen. Der Bahnübergang ist nicht nur für uns Mediker ein Ärgernis.» Ein Problem, das längst gelöst sein könnte, findet Figi. 2002 hatte er eine Initiative für eine Änderung des Verkehrsregimes eingereicht. Der Bahnübergang sollte für den motorisierten Verkehr gesperrt werden, um die Sicherheit für Velofahrer und Fussgänger, insbesondere der Schulkinder, zu verbessern.

Die Gemeindeversammlung lehnte den Vorstoss zwar ab. Der Gemeinderat versprach aber, sich des Problems anzunehmen. «Seither ist nichts passiert», so Figi. Im Gegenteil. Mit der Einführung der S15 seien die Barrieren inzwischen noch länger geschlossen – «manchmal wartet man bis zehn Minuten vor dem Bahnübergang».

Figi verlangt, dass die Barrieren weniger lang geschlossen werden. Auch sei die Zeit zwischen Warnung mit Wechselblinker und Alarmglocken sowie effektiver Schliessung zu verkürzen. Und in den Stosszeiten müsse die Einfahrt in die Zürich- und die Weststrasse erleichtert werden. So könnten lange Rückstaus auf der Bertschikerstrasse vom Lichtsignal beim Heils­armee-Brockenhaus bis über den Bahnübergang hinaus verhindert werden. «Heute kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen, weil Autos auf den Gleisen stehen.» Figi berichtet von Automobilisten, die «in Panik die Bahnschranke durchbrachen» und von Rollstuhlfahrern, die in den Gleisen stecken blieben und von Passanten gerettet werden mussten – «einmal kam auf dem anderen Gleis der Zug angebraust».

Bei den SBB vorstellig

«Das Problem lässt sich leider nicht so einfach lösen», erklärt der Gemeindeschreiber Marcel Peter. Er wehrt sich gegen den Vorwurf, der Gemeinderat sei untätig geblieben. «Die Stadt wurde mehrfach bei den SBB vorstellig.» Kleine Verbesserungen seien auch erreicht worden. Wegen der inzwischen grösseren Frequenzen auf der Bahnlinie seien die Schliessungszeiten aber länger geworden. «Wir haben mehrfach interveniert. Die SBB erklärten uns aber, sie könnten keine Abstriche an der Sicherheit machen.» Auch könne die Barrierenanlage nicht mit dem Lichtsignal an der Kreuzung Bertschiker-, Zürich- und Weststrasse gekoppelt werden, weil es sich um ganz unterschiedliche Systeme handle.

Peter betont: «Die Stadtpolizei macht keine gezielten Kontrollen am Mediker Bahnübergang.» Zu den Bussen sei es zufällig gekommen. «Die Polizisten waren auf Patrouille, stoppten aus einem anderen Grund einen Automobilisten und wiesen ihn auf den Parkplatz beim Restaurant Sternen ein.» Dabei hätten sie beobachtet, wie mehrere Lenker den Bahnübergang trotz Warnungssignalen passierten und seien eingeschritten. «Hätten sie weggeschaut, hätte man ihnen ebenfalls einen Vorwurf machen können.»

Keine Ausweispflicht

Dass sich die Stadtpolizisten nicht ausweisen konnten, sei kein Fehler gewesen, stellt Gemeindeschreiber Peter klar. «Sie waren ja uniformiert.» Tatsächlich müssen sich Uniformierte laut §45 des kantonalen Polizeigesetzes nicht ausweisen – unabhängig davon, ob es sich um Kantonspolizisten oder Angehörige einer kommunalen Polizei handelt.

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