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Holocaust-Überlebende erzählte an der Kanti

Die Jüdin Anita Lasker-Wallfisch hat den Holocaust überlebt, weil sie im «Mädchenorchester» des Konzentrationslager Auschwitz spielte. Am Mittwoch las sie an der Kantonschule Wetzikon aus ihrem Buch.

Mittwoch, 06. März 2013, 18:50 Uhr

Rasch sind die fast 600 Sitze in der Aula der Kantonsschule Wetzikon besetzt, die Schüler quetschen sich auf die Treppe. Gelächter, Geschubse. Unten, beim Eingang zur Bühne, lugt eine alte Frau am Stock hinter dem Türrahmen hervor. Es ist Anita Lasker-Wallfisch, Jahrgang 1925, eine deutsche Jüdin, die den Holocaust in zwei Konzentrationslagern überlebt hat. Die Kantonsschule hat sie eingeladen, aus ihrem Buch «Ihr sollt die Wahrheit erben» zu lesen. Und damit an eine Zeit zu erinnern, in der «jede Moral abhanden gekommen war», wie sie sagt. Als sie sich an den Tisch setzt und zu erzählen beginnt, ist es plötzlich still. In 45 Minuten schildert sie ihr Leben während des Krieges und vor allem in den beiden Konzentrationslagern Auschwitz und Bergen-Belsen. Sie erzählt mit fester Stimme, schnell, trocken.

Das Glück der Gefangenschaft

Anita Lasker-Wallfisch wächst in Breslau auf mit zwei Schwestern, der Vater ist Rechtsanwalt, die Mutter Geigerin. Anita spielt schon als Kind Cello. Als der Krieg ausbricht, versuchen die Eltern, zumindest ihre Kinder von den Nazis zu retten. Doch nur Anitas Schwester Marianne gelingt es, nach England zu flüchten. 1942 werden die Eltern deportiert.

Ein Fluchtversuch von Anita und Renate scheitert; sie werden am Bahnhof von der Gestapo verhaftet. «Dass wir in den Augen der Nazis Verbrecher waren, war unser grosses Glück. Absurd.» Als die Schwestern nacheinander vom Gefängnis nach Auschwitz verlegt werden, kommen sie mit einem «Gefangenentransport» an. Während viele Menschen in den Gaskammern landen, kommen die Schwestern in die Lager.

Anitas Glück ist, dass sie Cello spielen kann. Bei der Aufnahme im Lager erzählt sie beiläufig von ihrem Talent. Was das Mädchen, das ihre Personalien aufnahmen sagte, weiss sie noch heute: «Das ist phantastisch! Du wirst gerettet werden!»

Lesen Sie mehr dazu im ZO/AvU vom Donnerstag, 7. März.

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