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«Die Grundwerte habe ich von meinen Eltern»

«Die Grundwerte habe ich von meinen Eltern»

Seit sieben Jahren leitet Christoph Reis das Schweizerische Wohn- und Arbeitszentrum für Mobilitätsbehinderte Iwaz in Wetzikon. Die Arbeit dort erfordert viel Empathie. Anderen zu helfen, ist für Reis das Edelste.

Rosmarie
Schmid
Samstag, 02. September 2017, 15:31 Uhr

Wie sah ihr beruflicher Weg aus, bevor Sie Geschäftsleiter beim Iwaz wurden?
Christoph Reis: Vor 44 Jahren lernte ich Betriebsdisponent bei den SBB, damals ein Traumberuf, mit dem Ziel, Bahnhofvorstand zu werden. Dort arbeitete ich viele Jahre. Und weil das Leben ein stetes Aus- und Weiterbilden ist, wechselte ich als stellvertretender Betriebsleiter zur Forchbahn. 2001 wurde ich Finanzchef beim Iwaz, und 2011 durfte ich die Gesamtleitung übernehmen.
Was gab den Anstoss, das Iwaz zu leiten?
Es war beziehungsweise ist ein Wertethema: Ich kam als Finanzchef hierher, weil mir wichtig war, dass zwar betriebswirtschaftlich gearbeitet wird, dass jedoch alle Leistungen den Menschen mit Handicap zugutekommen.
Was ist die grösste Herausforderung in Ihrer Position?
Der Themenkreis erstreckt sich über die Personalführung von über 300 Mitarbeitern. Zudem müssen die finanziellen Ressourcen sichergestellt werden und genügend Arbeitsaufträge für die Menschen mit Handicap vorhanden sein.

Name: Christoph Reis
Geburtsjahr: 1957
Beruf: Geschäftsleiter des Iwaz in Wetzikon
Erlernter Beruf: Betriebsdisponent
Weiterbildungen: Betriebsökonom, Master of Advanced Studies ZFH in Controlling
Hobbys: Natur, Golf und Trekking
Zivilstand/Kinder: verheiratet, zwei erwachsene Kinder
Wohnort: Hinteregg


Welche Voraussetzungen muss man dafür mitbringen?
Es braucht viel Empathie für die verschiedenen Anspruchsgruppen wie die Mitarbeiter mit und ohne Handicap, Behörden oder Auftraggeber.
Was heisst «helfen» für Sie?
Anderen zu helfen, ist das Edelste, was wir tun können. Helfen ist vielseitig, anspruchsvoll und bedeutet nicht nur zu unterstützen, sondern auch zu begleiten, einzufordern und zu motivieren.
Was wollen Sie für die Bewohner im Iwaz erreichen?
Wichtig ist mir, die Lebensqualität unserer Mitarbeiter und Bewohner mit Handicap stets zu erhöhen und zu verbessern – sei dies durch eine angepasste Tagesstruktur, durch behindertengerechte Wohn-, Ausbildungs- und Arbeitsplätze oder durch agogische Begleitung im Alltag.

«Helfen ist vielseitig und anspruchsvoll.»

Von wem haben Sie in Ihrem Leben am meisten gelernt, konkret auch für Ihr Berufsleben?
Das ist je nach Lebensphase unterschiedlich. Die Grundwerte wie die Lebenseinstellung habe ich von meinen Eltern, die sehr vieles aufgegleist haben. Dann waren es viele gute und kompetente Vorgesetzte.
Welches Buch hat Sie zuletzt beeindruckt?
«Dement, aber nicht bescheuert» von Michael Schmieder. Bis 2015 leitete er das Demenzzentrum Sonnweid in Wetzikon. Sein Ziel ist es, den Patienten ihre Würde wiederzugeben.
Welche historischen Persönlichkeiten hätten Sie gern getroffen und was hätten Sie sie gefragt?
Die beiden Friedensnobelpreisträger Henri Dunant und Mutter Teresa. Die Frage würde lauten: Sehen Sie ihr Lebenswerk richtig umgesetzt und welche Handlungsempfehlungen könnten Sie uns mit auf den Weg geben, damit es Krieg und Armut nicht mehr gibt?

«Ich hätte gern Henri Dunant und Mutter Teresa getroffen.»

Was ist Ihr Lieblingsort in der Region?
Mein Wintergarten mit Blick an den Hinteregger Berg.
Wobei können Sie am besten entspannen?
Bei einer Runde Golf auf dem Golfpark Mieminger Plateau in Tirol.
Worüber ärgern Sie sich?
Über die Aussage «Man sollte…»
Was ist Ihre grösste Stärke?
Geduld kombiniert mit einer Portion Gelassenheit sowie ein grosses Vertrauen in die Aufrichtigkeit meines Gegenübers.

«Meine grösste Stärke ist Geduld.»

Wem vertrauen Sie blind?
Meiner langjährigen Ehefrau Karin.
Was bereitet Ihnen Sorgen oder Angst?
Dass wir Menschen zu wenig erkennen, dass wir Gäste unserer Erde sind. Normalerweise bringt der Gast ein Geschenk mit. Aber was geben wir der Erde? Vielleicht erfinden wir bald etwas, das der Erde gut tut?
Welche Superkraft hätten Sie gerne?
Frei zu fliegen wie ein Vogel. Das ermöglichte einen zusätzlichen Blickwinkel auf unsere Lebenssituationen oder das tägliche Geschehen.
Was ist einer Ihrer grössten Träume?
Im Rahmen einer Benefizveranstaltung zugunsten des Iwaz würde ich gerne eine Runde Golf mit Barack Obama und Tiger Woods spielen.
Was würden Sie gern einmal in der Zeitung lesen?
Dass der ZO/AvU Medienpartner bei der oben genannten Benefizveranstaltung ist.

 

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