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SM im Eisstockschiessen in Wetzikon

Der Kampf gegen den Widerstand des Eises

Sieht aus wie Curling, ist aber ein anderer Sport. Am Samstagnachmittag fanden in Wetzikon die Schweizer Meisterschaften im Eisstockschiessen statt.

Daniel
Hess
Sonntag, 22. Januar 2017, 19:13 Uhr SM im Eisstockschiessen in Wetzikon

Irgendetwas zwischen Curling und Boccia ist es, was die Cracks an diesem Samstagnachmittag in der Kunsteisbahn Wetzikon anlässlich der Schweizer Meisterschaften im Eisstockschiessen betreiben. Dürfte zumindest der Laie vermuten.

Viel mehr als die Unterlage, auf der gespielt wird, habe seine Sportart mit dem Curling aber nicht gemein, sagt Ueli Mumenthaler, Präsident des veranstaltenden Eisstockclubs am Bachtel. Dem italienischen Kugelspiel komme es aber durchaus nahe. «Genauso wie in diesem kann bei uns nämlich die Lage des Zielobjekts verändert werden», sagt Mumenthaler, der auch den Schweizerischen Eisstockverband präsidiert.

Präzision ist gefragt

Im Gegensatz zum Mannschaftsspiel, in dem die erste Mannschaft des ESC am Bachtel tags zuvor Silber gewann und die zweite Edelmetall nur knapp verpasste, kommt diese Taktik im anstehenden Final des Einzelbewerbs im Zielschiessen zwar nicht zum Zug. Präzision ist aber allemal gefragt, gilt es doch mit insgesamt 48 Stockschüssen verschiedene Aufgaben zu meistern.

Als einziger seines Klubs für die Endausmarchung qualifiziert hat sich auch Mumenthaler. «Ich will eine Medaille», sagt der 61-Jährige, nachdem er sich kurz zurückgezogen hat, um sich auch mental auf seinen Einsatz vorzubereiten. Deshalb sei er nicht gerade nervös, aber doch ein wenig angespannt.

Eine Walze für die Fairness

Inzwischen haben nicht für den Final qualifizierte Schützen schon etliche Male die rund fünf Kilogramm schweren Stöcke über das Eis geschleudert, das zuvor mit einer speziellen Walze aufgeraut worden war. «So herrschen für alle dieselben Bedingungen», erklärt Armin Wyss vom ESC am Bachtel.

Mumenthaler hat nun acht Minuten Zeit, sich einzuschiessen und sich für die geeigneten Untersätze zu entscheiden. Je weicher die sogenannten Laufsohlen sind, desto höher ist der Widerstand auf dem Eis und desto kürzer geraten die Versuche. «Triffst du die falsche Wahl, bist du verloren», sagt der Hinwiler.

Erstaunlich ruhig auf Platz und in Zuschauerrängen

Die zwölf Finalisten absolvieren ihr Programm auf ebenso vielen Bahnen nebeneinander. Sie sind konzentriert und zeigen nur selten Emotionen. «Erstaunlich ruhig» seien die Akteure, findet einer der wenigen Zuschauer, die sich in die Halle verirrt haben und auch nicht eben für eine atemberaubende Atmosphäre sorgen.

Der Oberländer, der von Teamkollege Pascal Dal Molin assistiert wird, der ihm jeweils das Resultat anzeigt und den Stock zurückschiesst, startet mit einem Schuss, der unmittelbar neben dem Zielobjekt, der aus Hartgummi gefertigten Daube, zu liegen kommt, lässt dann immer mehr nach. Auch in seiner Paradedisziplin, dem Wegbefördern eines anderen Stockes, bleibt er unter seinen Möglichkeiten. Schon nach der ersten von zwei Runden ist der Traum von weiterem Edelmetall für Mumenthaler ausgeträumt. Dieser hadert zuweilen leise mit sich selbst, zeigt ansonsten aber kaum Regung.

Einfach nicht in Schwung gekommen

Der zweite Umgang gelingt ihm zwar deutlich besser, doch mehr als ein Ehrenplatz bleibt ihm nicht. «Ich bin im Wortsinn einfach nicht in Schwung gekommen», klagt Mumenthaler hernach und ortet das Problem im Kopf. «Vielleicht war ich zu verbissen.» Er ist enttäuscht, aber ärgern mag er sich nicht. Dass er sich dank seiner Leistung in der Vorrunde für die Europameisterschaften in Tschechien qualifiziert hat, ist ein zusätzlicher Trost.

Gewonnen hat der, der seit Jahrzehnten fast immer gewinnt. Der nunmehr 51(!)-fache Schweizer Meister Fredy Weyermann von den Solothurnern «Sunny-Boys» war von den «jungen Wilden», wie der 68-Jährige seine weniger alten Konkurrenten nennt, einmal mehr nicht zu schlagen. «Es ist eben nicht nur Power gefragt, sondern auch Feingefühl», sagt Weyermann, der einst auch im Weitschiessen Titel hamsterte, wo der Weltrekord bei sagenhaften 566 Metern liegt.

Das Verlieren lernen

Wichtig sei aber auch, dass man zuerst das Verlieren lerne, sagt Weyermann – «auch wenns bei mir nicht allzu oft vorkommt», wie er schmunzelnd anfügt. Beweisen, dass er auch dazu imstande ist, kann er allerdings gleich darauf im  Mannschaftsbewerb des Zielschiessens. In diesem vermögen seine Teamkollegen und er nämlich nicht zu verhindern, dass die Lokalmatadoren Gold erobern. Mumenthaler, Wyss. OK-Präsident Beat Schaufelberger und Thomas Biedermann treffen am genausten und zeigen, dass der ESC am Bachtel Meisterschaften nicht nur erfolgreich organisieren, sondern auch gewinnen kann.

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