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Umnutzen dank Weilerkernzonen

Wald verfügt über zahlreiche Aussenwachten. Ein Instrument, die Umnutzungen aufgegebener Betriebe zu vereinfachen, fehlte bisher. Das ändert sich mit der Schaffung von Weilerkernzonen. Sie liegen nun zur Vernehmlassung auf.

Freitag, 16. Januar 2015, 20:34 Uhr

Die Gemeinde Wald ist punkto Weilerkernzonen eine Spätzünderin. Dies, obschon sie über zahlreiche Weiler verfügt. Bis heute liegen diese in der Landwirtschaftszone, was eine Umnutzung etwa ehemaliger landwirtschaftlich genutzter Gebäude praktisch verunmöglicht. Das soll sich ändern: Zurzeit liegt auf der Walder Verwaltung die revidierte Nutzungsplanung auf, die in zwölf Aussenwachten Weilerkernzonen vorsieht. Seit Generationen in Mettlen

Albert Schoch hat das Ansinnen aktiv unterstützt und war als Betroffener an den beiden Mitwirkungsveranstaltungen, die die Gemeinde im letzten Jahr organisiert hat, dabei. Der 49-Jährige führt in dritter Generation eine Holzbaufirma im Weiler Mettlen – und lebt wie seine Vorväter mit Frau und Kindern dort.

1944 machte sein Grossvater aus seinem landwirtschaftlichen Betrieb eine Zimmerei. Was damals vom gesetzlichen Rahmen her ein einfaches war, wäre heute ein schwieriges, wenn nicht gar unmögliches Unterfangen. «Auch die Erweiterung, die mein Vater in den 1980er Jahren vorgenommen hatte, ist heute undenkbar», so Schoch. Gleiches gilt für den Anbau eines WCs und eines Aufenthaltsraums für die Angestellten, der 1998 erfolgte. Weil die Liegenschaft in der Landwirtschaftszone liegt, seien bauliche Veränderungen angesichts zahlreicher neuer gesetzlicher Grundlagen praktisch unmöglich geworden.

Keine aktuellen Pläne

Dabei zählt Albert Schoch zu jenen Betroffenen, die aktuell gar keine Umbaupläne hegen. «Mir geht es darum, für die Zukunft eine Grundlage zu schaffen, anhand derer gewisse Veränderungen möglich sind.» Was in den kommenden Jahren allenfalls ein Thema werde, sei die Umnutzung von Teilen des bestehenden Gebäudes in Büros oder in eine Wohnung.

Nebst der einfacheren Realisierung solcher Pläne sieht Schoch in den Weilerkernzonen zudem eine Chance, die Aussenwachten am Leben zu erhalten – und der Überalterung entgegenzuwirken.

Aufgabe der Käserei

Neben Mettlen sollen elf weitere Weilerkernzonen geschaffen werden. So liegen Pläne für Ried, Raad, Hischwil, Hüebli-Aa, Hittenberg, Güntisberg, Hiltisberg, Dieterswil, Hueb/Unterhueb, Büel sowie Neutal/Hinter-Aatal vor. Ein Blick darauf zeigt: Die Einzonungen erfolgen engmaschig um die bestehenden Gebäude und Strassen; es gibt keine nennenswerten freien Flächen. Der 69-seitige begleitende Bericht zeugt von der Komplexität des Themas. Einfach so wird aus einer Landwirtschaftszone in einer Aussenwacht keine Weilerkernzone.

Anders als in Mettlen zeichnen sich bereits jetzt in einigen Weilern konkretere Veränderungen ab, die in der Vernehmlassung ihren Niederschlag finden. Bei Ried heisst es: «Die ­heute bestehende Käserei soll aufgegeben werden, sodass hier Umnutzungspläne bestehen.» Beim Weiler Raad ist davon die Rede, dass für die Sägerei Pläne für die Umnutzung als gemeindeeigener Werkhof vorhanden seien. Auch im Hüebli-Aa zeichnen sich mögliche Veränderungen ab: Die Schule und deren Aussenanlage würden «gewisse bauliche Anpassungsbedürfnisse» aufweisen.

Weitverbreitetes Vorgehen

Wald ist für Raumplaner Peter von Känel eine von mehreren Gemeinden, die er in Sachen Weilerkernzonen in den letzten Jahren fachlich begleitet hat. «Die Einzonung von Weilern wird im Kanton Zürich seit über 20 Jahren immer wieder diskutiert», sagt er. Damit werde in den Aussenwachten in bestehenden Wohn- und Ökonomiebauten eine Umnutzung ermöglicht. Bubikon kenne Weilerkernzonen beispielsweise seit 15 Jahren, auch Gemeinden wie Hinwil, Grüningen oder Dürnten hätten ihren Aussenwachten teilweise Kernzonen zugewiesen – ebenfalls vor längerer Zeit.

In Wald hat man 2002 einen ersten Anlauf genommen und scheiterte. Erneut zur Diskussion gelangte das Thema im Rahmen der BZO-Revision von 2013. Hintergrund war eine ­umfangreiche Einwendung, die Silvia Schoch Keller, ihr Mann Ralph Keller und weitere Betroffene einreichten. Das in der Aussenwacht Raad lebende Paar forderte darin die Schaffung von Weilerkernzonen. Weil der Gemeinderat den Zeitplan als zu knapp erachtete, vertröstet er die Antragsteller mit einem Terminplan auf später.

Mehr dazu im ZO/AvU vom Samstag, 17. Januar 2015.

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