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Kinder gärtnern als Ausgleich zur Schule

Wald

Kinder gärtnern als Ausgleich zur Schule

Rund 25 Kinder lernen in Wald unter Aufsicht biologisch gärtnern. Gemeinsam wird gejätet, ausgesät und geerntet. Ziel ist es, dass die Kinder
etwas über den Kreislauf der Natur lernen und ein Bewusstsein für die Umwelt bekommen.

Tanja
Bircher
Donnerstag, 06. Juli 2017, 08:26 Uhr Wald

Wer im Garten hinter dem Schulhaus Neuwies in Wald ankommt, wird von fröhlichen Kinderstimmen begrüsst. Es ist heiss, die Kinder bespritzen sich mit Wasser und albern herum. Es herrscht eine ungezwungene, fröhliche Atmosphäre. 25 Kinder gärtnern hier, aufgeteilt in drei Gruppen, jeweils einmal pro Woche nach der Schule. 

Heute sind elf Kinder hier, die unter der Leitung von Gabriela Kaufmann im Garten arbeiten. Kaufmann leitet das Projekt in Wald zusammen mit Lilli Krakenberger und Benjamas Ramsauer. Die Schule Neuwies stellt den Platz zur Verfügung und neu auch einen Raum, in dem Werkzeuge gelagert werden können. 

«Arbeit erdet die Kinder»

Rund 900 Kinder aus der ganzen Schweiz nehmen im Rahmen des Projekts «Gartenkind» von Bioterra an solchen Freizeit-Gartenkursen teil. In den letzten drei Jahren entstanden an über 80 Standorten in der ganzen Schweiz solche Angebote für Kinder. Bioterra setzt sich für den biologischen Landbau ein und engagiert sich für die Förderung und den Erhalt der einheimischen Pflanzen- und Tierwelt.

Heute ist jäten angesagt, damit nach den Sommerferien nicht alles überwuchert ist. Jedes Kind hat sein eigenes, kleines Beet für welches es verantwortlich ist. Gabriela Kaufmann zeigt jeweils in ihrem Beet vor, was gemacht werden soll und dann können die Kinder es umsetzen. 

Je nachdem, wie das Kind das Gesehene und Gehörte anwendet, sieht jedes Beet ein bisschen anders aus. «Ziel ist es, dass die Kinder ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass jede Pflanze anders ist und ihre eigenen Bedürfnisse hat, so wie wir Menschen auch», so Kaufmann. Sie ist Naturpädagogin und arbeitet viel mit Kindern zusammen, so kam auch die Idee auf, beim Projekt «Gartenkind» mitzumachen. «Die Schule ist sehr kopflastig und so tut es den Kindern unglaublich gut, etwas mit den Händen zu machen, es erdet sie», ist Kaufmann überzeugt.

Selbstständig gärtnern

Im Garten gedeihen Mais, Salate, Sonnenblumen und noch vieles mehr. «Das Saatgut wird von uns zur Verfügung gestellt, aber wenn ein Kind möchte, darf es gerne auch eigene Sachen mitbringen», erzählt Kaufmann. Dieses Jahr konnten die Kinder bereits Spinat und Unmengen an Kresse ernten.

Heute ernten sie Pflücksalat und Kohlrabi, eifrig werden die selbst bemalten Stoffbeutel, in denen sie jeweils die Ernte mit nach Hause nehmen, gefüllt. «Die Arbeit mit Erde tut einfach gut», ist sich Kaufmann sicher. Die Kinder wirken tatsächlich alle sehr naturverbunden, sie sind alle barfuss und scheinen keine Berührungsängste mit der Erde und den Pflanzen zu haben.

Zusammenhänge kennenlernen

Den Garten in Wald gibt es seit letztem Jahr. Jeweils von März bis Ende September wird hier fleissig gejätet, ausgesät und geerntet. Einige Kinder sind dieses Jahr schon zum zweiten Mal dabei. «Es ist sehr spannend die Entwicklung der Kinder im Vergleich zum Vorjahr zu sehen», sagt Kaufmann. Auf die Frage, ob sie gerne hier im Garten arbeiten, antworten die Kinder mit einem einstimmigen, begeisterten «jaaa!» 

«Mir gefällt das freie Gestalten und dass die Natur uns den Fahrplan vorgibt», sagt Kaufmann. Eine Überraschung sei dieses Jahr beispielsweise gewesen, dass die Sonnenblumen von letztem Jahr wieder blühen und dass noch keine Schnecken den Garten bevölkern. Ein Mädchen entdeckt gerade eine Raupe an einem Kohlrabiblatt, sogleich erklärt Gabriela Kaufmann den Kindern um was für eine Art es sich handelt. Die Kinder hören mit grossem Interesse zu und stellen Fragen.

«Die Kinder lernen hier die Kreisläufe der Natur kennen, es schärft ihr Bewusstsein fürs Leben», so Kaufmann. Noch bis zu den Herbstferien können die «Gartenkinder» aus Wald immer montags, dienstags und donnerstags nach der Schule im Garten arbeiten und dabei spielerisch lernen. (Sarah Dubbs)
 

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