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Wer würde da wohnen wollen?

Kommentar zu Seegräbner Tankstelle

Wer würde da wohnen wollen?

Der Gemeinderat will an der kommenden Gemeindeversammlung die bauliche Zukunft Seegräbens festlegen. Die Debatte dreht sich aber um einen einzelnen Passus: Ob eine Tankstelle auf das Hiag-Areal kommen soll. Kommentar von Hinwil-Redaktor David Kilchör.

Eva
Kamber
Dienstag, 05. Dezember 2017, 07:28 Uhr Kommentar zu Seegräbner Tankstelle
So sieht die geplante Arealüberbauung der Hiag aus: Rot ist die umstrittene geplante Landi-Tankstelle, wo heute das einstige «Alcatraz» steht. (Grafik: Reto Grendener)

Bordell oder nicht. Aldi oder nicht: Passus, die in Verordnungen spezifische Gewerbeformen verhindern sollen, sind nichts Neues. Dass ein Dorf über eine Tankstelle befindet, ist indes aussergewöhnlich. Meist ist der Fall klar: Die Stimmbürger wollen die Ansiedlung des Gewerbes verhindern. Nicht so in der Tankstellenfrage. Die Befürworter stützen sich insbesondere auf die Gewerbefreiheit. Doch zu viel Freiheit fürs Gewerbe geht schnell auf Kosten der Lebensqualität. Die Befürworter sehen es anders. Im eigenen Dorf tanken. Ein Shop, der 365 Tage jeweils ziemlich lange geöffnet ist. Ein Geldautomat. Die Tankstelle böte Infrastruktur, die den Seegräbnern bislang gefehlt hat.

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Auch die Argumente der Tankstellengegner haben Hand und Fuss. Eine Tankstelle generiert Mehrverkehr, was an einem Schulweg ungünstig ist. Und im kleinen Dorf Seegräben gibts praktisch kein Wohnbauland. Doch an der Stelle der geplanten Tankstelle könnte man nach Annahme der revidierten Bau- und Zonenordnung Wohnungen erstellen. Diese Parzelle könnte sich für die Bevölkerungsentwicklung Seegräbens als wichtig erweisen, findet insbesondere der Gemeinderat. 

Dass die Behörde weitsichtig plant, ist sinnvoll. Doch bauen muss die Investorin. Und das kaum mehr als zehn Meter neben den Gleisen, auf denen alle fünf bis zehn Minuten ein Zug vorbeibraust. Sie hat bereits in etwas grösserer Distanz zu den Gleisen Wohnungen geplant – wie attraktiv diese sind, wird sich weisen.

Dass sie sich an der schlechtesten aller möglichen Lagen auf ihrem Areal nicht auch noch diesem Risiko aussetzen will, kann man nachvollziehen. Hand aufs Herz: Wer würde da schon wohnen wollen?

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