×

«Es ist nicht einfach, alle glücklich zu machen»

Platzwart der Rütner Reitanlage

«Es ist nicht einfach, alle glücklich zu machen»

Seit vier Jahren ist Franco Usseglio aus Bubikon für den Unterhalt der Reitanlage in Rüti verantwortlich und pflegt die Reitböden. Während der Turniere hat er besonders viel zu tun – so auch am letzten Wochenende.

Florian
Bolli
Montag, 13. August 2018, 12:31 Uhr Platzwart der Rütner Reitanlage
Kümmert sich seit vier Jahren um die Reitanlage in Rüti: Franco Usseglio. (Foto: Katja Stuppia)

Familie Usseglio, die Pferde und der Reitverein Zürcher Oberland sind seit vielen Jahren untrennbar miteinander verbunden. Finden Turniere auf der Reitanlage in Rüti statt, hat Franco Usseglio als Platzwart alle Hände voll zu tun. Der 30-Jährige aus Bubikon ist seit vier Jahren für den Unterhalt der Reitanlage zuständig. Eine Aufgabe, die er mit viel Know-How und Einsatz löst.

«Hauptjob ist die regelmässige Pflege des Bodens», sagt Franco Usseglio. Dreimal in der Woche muss er die Böden in der Halle und auf dem Aussenplatz eggen, walzen und bewässern. Während der Turniere tut er dies gar mehrmals täglich. «Den Platz perfekt aufzubereiten, das ist eine Wissenschaft für sich».

Stress während der Pause

Finden Springprüfungen wie am letzten Wochenende statt, muss der Boden kompakt und griffig sein. «Die Pferde müssen einen guten Halt haben und es darf keine grossen Löcher geben.» Sind über 50 Reiter pro Prüfung am Start, wird die Prüfung jeweils in der Mitte kurz unterbrochen. Dann muss alles schnell gehen. Franco Usseglio walzt den Boden, insbesondere da, wo die Pferde abspringen und landen und ist dafür besorgt, dass möglichst alle Reiter ideale Bedingungen vorfinden.

«Die Bodenverhältnisse sind immer ein Gesprächsthema. Das war schon so, als ich selbst noch Turniere ritt.» Er suche deshalb immer wieder das Gespräch mit den Reitern. Als Fachmann weiss er auch, dass die Dressurreiter den Boden lieber etwas weicher mögen. «Weil in Rüti Dressur- und Springreiter trainieren, ist es manchmal nicht ganz einfach, alle glücklich zu machen.»

Weil Franco Usseglio bereits seit er ein kleiner Junge ist dem Reitverein Zürcher Oberland angehört und wie sein Vater Armando und sein Bruder Remo seit je her engagiert in den verschiedensten Sparten mitarbeitet, wird er allseits geschätzt. Mit der Einwanderung seines Grossvaters und dessen Bruder in die Schweiz wurden bald zwei in der Region bekannte Handwerkergeschäfte – eine Gipserei und ein Baugeschäft – eröffnet. «Zu Spitzenzeiten hatte das Gipsereigeschäft meines Grossvaters 45 Angestellte», erinnert sich Franco Usseglio, dem das Handwerksgeschick in die Wiege gelegt wurde.

Schon als Bub gerne im Stall

Das «Rösselervirus» brachte Francos und Remos Vater Armando in die Familie. Dank Nachbar Ruedi Lätsch, der mehrere Pferde besass, erhielt der Vater schon als Jugendlicher Reitmöglichkeiten. Später packte Papa Usseglio die Gelegenheit beim Schopf und baute nebst einer Lagerhalle auch gleich einen Pferdestall zu Hause in Bubikon. Sehr zur Freude von Franco und Remo, die bereits als kleine Jungs gerne im Stall waren und später regelmässig Reitunterricht bei Bruno Küng und später Paul Henzi nahmen. «Seit bald 20 Jahren haben wir unsere Pferde zu Hause», sagt Franco Usseglio.

Und fast so lange sind es dieselben Pferde. Francos Carlino ist 25 Jahre alt, Spikerias 22 und Mister T 19 Jahre. Obwohl beide Brüder erfolgreich im Turniersport unterwegs waren, kam es für sie nie in Frage, ihre in die Jahre gekommenen Pferde gegen jüngere auszutauschen. «Da verzichten wir lieber auf das Springen und haben Freude, dass alle drei noch immer fit sind.»

Der Tod des Vaters im Jahr 2013 war ein Wendepunkt im Leben der Familie Usseglio. Insbesondere Franco richtete sein Leben vollkommen neu aus. «Vor vier Jahren machte ich mich selbstständig. Auch, um genügend Zeit für die Pferde und die nun für mich anfallenden Stallarbeiten zu haben.»

Der Tipp von Philipp Züger

Als ausgebildeter Handwerker bietet er seither neben seinem Mandat für den Reitverein Zürcher Oberland Unterhalts- und Reinigungsarbeiten an und hat mit der Reinigung von Pferdeanhängern eine Nische gefunden, die bei den Reitern in der näheren und weiteren Umgebung auf viel Gegenliebe stösst.

Auf die Idee gebracht hat ihn übrigens sein bester Kollege Philipp Züger. Der international erfolgreiche Märchler Springreiter erkannte die Marktnische. Selbstredend, dass Franco Usseglio in zwei Wochen auch an den grossen Pferdesporttagen in Galgenen, bei denen Philipp Züger OK-Präsident ist, sein handwerkliches Geschick und seine Hilfsbereitschaft einbringt. Mit von der Partie ist dann auch Francos Lebenspartnerin Larina Lenz. Die Bündner Profireiterin lernte er – wie könnte es anders sein – am letzten Hallenconcours in Rüti kennen. (Katja Stuppia)

Kommentar schreiben

Kommentar senden