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Das Jahrhundert-Unwetter von 1939

Das Jahrhundert-Unwetter von 1939

Vor 75 Jahren ging ein ausserordentlich heftiges Unwetter in der Region nieder. Die traurige Bilanz: Zwei Todesopfer, unzählige überschwemmte Keller und Wohnungen, unterbrochene Strassen – und Fabriken, in denen Geröll- und Schlammlawinen die Produktion lahmlegten.

Freitag, 22. August 2014, 20:02 Uhr

Am 25. August 1939 standen in Europa die Zeichen auf Sturm. Auch im Zürcher Oberland stellte man sich auf den Krieg ein, die Mobilmachung sollte nur drei Tage später ausgerufen werden. Nur mit einem folgenreichen Unwetter rechnete an jenem frühen Freitagabend niemand. «Von dem draussen niedergehenden, langfädigen Regen nahm man nur insoweit Notiz, als dessen eintöniges Rauschen die Behaglichkeit eines schützenden Daches noch erhöhte», heisst es in der Chronik der Gemeinde Rüti. Und weiter: «Darum entstand begreiflicherweise eine gewaltige Verwirrung, als plötzlich die Sirenen aufheulten und von den Kirchtürmen das zerhackte Sturmgeläute ertönte.» Ohne jede Vorwarnung habe die Jona plötzlich Hochwasser geführt.

Wasser, Geröll und Schlamm

«Um halb vier Uhr hat es angefangen zu regnen», erinnerte sich ein Augenzeuge in der Walder Zeitung. «Zwei Stunden später sind beim Nachbarn schon die ersten Hänge gerutscht.» Im Weiler Hueb bahnt sich der gleichnamige, längst über die Ufer getretene Bach den Weg durch die Textilfabrik. Eine Gerölllawine füllt die die Websäle des ersten Stocks. Die Weberei Hueb wurde von einer Gerölllawine regelrecht zugeschüttet.

Weiter unten macht das Wasser der Bevölkerung zu schaffen. In der Rütner Giesserei soll es in kürzester Zeit zwei Meter hoch gestanden haben. Das Ausmass der Katastrophe war verheerend: Ganze Strassen und Brücken wurden weggeschwemmt, Fussgängerstege über die Jona mitgerissen; zwei Menschen ertranken. Die Schadenssumme belief sich allein in Rüti auf 10 Millionen Franken.

Was folgte waren mehrmonatige Aufbauarbeiten – ohne die wehrpflichtigen Männer. So räumten in der Hueb Frauen das Geröll aus der Fabrik. Neben Wald und Rüti waren auch Dürnten und Hinwil mit den Folgen des Unwetters beschäftigt.

Was geblieben ist

75 Jahre später. Inwiefern ist das Unwetter in den hauptbetroffenen Gemeinden heute noch ein Thema? «Es wurde 2011 wieder aktuell, als im August bei einem Unwetter der Laufenbach über die Ufer trat», sagt Susanna Frick von der Rütner Gemeindechronik.

Und der Walder Ortschronist Urs-Peter Zingg führt einen «Zeugen» an: Der Bachtelspalt im Bachtelgebiet. «Der Felsabriss war eine Folge der massiven Niederschläge.» Ausserdem verweist er auf die seit 1939 getätigten baulichen Massnahmen. «Man hat die Wasserläufe der Bäche mit Verbauungen sicherer gemacht.»

Lesen Sie mehr dazu im ZO/AvU vom Samstag, 23. August 2014.

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