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Was Marchionnes Tod für Sauber bedeutet

Ferrari-Chef

Was Marchionnes Tod für Sauber bedeutet

Der Tod von Ex-Ferrari-Chef Sergio Marchionne wirft Fragen um das Sauber-Team auf. Er galt als treibende Kraft hinter der Partnerschaft mit Alfa Romeo.

Florian
Bolli
Montag, 13. August 2018, 12:32 Uhr Ferrari-Chef
Italy F1 Alfa Romeo Sauber Team
FCA CEO Sergio Marchionne delivers his speech on the occasion of the Alfa Romeo Sauber F1 Team official presentation in Arese, Italy, Saturday, Dec. 2, 2017. The Alfa Romeo Sauber F1 Team will compete in the 2018 Formula 1 World Championship. (AP Photo/L
Sergio Marchionne war die treibende Kraft der Partnerschaft zwischen Sauber und Alfa Romeo. (Foto: Keystone)

Wirklich überraschend kam sie am Mittwoch nicht mehr, die Nachricht vom Tod von Sergio Marchionne. Schon letzte Woche wurde klar, dass er aus gesundheitlichen Gründen seine Aufgaben nicht mehr erfüllen kann. Am Samstag wurde in Turin festgelegt, wer der neue operative Chef bei Ferrari sein würde: Louis Carey Camilleri, der bereits im Vorstand von Ferrari sass, übernimmt als CEO Marchionnes Posten.

Ein 1955 in Ägypten geborener, aus Malta stammender und in England und  der Schweiz ausgebildeter Manager, der neben Italienisch, Englisch und Französisch auch etwas Deutsch spricht, und zeitweise auch in der Klatschpresse Schlagzeilen machte, als er mit Top-Model Naomi Campbell liiert war.

Wie er agiert, das wird grossen Einfluss auf die Zukunft des Hinwiler Sauber-Teams haben. Die Idee, aus dem Rennstall unter dem Namen Alfa Romeo praktisch ein Ferrari-B-Team zu machen, war in erster Linie ein Marchionne-Plan. Das Geld dazu hätte von Ferrari kommen müssen – Alfa Romeo selbst hat die notwendigen Mittel dafür nicht. Ob Camilleri dieses Ziel nun genau so entschieden weiter verfolgt oder ob er sich doch erst einmal auf das Kernteam und die allgemeine Entwicklung in der Formel 1 konzentriert, bleibt abzuwarten.

Picci: «Unabhängig bleiben»

Interessant in diesem Zusammenhang: Im Laufe des Wochenendes meldete sich Pascal Picci zu Wort. Der Verwaltungsratspräsident der Sauber-Holding wollte von einer zu engen Bindung an Ferrari über die Schiene Alfa Romeo nichts wissen. «Wir haben grosses Potenzial, aber wir wollen ein unabhängiges Team bleiben, mit unserem eigenen Geschäftsmodell. Alfa Romeo hat keine Anteile am Team und auch keinen Einfluss. Wir haben lediglich die gleichen Interessen. Nein, die heutigen Besitzer von Sauber denken langfristig und wollen auf viele Jahre hinaus diesem Team verbunden bleiben», behauptete er. Zuletzt war, was die schwedische Seite um den Tetrapack-Erben Finn Rausing anbelangt, anderes vermutet worden.

Picci zeigte sich begeistert über die aktuelle Saison und euphorisch hinsichtlich der Zukunft: «Dies ist der erste Rennwagen, der unter neuer Führung entstanden ist. Wir haben ein grossartiges Konzept, und es werden mehr und mehr Verbesserungen sehen. Unser Ehrgeiz gibt das Ziel vor: Wir wollen im kommenden Jahr ein Wörtchen um Rang 4 des Konstrukteurs-Pokals mitreden.» Das wäre der Rang direkt hinter den Topteams Mercedes, Ferrari und Red Bull. In dieser Saison ist für Sauber der 8. Platz ein realistisches Ziel. «Ich weiss, das klingt ein wenig übertrieben, und Teamchef Fred Vasseur sagt mir das Gleiche. Aber wenn du nicht träumst, dann erreichst du auch nichts.»

Bald nur noch ein Kundenteam?

Was er dabei freilich übersehen könnte: In dem Moment, in dem die Idee des «echten B-Teams» in Maranello ad acta gelegt wird,  wäre Sauber wieder nur noch ein ganz normales Motoren-Kundenteam von Ferrari und würde nicht mehr eine ganz so intensive Unterstützung geniessen. Ob es da um die jeweils aktuellste Motor-Software geht oder um andere Hilfen. Derzeit fährt man etwa mit dem Ferrari-Unterboden, den Red Bull schon zu kopieren versuchte. Allerdings erst einmal nur an einem Auto – dem von Ferrari-Junior Charles Leclerc.

Sollte aber der Einfluss der schwedischen Geldgeber wieder steigen, würde sich Marcus Ericsson wohl am meisten darüber freuen. Dem Schweden, der in den letzten Jahren eine Vorzugsbehandlung genoss, gefiel es zuletzt sichtlich nicht, sich plötzlich im Angesicht des Wirbels um Nachwuchsstar Leclerc auf der anderen Seite wiederzufinden.

Wechselt Leclerc doch nicht?

Wobei auch die Zukunft von Leclerc, dessen Deal mit Ferrari für 2019 schon in trockenen Tüchern schien, wieder unsicherer ist. Denn Kimi Räikkönens  Chancen auf ein weiteres Jahr bei Ferrari sind deutlich gestiegen. Das Team hatte sich, genau wie Sebastian Vettel, immer für einen Verbleib des Finnen ausgesprochen, es war Marchionne, der den Ferrari-Junior Charles Leclerc unbedingt schon für 2019 von Sauber ins Ferrari-Team holen wollte.

Gut möglich, dass der talentierte Monegasse jetzt für ein Jahr bei Haas-Ferrari geparkt wird anstelle des Franzosen Romain Grosjean. Wobei die sportliche  Sauber-Führung in der neuen Konstellation natürlich versuchen wird, ihr Juwel zu behalten. Mit welchen Erfolgsaussichten, bleibt abzuwarten. Als Alternative stünde der andere Ferrari-Junior, Antonio Giovinazzi, bereit. (Karin Sturm)

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