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Jungpolitiker will FDP-Liste aufmischen

Der Jungfreisinnige Andri Silberschmidt kandidiert auf der FDP-Liste – allerdings weit hinten. Nun setzt er sich in Szene, um Plätze gutzumachen. Ein Szenario, das Erinnerungen an einen alten Parteienstreit weckt.

Donnerstag, 05. Februar 2015, 07:30 Uhr

Ein junger Mann kauert im Schneetreiben vor einer 1950er-Jahre-Karosse: Schal um den Hals, Haartolle im James-Dean-Look. Mit diesem Bild macht der Jungpolitiker Andri Silberschmidt Werbung in eigener Sache. Er kündigt eine «Tour de Hinwil» an, die ab kommendem Wochenende nach Wald und Dürnten, nach Bäretswil und Fischenthal, nach Hinwil und Rüti führt. Er wolle die Bevölkerung dazu einladen, ihm ihre Anliegen mitzuteilen. Diese wolle er aufnehmen – allerdings «mit meinem liberalen Schema». Mit dem Oldtimer – einem Opel Rekord – ist der 21-Jährige unterwegs, um Aufmerksamkeit zu erregen. Die Kosten der Aktion liegen im tiefen fünfstelligen Bereich. Silberschmidt finanziert sie aus der eigenen Tasche. Unterstützt wird er dabei von einem über 60-köpfigen Komitee.

Silberschmidts Kampagne ist nicht ohne Brisanz. Er hat seinen Flyer mit dem Vermerk «Zwei Mal auf jede Liste» versehen. Was der Aufforderung gleichkommt, einen FDP-Kandidaten zu streichen. Tatsächlich muss der Jungpolitiker etliche Altgediente überholen, um eine Chance auf den Ratseinzug zu haben. Silberschmidt ist an siebter Position nominiert. Die FDP wird im besten Fall zwei Sitze holen.

Wie ein Parteisoldat

Silberschmidt sagt, er sei «sicher nicht der einzige Politiker», der mit dem Hinweis «Zwei Mal auf jede Liste» werbe. Auf die Frage, ob er zufrieden sei mit dem Listenplatz in den hinteren Rängen, antwortet der Präsident der Jungfreisinnigen des Kantons Zürich in Manier des Parteisoldaten: Wichtig sei, dass die FDP den zweiten Sitz hole; wer wo auf der Liste figuriere, entscheide der Wähler. «Jeder auf der Liste hätte Freude, würde er gewählt. Aber wir stehen für die gleichen Ideale.»

Vor vier Jahren führten die Listenplätze zu einem Streit in der FDP, weil der damalige Wetziker Gemeindepräsident Urs Fischer ultimativ einen Spitzenplatz eingefordert hatte. Vor diesem Hintergrund sei für ihn schon vor der Listenplatzvergabe klar gewesen, dass er das Verdikt akzeptieren werde, sagt Silberschmidt.

Mit eigener Liste chancenlos

Ein Spitzenplatz wäre dem Gossauer nur dann sicher gewesen, wenn die Jungfreisinnigen mit einer eigenen Liste in den Wahlkampf gestiegen wären. Aber diese Idee haben die Jungpolitiker rasch verworfen. Angesichts eines Wähleranteils von 0,5 bis 1 Prozent bei den Nationalratswahlen wären die Chancen, die 5-Prozent-Hürde zu überspringen, gleich null gewesen.

Ein Jungpolitiker, der sich in Szene setzt und Arrivierte überholen will – wie kommt das bei der Parteileitung an? «Sehr gut», sagt Bezirksparteipräsidentin Dorothe Kienast. Engagement sei auf jeden Fall willkommen. Und «Zwei Mal auf jede Liste» könne auch bedeuten, dass Silberschmidts Name doppelt auf die Wahlzettel anderer Parteien geschrieben werde, was wiederum der FDP zugutekämen. «Es ist ohnehin klar, dass viele auf unserer Liste leer ausgehen und der Partei zuliebe kandidieren.»

Silberschmidt sei in der Bezirkspartei gut akzeptiert und werde auch von der Gossauer Ortspartei unterstützt. Angesprochen auf den Knatsch vor vier Jahren sagt sie, es gebe keine Parallele: «Damals ging es um kategorische Forderungen.» Kienast, Drittplatzierte auf der Liste, sagt: «Sollte mich Silberschmidt überholen, würde ich mich für diesen engagierten Jungpolitiker freuen.»

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