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Hinwiler im Bauernkalender

«Falls ich wählen dürfte, würde ich aufs Titelblatt»

Hinwil ist um ein Model reicher: Nick Bither wurde für den Bauernkalender 2019 abgelichtet. Im Alltag ist er Projektleiter. Und natürlich Bauer.

Xenia
Klaus
Montag, 09. Juli 2018, 20:20 Uhr Hinwiler im Bauernkalender

Unrealistisch sei es nicht, dass er in seinem Alltag oben ohne einen Holzpfahl einschlagen würde, sagt der Hinwiler Nick Bither. «Aber wahrscheinlich würde ich das nicht eingeölt tun.» 

Bither, 34-jährig ist gelernter Automechaniker und arbeitet hauptberuflich als Projektleiter für einen Leuchtenhersteller. Nebenberuflich als Bauer. Und neuerdings auch als Model. Für den Bauernkalender 2019 wurde er in der Nähe von Wattwil (SG) abgelichtet, eben wie er eingeölt einen Holzpfahl in den Boden hämmert.

«Wieso ich das mache? Naja, wieso nicht?», sagt Bither und setzt das schelmische Zahnpastastrahlen auf, das wohl – neben dem Sixpack – seinen Teil dazu beigetragen hat, dass er zu den 14 Bauern gehört, die nach dem Casting in Seegräben auch tatsächlich dazu eingeladen wurden, sich für den Bauernkalender auszuziehen. Und einölen zu lassen.

«Ich finde den Bauernkalender noch sympathisch, irgendwie echt. Und er hat Kultstatus.» Allzu ernst dürfe man «das alles» einfach nicht nehmen, sagt Bither, die Hände lässig über dem Bauch gefaltet und über das ganze Dreitagebartgesicht grinsend.

Dominierendes Thema im Familienchat

Eigentlich hatte sich Bither ja zu spät für das Bauernkalender-Casting angemeldet: «Ich wollte schon lange mal hingehen, habe es aber immer vergessen. Auch dieses Jahr.» Er habe dann die Bewerbung doch noch eingereicht – nur zwei Tage vor dem Casting. Die Verantwortlichen liessen offenbar Gnade walten. Bither wurde doch noch zugelassen. Welchen Monat er schlussendlich ziere sei ihm eigentlich egal. «Aber falls ich wählen dürfte, würde ich auf‘s Titelblatt. Wenn schon dann schon.»

Erzählt hat von seiner Casting-Teilnahme niemandem. «Meine Eltern haben es aus der Zeitung erfahren.» Sie hätten es lustig gefunden. Im Familienchat sei es denn auch für einige Tage das dominierende Thema gewesen.

«Meine Eltern haben es aus der Zeitung erfahren.»

Nick Bither

Am Casting habe man ihn auch schon gefragt, ob er ein favorisiertes Motiv habe. «Ich habe gesagt, whatever, ihr seid die Profis.» Der Pfahl sei ihm ganz Recht gewesen. «Wenn noch Kühe im Bild gewesen wären, wäre es noch besser gewesen.» Denn Kühe mag Bither. «Ich bin extrem gerne um die Tiere, irgendwie strahlen sie eine spezielle Kraft aus.»

Umstellung von Milch auf Fleisch

Besonders gerne hat er seine eigenen: In Hinwil, Wernetshausen, führt Bither gemeinsam mit Bruder und Vater einen Hof. Zehn Gallowaymutterkühe haben sie, bis 2017 standen Milchkühe im Stall. «Wir zahlen vielleicht noch etwas Lehrgeld, aber wir sind optimistisch.» Im Lauf des nächsten Jahres soll der Stall angepasst werden. «Das machen wir selber, mein Bruder ist Zimmermann und ich helfe.»

Qualität vor Quantität

Den Bauernhof – zu dem neben den Kühen noch 200 Legehennen und 7,5 Hektaren Land gehören – weiterzuführen, sei für ihn und seinen Bruder eine Herzensangelegeneheit. «Der Hof ist ein Privilieg, für uns und für seine Kinder.» Zudem wolle er selber auch einmal Nachwuchs und würde gerne sehen, dass dieser auf einem Bauernhof aufwachse. «Zudem empfinde ich den Hof nicht wirklich als Arbeit.» Klar gebe es unliebsame Aufgaben. «Aber hauptsächlich ist es entspannend. Ich liebe die Tiere, ich mähe gerne, ich heue gerne.»

Nach Bio-Kriterien produziere er «aus Überzeugung». «Ich denke die Schweizer Landwirtschaft muss unbedingt auf Qualität vor Quantität setzen.» Das Bewusstsein dafür habe zugenommen. Die Warteliste für das Fleisch der zwei Rinder, die sie im Herbst schlachten, ist schon voll. «Viele Konsumenten zahlen mittlerweile gerne etwas mehr, so zumindest mein Eindruck.» Und wenn die Schweizer Landwirtschaft durch den Bauernkalender ein «sexy Image» habe, dann schade das dieser Entwicklung ja wohl auch nicht.

Nicht hyperaktiv aber sportsüchtig

Bither macht fast jeden Tag Sport. «Ich bin 34, da hat man den schönen Körper nicht mehr von nichts.» Er rennt – «Vitaparcours finde ich voll geil» –, er fährt Rennvelo, macht Muay Thai, geht Gleitschirmfliegen, fährt Skitouren und macht Krafttraining.

Als hyperaktiv würde er sich trotzdem nicht bezeichnen. «Vielleicht war ich das mit 16. Heute würde ich eher das Wort sportsüchtig benutzen.» Er brauche die Bewegung, selbst neben der Arbeit auf dem Hof noch. «Wenn ich es nicht so extrem gerne tun würde, würde ich auf einen trainierten Körper pfeifen und niemals so viel Sport machen.»

«Oder ist das arrogant?»

Aber wenn er ihn schon hat, den trainierten Körper, wieso solle er ihn dann nicht zeigen? Schön finde er sich selber durchaus. Ein bisschen Selbstvertrauen brauche es schliesslich, um vor einer Kamera das Hemd auszuziehen. «Oder ist das arrogant?». Das Klischee, das Models dumm seien mache ihm derweil nicht aus. «Der dümmste Bauer hat die grössten Kartoffeln.»

Ganz als Model zu arbeiten, das könne er sich allerdings trotzdem nicht vorstellen, sagt Bither. Dann schon eher ganz als Bauer. «Es hat Spass gemacht und ich würde wieder einmal einen Tag posieren. Aber mehr nicht.»

Nächstes Jahr ziehen sich die Bauern dann vielleicht in Hinwil aus. Er sei angefragt worden, ob die Verantwortlichen vom Bauernkalender den Hof für ein allfälliges Shooting auskundschaften dürfen. «Mit meiner Mutter müsste ich das vielleicht noch besprechen. Aber ich fände das natürlich cool. Wenn schon dann schon.»

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