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«Ein Sunrise-Anlauf ist nur eine Frage der Zeit»

Hadliker Antennen-Krieg

«Ein Sunrise-Anlauf ist nur eine Frage der Zeit»

Nachdem in Hadlikon gegen die Handy-Antenne von Salt gekämpft wurde, klopft nun Swisscom an. Dass vermutlich auch Sunrise kommen wird, sei zu erwarten, sagt ein Mitglied der IG Mobilfunkfreie Wohnzone.

Fabia
Bernet
Donnerstag, 19. Oktober 2017, 14:09 Uhr Hadliker Antennen-Krieg
Von seinem Balkon aus sieht Sven Eggenschwiler direkt auf das Flachdachgebäude, wo die Salt-Antenne konstruiert werden soll. (Bild: Fabia Bernet)

«Unsere Gesellschaft lebt in einer Zeit, in der die mobile Kommunikation nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken ist.» Mit diesen Worten eröffnete Dieter Jung von der Bubiker Kommunikationsfirma Dieter Jung Communications das Schreiben an den Hadliker Sven Eggenschwiler. Jung führt weiter aus, wie wichtig ein tadellos funktionierendes Mobilfunknetz in der heutigen Gesellschaft sei. Und um dieses zu gewährleisten, sei die Swisscom, in deren Auftrag er den Brief verschickt hat, auf neue Standorte angewiesen. «Im Zuge der dafür nötigen Netzplanung bin ich auf Ihre obige Liegenschaft aufmerksam geworden», schreibt Jung. 

Gegen Salt-Antenne
Was er offenbar aber nicht wusste: Eggenschwiler ist Mitglied der IG Mobilfunkfreie Wohnzone. Die IG wehrte sich kürzlich vehement gegen die Erbauung einer Handy-Antenne des Mobilfunkanbieters Salt. Diese soll auf dem Grundstück Walderstrasse 132 in Hadlikon aufgestellt werden. Eggenschwiler blickt von seinem Balkon aus direkt auf das Gebäude. Im August hat die IG einen Rekurs beim Baurekursgericht Zürich eingereicht. Der geplante Bau ist seither sistiert.

Andere werden folgen
Eine Ironie des Schicksals, dass nun ausgerechnet Eggenschwiler von der Swisscom angefragt wurde. Allerdings sei es für ihn nicht sonderlich überraschend, dass nun weitere Mobilfunkanbieter ihre Antenne in Hadlikon sehen wollen. Die Lage sei schliesslich rational betrachtet, optimal dafür: Der Bachtel im Hintergrund und eine weite, freie Fläche nach vorne. Durch die Anpassung der Bau- und Zonenordnung hinsichtlich der Antennenbestimmungen in Hinwil habe sich das Fenster für die Firmen geöffnet. Das IG-Mitglied ist davon überzeugt, dass sich auch bald Sunrise nach geeigneten Standorten umsehen wird. «Das ist nur noch eine Frage der Zeit», sagt er.

Eggenschwiler hat gehofft, dass sich Jung persönlich mit ihm in Verbindung setzt. «Es hat mich interessiert, wie viel Geld Swisscom zahlen würde, wenn man seine Liegenschaft zu Verfügung stellen würde. Der Absender des Schreibens hat sich aber nicht mehr bei ihm gemeldet. «Vermutlich hat er mittlerweile gemerkt, dass ich nicht die ideale Person für eine solche Anfrage bin», sagt Eggenschwiler.

Noch kein Baugesuch
Die IG wird vorläufig noch nichts gegen die Standortakquirierung seitens Swisscom unternehmen. «Bislang wurde ja noch kein Baugesuch eingereicht», sagt Eggenschwiler. Dies bestätigt auch die Gemeinde Hinwil. Sollte es aber tatsächlich dazu kommen, müsste man kämpfen oder  überlegen, wegzuziehen, sagt Eggenschwiler. Seine Partnerin reagiere stark auf die Strahlung. Sie fühle ein Kribbeln am ganzen Körper.

Es gehe vielen Menschen ähnlich wie ihr. Doch die Öffentlichkeit sei noch zu wenig auf dieses Thema sensibilisiert. «Das ist das perfide an dieser Sache. Strahlen sieht man nicht. Man ist ihnen einfach ausgesetzt», sagt er. Die IG sei aber bereit, dagegen zu kämpfen. Es komme schweizweit immer wieder vor, dass Ausbaupläne durch Einsprachen gebremst würden, sagt die Medienstelle der Swisscom auf Anfrage. Swisscom gehe auf die Vorbringen und Befürchtungen der Einsprecher ein und versuche, ihre Fragen so gut wie möglich zu beantworten.

Was bisher geschah

Seit 2009 steht in Hadlikon keine Antenne mehr. Hinwil verabschiedet ein Jahr später das «Kaskadenmodell». Dieses besagt, dass Handyantennen in der Peripheri oder Industriegebieten erstellt werden sollen und nicht in der Wohnzone. Salt bekämpft dieses. Das Bundesgericht gibt der Gemeinde Recht. Aber es beschränkt sich auf sichtbare Antennen. Salt rekurriert erneut, die Gemeinde schwenkt 2015 auf das «Dialogmodell» um. Die Priorität von Peripherie- und Industriestandorten entfällt. Im Juli 2017 wird die Baubewilligung erteilt.

 

 

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