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Hinwiler Schüler im «Freihof»

«Das Wirten klappte bis ins kleinste Detail»

Die Schüler der Sek 3b im Schulhaus Breite haben sich Geld für ihre Abschlussreise auf aussergewöhnliche Art verdient: als Beizer. Ihre Gäste waren begeistert. Hinter der Idee steckt die 15-jährige Jana Zellweger, die sich denn auch mächtig ins Zeug legte.

Donnerstag, 13. April 2017, 13:42 Uhr Hinwiler Schüler im «Freihof»
Das Klassenzimmer mit dem Freihof getauscht: Die Sek3b Breite in der Restaurantküche mit Jana Zellweger (4. v. l.) und Wirt Ueli Bräker. (Bild: zvg)

Im Juli endet für Euch die obligatorische Schulzeit. Ihr plant eine Abschlussreise. Wohin soll es denn gehen?

Jana Zellweger: Zwei Tag nach Kreuzlingen – zum Pedalo- und Go-Kart-Fahren und zum Flanieren in Konstanz.

Ein schönes, aber nicht ganz billiges Reiseprogramm.

Ja, da kommt einiges an Kosten zusammen. Die Schule zahlt uns 50 Franken pro Schüler. Das reicht bei Weitem nicht.

Wie bist Du auf die Idee gekommen, das fehlende Geld mit Deiner Klasse in einer Beiz zu verdienen?

Über einen Kollegen meiner Eltern. Er hat als Seklehrer schon mehrmals auf diese Weise Klassenlager mitfinanziert.

Einen Beizer zu finden, der Euch sein Restaurant für einen Abend zur Verfügung stellt, war offenbar nicht ganz einfach?

Der «Freihof» war von Anfang an unser Wunsch-Restaurant. Aber wir dachten, das klappt eh nicht. So fragten wir andernorts. Doch entweder erhielten wir eine Absage oder das Restaurant war für uns Schüler und die Gäste nicht ideal gelegen.

Wie konntet ihr «Freihof»-Wirt Ueli Bräker überzeugen?

Wir traten über eine Klassenkollegin, die mit Bräker bekannt ist, in Kontakt mit ihm. Er fand unsere Idee gut, und vor einem halben Jahre konnten wir mit ihm einen Termin festlegen.

Wie habt Ihr Euch vorbereitet?

Wir bildeten sofort ein OK, überlegten uns Thema, Menü und Dekoration und trafen uns wieder mit Ueli Bräker. Unsere Idee war ein Italien-Abend, weil die italienische Küche allen schmeckt. Die Dekoration haben wir von A bis Z selbst hergestellt. 120 Zahnstocher mit Fähnchen von Italien für den Apéro, Wanderwegweiser mit Marschzeiten ab Hinwil in italienische Städte wie Mailand, Turin, Venedig, Rom oder Neapel.

Am Samstag war es nun so weit. Wer waren Eure Gäste und wie viele hattet Ihr zu bewirten?

Wir hatten 90 Plätze im Restaurant, 60 davon mussten wir mindestens besetzen. Am Schluss waren 89 belegt. Unsere Gästen waren Lehrer, Eltern, Verwandte, Bekannte, Nachbarn.

Wie fanden sie Eure Bewirtung?

Alle waren extrem überrascht, wie professionell wir das Ganze über die Bühne brachten. Alles klappte bis ins letzte Detail. Das Essen schmeckte ausgezeichnet, war aufwendig und schön angerichtet und im Service haben wir nichts fallen gelassen – kein einziges Glas ging in die Brüche.

Welches Menü habt Ihr zusammengestellt?

Tomatensalat mit Büffelmozzarella, hausgemachte Minestrone, Poulet-Piccata mit Gemüse und Safranrisotto und zum Dessert Tiramisù della nonna. Das alles für 40 Franken ohne Getränke.

Da gab es sicher Kritik von Vegetariern?

Nein, denn wir haben vorgesorgt: Vegis servierten wir Zucchetti-Piccata.

Der Star steht in Gourmet-Restaurants am Herd. Ich nehme deshalb an, alle 21 Schüler wollten den Kochlöffel schwingen?

Es war umgekehrt. Wir befürchteten, dass alle im Service arbeiten wollten. Doch dann trauten es sich viele doch nicht so recht zu und wollten in die Küche wechseln. Schliesslich arbeiteten die meisten Burschen in der Küche und die meisten Mädchen im Service.

Du hast auch serviert?

Ja.

Wie viel Trinkgeld hast Du gemacht?

Genau weiss ich das nicht. Aber wir haben «schöne» Trinkgelder erhalten, bis zum Hunderternötli. Alle Trinkgelder kommen in die Klassenkasse. Es wäre nicht fair, wenn wir im Service es selber einstecken würden.

Wie haben sich eigentlich die Lehrer nützlich gemacht?

Sie genossen den Abend (lacht). Im Ernst: Wir organisierten alles selber. Im Vorfeld unterstützten sie uns aber schon. Und am Abend selbst hielt der Franz-Lehrer eine Lobrede auf uns.

Was ist Euch missraten?

Nichts. Alles klappte noch viel besser, als wir es uns vorgestellt haben. Ehrlich gesagt hätte ich nie erwartet, dass es so gut kommt. Wir hatten mit Ueli Bräker aber auch einen Super-Wirt und mit Steffen Schuchart einen versierten Küchenchef im Rücken – zwei Profis.

Wie geht es mit Dir persönlich weiter? Beginnst du eine Lehre im Gastgewerbe?

Nein. Ich wechsle in die Fachmittelschule. Ich möchte Kindergärtnerin werden. Von unserer Klasse haben alle eine Lehrstelle gefunden, aber niemand im Gastgewerbe.

Erst geht es aber am 9. und 10. Juli auf die Abschlussreise. Wie viel Geld habt Ihr erwirtschaftet?

Genau wissen wir es noch nicht. Wir rechnen mit rund 2000 Franken.

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