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Ein Stahlbau übers Rinnsal

Neue Brücke in Gossau

Ein Stahlbau übers Rinnsal

Über den Laufenbach in Gossau führt seit heute eine neue Brücke. Sie ist ein wichtiger Baustein für ein Fussgängerwegnetz auf dem Accum-Areal im Ortszentrum.

David
Kilchör
Freitag, 24. März 2017, 17:33 Uhr Neue Brücke in Gossau

Da liegt sie. Auf einem Schwertransporter. Unscheinbar. Ein verzinktes Geländer, verschraubt in silbergrau beschichtete Stahlträger. Eine simple Konstruktion. Aber mächtig ist die Brücke. 9,5 Meter lang, 3,5 Tonnen schwer. In wenigen Minuten wird sie im Gossauer Ortszentrum durch die Luft schweben, getragen vom Kranarm des Schwertransporters.

Die Brücke hat einen einfachen Zweck: Sie soll Fussgängern den Weg vom Altersheim Rosengarten und der Metzgerei Zellweger zum Coop erleichtern. «Geplant ist ein ganzes Wegnetz auf dem Areal zwischen Accum, Migros und Coop», sagt Marc Lutzmann, Bauabteilungsleiter der Gemeindeverwaltung Gossau. Zwischen Metzgerei und Coop gibts ein kleines Problem namens Laufenbach.

Der Bach ist kaum mehr als ein Rinnsal, das sich zwischen abfallenden Wiesenborden hindurchschlängelt. Für Kinder und jüngere Erwachsene wärs kein Problem, die Wiese hinunterzukraxeln und übers Bächlein zu springen. Aber eben: Da ist noch ein Altersheim. Lutzmann sagt: «Die günstigste Alternative wären ein paar Steine gewesen, die wir übers Bächlein hätten legen können. Aber die Brücke macht mehr Sinn.»

92 000 Franken

Sie kostet allerdings. 92 000 Franken muss die Gemeinde dafür in die Hand nehmen. «Für eine über 9 Meter lange Brücke inklusive Installation ist das kein hoher Preis», findet Roger Manetsch vom Generalunternehmer Lerch Bau aus Winterthur, der den Auftrag der Gemeinde erhalten hat.

Nun ist es so weit. Der Kranführer setzt sich in den Lastwagen und hebt das Riesenkonstrukt langsam in die Luft. Schnelle Bewegungen mit dem Kranarm wären nicht weise. Wenn die 3,5 Tonnen, die daran hängen, zu sehr in Bewegung kommen, sind sie kaum noch zu bremsen.

Zentimeter um Zentimeter

Das ist Präzisionsarbeit. Langsam dreht der Kranführer die Brücke um 90 Grad, quer über den Bach. Auf beiden Uferseiten warten vorgefertigte Betonkonstruktionen auf die schwebenden Metallträger. Beidseitig rufen Arbeiter Anweisungen in die Fahrerkabine. Der Mann dort korrigiert die Lage in langsamen Zentimeterschritten. Endlich passts. Er lässt das sperrige Gebilde herunter, und es sitzt auf Anhieb. Zwei Zentimeter zum Betonrand hier, anderthalb dort. «Da haben Geometer und Bauarbeiter sauber gearbeitet», sagt Manetsch zufrieden. Knapp fünf Minuten hat der Brückenflug gedauert. Nun ist die Brücke rein theoretisch schon begehbar.

Der Gehbelag besteht aus anthrazitfarbenen Lamellen, die sich nach Kunststoff anfühlen. Mit besandeter Oberfläche. Georg Baumgartner von Schneider Stahlbau aus Jona, der Brückenherstellerin, sagt, es handle sich beim Material aus Swissfiber. «Der Kanton Zürich nutzt dieses Material meist bei Wanderwegen in Wassernähe, etwa am Zürichseeufer.» Die Fiberglas-Lamellen seien äusserst witterungsbeständig. Deren Einsatz bei einer Brücke über einen Bach sei sicherlich die richtige Wahl. «Und mit der Besandung kann man der Rutschgefahr vorbeugen», so Baumgartner.

Das Wegnetz fehlt noch

Mit der Brücke ist die Arbeit aber noch nicht getan. Der eingepasste Bau startet und endet momentan noch in der grünen Wiese. Denn das Wegnetz ist noch nicht erstellt. «Diese Arbeiten werden aber demnächst starten», sagt Lutzmann. Die neuen Gehwege (Siehe Grafik) dürften irgendwann im Mai begehbar sein. «Die Brücke aber vermutlich schon vorher.»

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