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Luchs treibt sich in Fischenthal herum

Rehkadaver und Fotos

Luchs treibt sich in Fischenthal herum

Der Luchs zeigt sich im Fischenthal. Alleine im September reisst er ein Reh und tappt in zwei Fotofallen. Die Bauern in der Umgebung reagieren gelassen.

Xenia
Klaus
Mittwoch, 04. Oktober 2017, 14:54 Uhr Rehkadaver und Fotos

Ein abgesägter Baumstumpf im Wald südlich des Hörnlis. Am Baum gegenüber hängt ein Vogelhäuschen. Der Laie denkt sich dabei nichts Besonderes. Eugen Di Pomponio ist aber kein Laie, er ist einer der Pächter des Jagdreviers Fischenthal Hörnli. «In den Baumstumpf fülle ich Salz. Bei Regen läuft es über und macht den Stumpf zu einer Salzleckstelle für das Wild.» Das ziehe die Tiere an. «Deshalb habe ich im Vogelhäuschen eine Fotofalle eingebaut», erklärt der Pfäffiker. Fotos von Rehen, Hirschen und Gämsen gelingen so regelmässig. Am 12. September um 21.25 Uhr wurde die Falle aber von einem selteneren Waldbewohner ausgelöst: «Sehr überrascht war ich nicht, den Luchs zu sehen, eher erfreut», sagt Di Pomponio.

«Sehr überrascht war ich nicht, den Luchs zu sehen, eher erfreut»

Eugen Di Pomponio, Pächter Jagdrevier Fischenthal Hörnli

Er hat allen Grund zur Freude. Der Kanton Zürich vermindere die Pachtzinsen für das Revier um 1000 Franken, wenn man den Luchs sicher nachweisen könne, erzählt er. 


Luchspopulation überwachen 


«Diesen finanziellen Anreiz bieten wir, weil wir ein Interesse daran haben, zu wissen, wie sich unsere Luchspopulationen entwickeln. So überwachen wir den Erfolg unseres Auswilderungsprojektes, das vor gut 20 Jahren begonnen hat», sagt Urs Philipp, Leiter der kantonalen Fischerei- und Jagdverwaltung.
An sicheren Nachweisen mangelt es Di Pomponio dieses Jahr nicht: Zwei Wochen nach seinem ersten Foto-Erfolg findet Bauer Ruedi Menzi am Langenberg, unweit des Hörnlis, ein gerissenes Reh.  Menzi sagt, er habe gleich vermutet, dass ein Luchs für den Riss verantwortlich sei.  

Auch Di Pomponio sagt dasselbe. Von der Fundstelle stapft er etwas in den Wald hinein. Dort hat er das gerissene Tier mit Heuballenschnur an einem Baum befestigt. Der Kadaver ist nur am Brustkorb angefressen, sonst ist er intakt. Das ist typisch: «Das Charakteristische an einem Luchs ist, dass er nur das Muskelfleisch frisst», sagt Di Pomponio. «Ein wildernder Hund würde auch an die Eingeweide gehen.»


Zurück zur Beute


Nach einem Riss kehre der Luchs über mehrere Tage zu seiner Beute zurück, um davon zu fressen. Deshalb hat Di Pomponio  beim toten Reh eine zweite Fotofalle installiert. «Angebunden habe ich es, damit der Luchs die Beute nicht davon schleift.» Menzis und Di Pomponios Vermutung bestätigte sich: Der Luchs tappte erneut in die Fotofalle.
Schockiert habe ihn sein Fund nicht, sagt Menzi, denn, «das ist ja nur natürlich». Um seine eigenen Nutztiere macht sich der Bauer keine Sorgen. «Der frisst ja das Wild. Ich bemerke die Präsenz des Luchses einzig dadurch, dass die Rehe mehr aus dem Wald kommen und bei uns auf den Feldern sind. Aber das stört mich auch nicht weiter.»

Susanne Knaus, die Bäuerin auf dem Hörnli, ist gleicher Meinung wie Menzi: Sie ist nicht besorgt um ihre Kühe und Geissen. «Der Luchs ist ja schon seit ein paar Jahren hier. Bis auf ein paar gerissene Rehe haben wir nie etwas gemerkt. Es ist schon Recht, dass er da ist.»


Luchsriss im April


Bereits im April gab es einen Riss beim Risigrund, ebenfalls in Fischenthal. Damals war es Luchs B535, der ein Reh tötete. Dass es sich dabei um dasselbe Tier handelt, ist laut Philipp möglich. «Aber genauso gut kann es sich um ein anderes Individuum handeln. Die Luchse wandern teils weit und die Reviere überschneiden sich.» Bestimmt werden die Tiere anhand des Punktemusters. «Das ist wie ein Fingerabdruck, keines ist gleich», so Philipp. Die jüngsten Fotos auszuwerten, werde allerdings noch etwas dauern.
Philipp bestätigt, dass für die Bauern kaum Grund zur Sorge besteht: «Es kann zwar vorkommen, dass ein Luchs ein Schaf oder eine Geiss angreift. Aber das ist selten und passiert nur, wenn der Luchs krank oder ausgehungert ist.» Das sei so, weil der Luchs seine Beute nicht gerne verfolge, sondern ihr hinter Gebüsch oder auf Bäumen auflauere. «Auch sonst bestehen für die Bevölkerung keinerlei Gefahren. Luchse sind sehr unproblematische Raubtiere», sagt Philipp. Wenn man einen sichtet, soll man ein Foto machen und an den Kanton schicken. 

«Luchse sind sehr unproblematische Raubtiere»

Urs Philipp, Leiter kantonale Fischerei -  und Jagdverwaltung

Dass das passiert, ist aber unwahrscheinlich: «Der Luchs ist wie ein Gespenst», sagt Di Pomponio. Deshalb seien die Fotofallen nötig, um das Tier zu sehen. «Einmal, vor mehreren Jahren, hatte ich das Glück, einen mit dem Feldstecher zu entdecken. Ein sehr schönes Tier.» 

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