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Von Hinwil ins Tösstal

Hohe Bodenpreise und die Liebe: Veloladen geht

Nach fast drei Jahrzehnten in Hinwil zieht «Haso’s Veloladen» weg - Besitzer Felix Eger und Vorbesitzer Hans Sonderegger kritisieren den Standort Hinwil. Neue Räume fand Eger jetzt im Tösstal.

Fabia
Bernet
Donnerstag, 14. Dezember 2017, 13:00 Uhr Von Hinwil ins Tösstal
Im Juli 2015 übernahm Felix Eger das Geschäft in Hinwil. Nun zieht er weg. (Archivbild: Marcel Vollenweider)

«Es ist einer dieser klassischen Veloläden, die immer raren werden. Einer, wo der Chef noch selbst in der Werkstatt steht.» Mit diesen Worten beginnt Felix Eger seinen Brief. Es ist ein Abschiedsbrief. Er verlässt mit seinem Geschäft Hinwil. Haso’s Veloladen war während fast drei Jahrzehnten hier ansässig. Am 20. Dezember schliesst das Geschäft.  

Neuer Standort im Tösstal

Der neue Standort befindet sich im Tösstal. Eger verkauft seine Velos künftig in der alten Weberei in Steg. Eger hat den Veloladen im Juli 2015 übernommen. Der Wegzug aus Hinwil habe sich langsam herauskristallisiert. Das veränderte Kaufverhalten und die hohen Bodenpreise in Hinwil waren nur zwei Gründe, die dafür sprachen. Er wolle den Kunden weiterhin gute Preise bieten können. Gutes Personal sei rar und die hohen Fixkosten für den bisherigen Standort seien kaum mehr bezahlbar. «In der Werkstatt brennt das Licht oft bis weit in die Nacht», sagt er.

Auch das sprach für den Umzug. «Einerseits liebe ich meine Arbeit und die Begegnung mit dem Kunden», sagt er. Andererseits sei ihm sein Leben auch ausserhalb des Berufes immens wertvoll. «Ich entscheide mich damit klar für die Liebe - also für Familie, Freunde, Dorfgemeinschaft», sagt Eger, der selbst im Tösstal lebt.

«Ich entscheide mich damit klar für die Liebe.»

Sorgen um seinen Kundenstamm macht er sich nicht. «Es kommen ohnehin nicht so viele Hinwiler in mein Geschäft, um ein Fahrrad zu kaufen», sagt er. Die Leute aus der Umgebung würden auch den Weg ins Tösstal zurücklegen. In Haso’s Veloladen werden auch speziellere Fahrräder verkauft. Transportvelos, Dreiräder, Oldies oder Liegevelos werden auch im Tösstal weiter verkauft werden.

«Eine grünere Stadt»

In der Mitteilung, die Eger zur Bekanntgabe seines Umzuges verschickte, äussert er gemeinsam mit dem Vorbesitzer des Ladens, Hans Sonderegger, Kritik am Standort Hinwil. Aus vielen Kundengesprächen habe er gelernt, dass sich viele Hinwiler eine persönlichere, ruhigere und grünere Stadt wünschen würden. «Eine Stadt, aus der man nicht herausgehen muss, um Erholung und Schönheit zu finden», schreibt Eger. Er fügt an: «Im Kleinen tut sich schon etwas, aber in Hinwil steckt noch immenses Potenzial». Die beiden wünschen den Hinwilern einen Wohnort, an dem sie sich wohler fühlen können.

Die Kritik richte sich allerdings nur an Hinwil und nicht an die Hinwiler, sagt Eger. Im Gegenteil: «Unsere Hinwiler sind wirklich Persönlichkeiten mit Herz, das sie uns gegenüber gern offenbart haben», sagt Eger. Für diese will er sich nun auch einsetzen. Er sei auf der Suche nach einem Nachfolger, der sich künftig um die Fahrräder der Hinwiler kümmern könnte. Das sei ein persönlicher Wunsch von ihm, sagt er. Die Nachfolge habe nicht direkt mit seinem eigenen Geschäft zu tun. Auch seine bisherigen Räume seien nicht mehr verfügbar. «Ich helfe aber gerne bei der Etablierung», sagt er.

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