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Gast verreisst «Sennhütte» - Wirte erstatten Anzeige

Strahlegg-Beiz in der Kritik

Gast verreisst «Sennhütte» - Wirte erstatten Anzeige

Die Pächter der «Sennhütte» auf der Strahlegg müssen derzeit zünftig einstecken. Gäste kritisieren Essen, Service, Umgangston und den Hund des Wirtepaars. Die zwei liegen sich zudem mit einem Gast, der Ex-Pächterin und dem Kanton in den Haaren. Nun droht der Prozess.

Tanja
Bircher
Freitag, 15. Juni 2018, 22:25 Uhr Strahlegg-Beiz in der Kritik

Mit dem neuen Wirtepaar der «Sennhütte» auf der Strahlegg ist nicht gut Kirschen essen. Das hat sich bereits vor einem halben Jahr bei der Pachtübernahme des Berggasthauses gezeigt. Damals bezichtigte der Geschäftspartner Urs-Werner Merkli die Verantwortlichen der Gemeinde Fischenthal der Diskriminierung: Sie hätten seiner Partnerin Angela Schulz das Wirtepatent aufgrund ihrer deutschen Nationalität verweigert.

Glücklicherweise seien sie nicht auf die Gemeinde angewiesen, betonte Merkli damals. Ihre Gäste seien mehrheitlich Touristen, die beim Wandern an der «Sennhütte» vorbei kämen. Jene, die sie bisher bedient hätten, seien sehr zufrieden gewesen. «Die kommen bestimmt wieder.»

Kritik auf Tripadvisor

Das ist mittlerweile ein halbes Jahr her. Die Streitlust der beiden hat sich gehalten  – sie sind derzeit gleich in mehrere Rechtsverfahren verstrickt. Geändert hat sich aber die Zufriedenheit der Gäste; zumindest, wenn man nach der Bewertungsplattform Tripadvisor geht.

Dort hagelt es seit Wochen Kritik. 10 der 16 Personen, die eine Rezension hinterlassen haben, beurteilen das Restaurant als ungenügend. Die Überschriften der Kommentare zeichnen einen deutliches Bild: «Tiefpunkt erreicht», steht da am 10. April. 13 Tage später: «20 Minuten gewartet». Drei Tage danach: «Was ist nur aus dieser wunderschönen Beiz geworden?» 

Vor einem Monat schrieb eine Person aus Bauma: «Einfach nur dilettantisch, wie diese Gaststätte betrieben wird. Von Kochen kann hier nicht die Rede sein, schade um jedes Tier, das sein Leben dafür lassen musste. Der Service kann sich keine Bestellung richtig notieren, ist völlig überfordert und hat von Gastronomie null Ahnung. Irrwitzig, mit wie wenig Talent jemand auf die Idee kommt, einen Gastronomiebetrieb zu übernehmen.»

«Ich war völlig perplex. Sogar die Gäste am Tisch neben mir haben gestaunt.»

Ralf Ponzetto, Gast

Der aktuellste Eintrag von vor wenigen Tagen lautet «Auf Kritik folgte Anzeige» und stammt vom Winterthurer Ralf Ponzetto. Darin erzählt er, welche Konsequenzen seine erste Bewertung mit sich zog. Ponzetto hat das Berggasthaus auf der Strahlegg am 7. Januar besucht. «Ich gehe seit vielen Jahren regelmässig in die «Sennhütte» und habe das Essen und die Bedienung dort immer sehr geschätzt», sagt er. Nicht dieses Mal.

Zur Warnung die Erfahrung teilen

«Die Pommes waren kalt und roh. Das Fleisch, das ein Kotelett sein sollte, war schlicht ungeniessbar.» Nach einem Bissen habe er der Wirtin freundlich mitgeteilt, er könne das nicht essen. Sie habe den Teller wortlos vom Tisch genommen und sei in der Küche zu ihrem Partner verschwunden.

«Dann kam sie zurück und bot mir eine frische Portion Pommes an. Ich lehnte dankend ab. Mir war der Appetit vergangen», sagt Ponzetto. Also habe die Wirtin ihm unaufgefordert die Rechnung von 21.50 Franken hingelegt. «Ich war völlig perplex. Sogar die Gäste am Tisch neben mir haben gestaunt.» Er habe bezahlt und sei frustriert nach Hause gegangen.

Doch der Vorfall liess ihn nicht los. Ein paar Tage nach seinem Besuch auf der Strahlegg, entschloss sich Ponzetto deshalb, seine Erfahrung zu teilen. «Ich hatte noch nie so schlecht gegessen und wollte potenzielle Gäste warnen», sagt er. Auf Google und Tripadvisor brachte er seine Enttäuschung deutlich zum Ausdruck. 

Kurze Zeit später habe Merkli seine Beurteilung mehrfach mit falschen Behauptungen kommentiert. «Er schrieb beispielsweise, ich sei der Bruder der ehemaligen Pächterin Gabriela Peter», sagt Ponzetto. Er kenne die Vorgängerin gut, das sei richtig, aber er sei nicht mit ihr verwandt. Er habe die Vorwürfe auf der Plattform richtig gestellt, in der Hoffnung, damit sei die Sache erledigt.

Doch: «Vor einem Monat bekam ich Post von der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland.» Das Wirtepaar hatte Anzeige gegen ihn eingereicht – wegen übler Nachrede. Ponzetto lacht. «Die Klage wurde abgelehnt, die Untersuchung gar nicht erst aufgenommen.» Die entsprechende Nichtanhandenahmeverfügung liegt dem ZO/AvU vor. Er sei trotzdem baff gewesen, sagt Ponzetto. «Das ist doch unglaublich, dass das Paar wegen einer Online-Bewertung gleich klagt.» Er sei schliesslich nicht der einzige, der sich negativ über die beiden geäussert habe.

«Ponzetto hat alles aufgegessen und sich dann stinkfreundlich verabschiedet.»

Urs-Werner Merkli, Geschäftspartner in der «Sennhütte»

Schulz und Merkli zeichnen ein anderes Bild: Natürlich gebe es hie und da schlechtes Feedback von Gästen. Das gehöre zu jedem Restaurant dazu. Die Familie Peter versuche ihnen aber seit der Pachtübername zu schaden. «Die negative Kritik im Internet stammt hauptsächlich von der Familie und aus dem Umfeld von Frau Peter», sagt Schulz.

Ponzettos Geschichte sei frei erfunden, sagt Wirt Urs-Werner Merkli. «Er war hier für ein Probeessen.» Ponzetto habe für die ehemalige Pächterin Gabriela Peter die Speisekarte designt. Merkli und Schulz hätten sich überlegt, ihn ebenfalls dafür zu beauftragen. Doch seine Preise seien schlicht exorbitant gewesen. «Ponzetto hat alles aufgegessen und sich dann stinkfreundlich verabschiedet.» Danach habe er diese Rezension verfasst. «Er war einfach wütend, dass wir ihm den Auftrag nicht gegeben haben.» Das Gericht dulde es aber offenbar, dass online falsche Anschuldigungen gemacht werden dürften, sagt Merkli. «Schade.»

Wort gegen Wort

Ponzetto wiederum spricht ebenfalls von einer Lüge: Er bestätigt, dass er früher die Speisekarten für die «Sennhütte» unentgeldich gestaltet hat. Mit seiner Online-Bewertung habe das aber überhaupt keinen Zusammenhang. «Die beiden Wirtsleute habe ich bis zum besagten Essen nicht gekannt und wurde diesen auch zu keinem Zeitpunkt jemals vorgestellt.» Von einem Auftrag sei nie die Rede gewesen, geschweige denn von einem Probessen.

Die vormalige Pächterin instrumentalisiere ihre Freunde, schlechte Rezensionen über die «Sennhütte» zu schreiben, sagt Merkli. Sie versuche ihnen mit allen möglichen Mitteln zu schaden. «Und das alles nur, weil wir uns getraut haben, das Inventar nicht zu dem Preis zu übernehmen, den sie sich erhofft hatte.»

Erfolglose Anzeige wegen Hausfriedensbruch

Der Streit mit Gabriela Peter schwelt schon lange. Bereits vor der Neueröffnung kam es zu einem Vorfall, der seither Anlass für unzählige weitere Auseinandersetzungen gegeben hat und nun wohl vor Gericht behandelt wird. Ende Februar haben die Wirtsleute Anzeige gegen Peter erstattet. Der Straftatbestand lautete auf Hausfriedensbruch. Peter habe sich beim Kanton, dem die «Sennhütte» gehört, darüber beklagt, dass Schulz ihr noch 1500 Franken für übernommenes Inventar schulde. Am 25. Oktober habe sich Peter ferner ohne Berechtigung Zutritt ins Berggasthaus verschafft. Schulz habe zudem Kenntnis von angeblich ehrverletzenden Äusserungen gegen sie erhalten. 

Auch diese Untersuchung wurde von der Staatsanwaltschaft See/Oberland nicht an die Hand genommen. Die entsprechende Verfügung liegt den ZO/AvU ebenfalls vor. Darin heisst es, dass zum Zeitpunkt des angeblichen Hausfriedensbruchs noch gar kein Pachtvertrag mit Angela Schulz bestand, weshalb sie auch kein Hausrecht besass. Für die angebliche ehrverletzende Äusserung hatte die Wirtin zudem die dreimonatige Antragsfrist verstreichen lassen.

«Jetzt müssen wir vor Gericht»

Gabriela Peter, ehemalige Pächterin

Gabriela Peter hat die «Sennhütte» während fünf Jahren geführt. «Ich mag nicht mehr die ganze Geschichte aufrollen», sagt sie. Ihre Familie habe Hausverbot für die ‹Sennhütte› erhalten. «Das war demütigend.» 

Die Rechtsstreitigkeiten seien noch nicht abgeschlossen. Das Wirtepaar schulde ihr nach wie vor 1500 Franken für Holz und Putzmittel. «Wir hätten uns aber mit 500 Franken zufrieden gegeben», so Peter. Deswegen seien sie vor ein paar Tagen beim Friedensrichter in Gibswil gewesen. Doch Schulz und Merkli hätten sich geweigert, eine friedliche Lösung einzugehen. «Jetzt müssen wir vor Gericht.»

Auf mehr Unterstützung gehofft

Ihre Rechnungen bei Peter hätten sie beglichen, sagt Merkli. «Wir haben sogar noch etwas zugut.» Deswegen sei auch das Verfahren vor dem Friedensrichter gescheitert. «Wir bezahlen doch nicht 500 Franken für einen Vergleich, der die Peters dazu verpflichtet, keine üble Nachrede mehr zu betreiben.» 

Es sei richtig, dass sie Peter Hausverbot erteilt hätten. «Wir finden, begründet», so Merkli. Peter sei in die «Sennhütte» eingestiegen, habe Gegenstände demoliert und ungefragt mitgenommen. Es sei unverständlich, dass man ihre Klage wegen Hausfriedensbruch wegen einer verpassten Frist nicht an die Hand genommen habe.

Sie habe auf mehr Unterstützung vom Kanton gehofft, sagt Peter. Doch jetzt sei es eh zu spät. Nur etwas verstehe sie nicht: «Wie kann man diesen Menschen ein solch besonderes Restaurant geben?»

 «Für uns Anwohner ist es ein grosser Verlust.»

Eduard Gautschi, ehemaliger Stammgast

Auch der Walder Eduard Gautschi, der die Sennhütte früher alle  zwei Wochen besucht hat, stellt sich diese Frage. Seit die neuen Pächter das Restaurant führen, war ich einmal dort – und dann nie wieder.» Er wisse von vielen anderen Leuten aus der Region, denen es gleich gehe. «Für uns Anwohner ist es ein grosser Verlust. Die ‹Sennhütte› wäre ein so schöner Ort.» Er hoffe, es gelinge dem Kanton, den fünfjährigen Pachtvertrag frühzeitig zu kündigen. 

Dem Vernehmen nach soll sich Urs-Werner Merkli derzeit im Rechtsstreit mit dem Kanton befinden. Thomas Maag, Sprecher der Baudirektion Zürich, sagt nur: «Zu laufenden Verfahren dürfen wir uns nicht äussern.» Auch Merkli will dazu nichts sagen.

Anzeige wegen bissigem Hund

Mittlerweile läuft aber auch ein Verfahren gegen Schulz und Merkli – wegen des Hundes des Paars. Der Gast Nicole Gagstätter vermeldet in einer Rezension auf Google, der Akita Inu habe ihre angeleinte Hündin auf der Strasse vor der «Sennhütte» gebissen. Ein anderer Hund wurde laut seinem Besitzer bei einem Angriff sogar schwer verletzt. Der Mann hat Anzeige erstattet.

Merkli widerspricht erneut: Der Hund des anderen Mannes habe ihren attackiert, der habe sich daraufhin gewehrt. «Der Mann ist mit seinem Hund zum Tierarzt gegangen, dieser war verpflichtet, Anzeige zu erstatten.» Er hingegen habe die Verletzungen ihres Hundes selbst behandelt.

 

 

 

 

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