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Der Biber feiert sein Comeback und lässt es krachen

Der Biber feiert sein Comeback und lässt es krachen

Der Gibswiler Jan-Jaap Vis hat Spuren des Bibers bei einem Weiher entdeckt. Der Biber ist der erste in Fischenthal nach über hundert Jahren. Obwohl es zu Konflikten zwischen Mensch und Tier kommen könnte, wäre die Rückkehr des Nagetiers ein Segen für die Natur.

Mittwoch, 14. Februar 2018, 21:00 Uhr

Es ereignete sich dort, wo sich die Tösstalstrasse und die Fistelstrasse kreuzen. Als Jan-Jaap Vis am Wochenende zu seiner Schwiegermutter fuhr, klappte ihm die Kinnlade herunter. Die Meisten hätten sie wohl übersehen oder den Winterstürmen Burglind, Friederike oder Evi zugeschrieben. Doch Vis erblickte sie nicht das erste Mal in seinem Leben. In Oregon (USA) hatte der Hobbyfotograf, der gerne in der Natur unterwegs ist, bereits Bilder von ihnen geschossen: den Spuren eines Bibers.

«Gesegnet sei des fischähnlichen Bibers Fleisch.»
Mönch Ekkehard, St. Gallen um 1000 n. Chr.

Er wusste sofort, dass die Äste – einer vier Meter lang – nicht durch Sturm oder Axt gefällt wurden. «Ich bezweifle, dass da jemand mit seinem Taschenmesser herumhantiert hat. Das waren Biberzähne». Während am Weiher die Fischenthaler ihre Freizeit mit Skilanglauf oder Wandern verbringen, fällt dort also der Biber seelenruhig die Bäume. Denn der bepelzte Migrant braucht ja Baumaterial für seine neue Wohnstätte.

Massaker während der Fastenzeit

«Gesegnet sei des fischähnlichen Bibers Fleisch.», so lautet die Übersetzung eines lateinischen Gebets des Mönchs Ekkehard aus dem Kloster St. Gallen um das Jahr 1000. Etwa 400 Jahre zuvor hatte ein Papst während der Fastenzeit den Verzehr von Warmblütern verboten. In den folgenden Jahrhunderten wurden immer mehr Säugetiere und Vögel zu Fischen erklärt. So auch der Biber.

«Falls er nicht mit dem Zug gekommen ist, dann ist er die Töss entlang geschwommen.»
Jan-Jaap Vis, Hobbyfotograf

Da Fette zu den Geschmacksträgern zählen, kann man sich wohl vorstellen, dass das im Wasser lebende Tier – das eine üppige Fettschicht hat, um der Kälte zu widerstehen – während der Fastenzeit gemundet haben musste. So wurde er – auch seines Pelzes  wegen – bis Anfang des 19. Jahrhunderts in der Schweiz ausgerottet. Seit 1962 ist er hierzulande bundesrechtlich geschützt und hat sich infolge von Wiederansiedlungen verbreitet – vor allem im nördlichen Kantonsteil. Nun hat er wohl auch Fischenthal erreicht.

Von Winterthur zum Weiher

Jan-Jaap Vis vermutet, dass der Biber, dessen Spuren er am Weiher  entdeckt hat, aus Winterthur stammt. Auf die Frage, wieso er dies vermute, sagt er lachend: «Ich habe ihn gefragt.» Der Physiotherapeut aus Gibswil erklärt, dass Biberpopulationen in Dübendorf und Winterthur gesichtet wurden. Der gebürtige Holländer blickt auf die nahe gelegenen Gleise und sagt: «Falls er nicht mit dem Zug gekommen ist, dann ist er die Töss und den Mülibach entlang geschwommen.»

«Der Biber hat sich von der Gemeinde keine Lizenz geholt.»
Jan-Jaap Vis, Physiotherapeut

Biber breiten sich aus, wenn das Bibervolk zu zahlreich wird. Zwei Jahre lang hilft der Nachwuchs den Eltern und kümmert sich um die jüngeren Geschwister. «Danach sagen ihnen aber die Eltern, dass sie verreisen sollen», so Vis. So errichten die jungen Biber einen neuen Bau, dessen Zugang unter Wasser ist. Mit gefällten Bäumen bauen sie sich Dämme und regulieren die Wasserhöhe. 

Architekten der Natur

Sie sind bekannt als Baumeister der Natur. Denn wo der Biber auftaucht, erschafft er neue Landschaften und ermöglicht mehr Artenvielfalt. So leitet der Nager die Ausbreitung vieler anderer seltener Pflanzen und Tiere ein. Der Biber zerstört daher keine Ökosysteme – der kleine Racker erschafft sie.

Vis stört sich am Biber nicht: «Ich habe ja keinen Schrebergarten in der Nähe.» Allerdings vermutet er, dass Konflikte entstehen könnten. Beim Weiher stünden wenig Bäume. «Der Biber hat sich von der Gemeinde keine Lizenz geholt.» Die Gemeinde müsse ja schon informiert werden, wenn man im eigenen Garten einen Baum fällen wollen würde, so Vis. Er jedenfalls werde mit seinen drei Söhnen weiterhin zum Weiher kommen, um zu wandern oder die Landschaft zu fotografieren. Und eines Tages vielleicht den Biber.

Mehr Infos unter: www.cscf.ch

Biberfachstelle berät
Bei Konflikten mit dem Biber wende man sich an die Biberfachstelle, denn das Tier ist bundesrechtlich geschützt. Mehr Informationen, auch Schutzmassnahmen, auf der Homepage.

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