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Liebes SRF, da klafft eine Lücke im Lebenslauf von Bligg

Sendekritik

Liebes SRF, da klafft eine Lücke im Lebenslauf von Bligg

Das Schweizer Fernsehen porträtiert in der Sendung «Geboren am…» drei Personen, die am selben Tag Geburtstag haben. In der aktuellen Folge darf Mundartmusiker Bligg auf sein Leben zurückblicken – die Jugend in Wolfhausen wird jedoch komplett ausgeblendet.

Mike
Gadient
Freitag, 27. Juli 2018, 22:39 Uhr Sendekritik

Wir schreiben den 30. September 1976. Ein Tief über dem Atlantik hat im Tessin und in Graubünden zu Überschwemmungen geführt. Die neuste Erfindung, ein Faxgerät, ist für 30‘000 Franken erhältlich.  An diesem Tag kommt Marco «Bligg» Bliggensdorfer im Universitätsspital Zürich zur Welt. Seine Mutter ist in diesem Augenblick erst 17 Jahre jung.

«Ich war nicht geplant. Das haben mir meine Eltern später fairerweise auch gesagt», sagt Bligg in der aktuellen Ausgabe der SRF-Sendung «Geboren am…» Weiter erfährt der Zuschauer, dass Bligg in einer Arbeitersiedlung in Schwamendingen aufgewachsen ist und sein Vater als Arbeiter auf dem Bau keinen üppigen Lohn erhielt. «Uns hat es aber nie an etwas gefehlt», hält der Mundartmusiker fest. In seiner Kindheit in Schwamendingen habe er simple Werte wie Dankbarkeit, Bescheidenheit und Genügsamkeit vermittelt bekommen.

Auch der Walder Musiker Toni Vescoli wurde in «Geboren am…» porträtiert.
Die Sendungskritik gibt es hier >>

 

«Grausam eingefahren»

Er sei ein Zürcher Kind, sagt Bligg in die Kamera. Die Macher der Sendung blicken mit ihm auf die Drogenszene auf dem Platzspitz zurück. «Mein Vater ist mit mir dorthin gefahren. Es hätte wohl eine Art Schocktherapie sein sollen», so Bligg, dem das dort Gesehene als Teenager «grausam eingefahren» sei.

Szenenwechsel: Das SRF zeigt Ausschnitte aus den Leben von Adriano Mariotto (Karbonkünstler) und Odette Krauer-Plump (Polizistin in Meilen). Anschliessend wird Bliggs Durchbruch im Jahr 2008 mit dem Hit «Volksmusig» thematisiert. Für seine Jugend im Zürcher Oberland fehlte anscheinend die Sendezeit oder sie passte nicht in den Spannungsbogen der Folge.

Von Stadt und Land geprägt

Nicht zum ersten Mal wird Bligg in seiner Biografie auf die Zeit in Schwamendingen reduziert. Darauf von Züriost einst während eines Interviewtermins angesprochen, sagte Bligg: «Ich stamme aus beiden Ecken, mein Herz schlägt für Schwamendingen und das Zürcher Oberland.» Der städtische und ländliche Kontrast habe seine Musik beeinflusst. In seinen Anfängen als Rapper sei Schwamendingen der Aufhänger für die Journalisten gewesen. Das sei dann im Verlaufe der Jahre von den verschiedenen Journalisten immer wieder aufgenommen worden. «Und jetzt hat das ganze Oberland das Gefühl, der zieht eine Show ab, denn eigentlich wurde er ja bei uns gross.»

Eine grosse Show war Bliggs Auftritt auf SRF 1 für einmal nicht. Der bald 42-Jährige nutzte die Plattform, um seine reflektierte und tiefgründige Seite zu präsentieren – und die war nicht weniger unterhaltsam.

«Lässt sich Schwamendingen etwa besser vermarkten als Wolfhausen?», wollte Redaktor Mike Gadient im Jahr 2016 von Bligg wissen. Dieser stellt den Sachverhalt im Video-Interview klar.

Weiter erzählt der gelernte Sanitärmonteur über seine Erinnerungen an seine Schulzeit:

 

Die nächste Folge von «Geboren am..» erscheint am 3. August ab 21 Uhr auf SRF 1. Unter anderem wird dann die Volketswilerin und ehemalige Eiskunstlauf-Weltmeisterin Denise Biellmann porträtiert.

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