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Bäretswiler Fotograf mit Hispeed-Kamera

700 Mal Hermelin

Der Bäretswiler Fotograf Klaus Hoffmann schaffte es, ein Hermelin auf dem Schneefeld hinter seinem Haus gestochen scharf zu fotografieren.

David
Kilchör
Freitag, 02. März 2018, 23:21 Uhr Bäretswiler Fotograf mit Hispeed-Kamera

Klaus Hoffmann lebt im Grünen. In Wappenswil ob Bäretswil, in einer Sackgasse, nicht weit von der Täuferhöhle entfernt. Hinter seinem Haus erstreckt sich eine grosse Wiese, auf der einst eine Scheune stand. Der Sturm Lothar machte das Gebäude dem Erdboden gleich. Das ist nun bald 20 Jahre her.

Vor einigen Tagen entdeckte Hoffmann in den noch immer dort liegenden Resten der Scheune Leben. Ein kleines weisses Tier mit langem Schwanz. Kurz nach 8 Uhr morgens huschte es über die Wiese und kehrte zurück in den Bau. Am nächsten Tag dasselbe Spiel zur selben Zeit. Und am übernächsten stand Hoffmann bereit. Wartend hinter dem Holzstoss bei seinem Sitzplatz - bei klirrender Kälte. Ausgerüstet mit einer Kamera.

18 Bilder pro Sekunde

Und die hats in sich. Sie schiesst Bilder mit Höchstgeschwindigkeit. 18 pro Sekunde, Hispeed. Einmal etwas länger draufdrücken und schon sind ein paar Hundert Fotos im Kasten. Dazu kommt das gewaltige Tele-Objektiv, 800 Millimeter Brennweite. «Damit bekommt man den Vollmond displayfüllend hin», sagt Hoffmann

Das Hermelin sei indes ein ungleich schwierigeres Motiv gewesen. Hoffmann: Etwa 20 Meter vom Tier entfernt mit der Kamera. Das Hermelin: Ein wahnsinnig hektisches kleines Raubtierchen. Und dann auch noch weiss. Im Schnee. «Aber die Fotos sind gut geworden. Ich bin sehr zufrieden.»

Schon mal einen Fuchs erwischt

Der 53-jährige Bäretswiler Fotograf hat seine Wurzeln in Norddeutschland. Er absolvierte eine klassische Fotografenausbildung in den 1980er Jahren und zog 2001 ins Zürcher Oberland. Er hat sich seither auf Architektur-, Panoramafotografie, auf Landschaftsaufnahmen und Reportagen spezialisiert.

Die Bilder des Hermelins sind für den Bäretswiler Fotografen übrigens nicht die ersten gelungenen Wildtieraufnahmen: Vor einigen Jahren erwischte er einen Fuchs, der – ebenfalls im Schnee – eine Maus jagte. Daraus entstand eine Bildserie, die er mittlerweile als Wandbilder und als Memory verkauft. Mit dem Hermelin ist vorderhand keine vergleichbare Serie geplant. «Wobei: Bilder hätte ich genug. 700 Stück.»

Das Hermelin - Tier des Jahres

Pro Natura hat das Hermelin als Tier des Jahres 2018 erkoren. Das Hermelin sei ein flinker Mäusejäger. Oft werde es aber vom Jäger zum Gejagten, schreibt der Verband. Dann sei eine deckungsreiche Landschaft überlebenswichtig.

Ein idealer Hermelin-Lebensraum bietet eine Fülle von Verstecken, Jagdgebieten und Wanderachsen: In Wiesen jagt das Hermelin seine Beute. In einer Aufzuchtkammer unter Ästen oder Steinbrocken kommen die Jungen zur Welt. Deckungsreiche Hecken, Krautsäume oder Bachufer erleichtern dem Hermelin-Männchen im Frühling die weiträumige, oft gefahrvolle Suche nach paarungsbereiten Weibchen.

Das Rückenfell des Hermelins ist im Sommer rotbraun gefärbt, der Bauch gelblich-weiss. Im Winter nimmt das ganze Fell eine schneeweisse Färbung an. Ein einziger Fellbereich bleibt ganzjährig in sattes Schwarz getaucht, nämlich die üppige Schwanzquaste. Sie ist das sichere Unterscheidungsmerkmal des Hermelins gegenüber seinem sehr ähnlich aussehenden kleinen Verwandten, dem Mauswiesel.

Mit der Wahl des Hermelins ruft Pro Natura dazu auf, den Schweizer Kulturlandschaften zu einem strukturreichen Netz von Lebensräumen zu verhelfen. Das diene nicht nur dem Hermelin, sondern auch vielen anderen Tier- und Pflanzenarten, so die Pro Natura.

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