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Barrieren für Forchbahn geben auch in Zollikon zu reden

In Zollikerberg sollen an zwei Bahnübergängen der Forchbahn zusätzliche Bahnschranken angebracht werden. Gegen dieses Vorhaben regt sich grosser Widerstand.

Sonntag, 04. Oktober 2015, 20:14 Uhr

Der Quartierverein Zollikerberg lud in eigener Sache in den Gerensaal ein. Vorstandsmitglied Thomas Weber erläuterte die Gründe, wieso der Verein beim Bundesamt für Verkehr (BAV) Einsprache gegen zwei zusätzliche Halbbarrieren für die Forchbahn auf Zolliker Gebiet erhoben hat. Das BAV verlangt die Bahnschranken aus Gründen der Sicherheit. Sie sind eingangs der Binzstrasse und bei der Einmündung zur Trichtenhausenstrasse geplant – die beiden Bahnübergänge der Forchbahn in Zollikerberg, die nur durch Ampeln gesichert sind. Das Szenario sieht vor: Kommen die S18 oder die Schnellzüge, schaltet die Ampel auf Rot, die Halbbarrieren gehen runter und wieder rauf, was für die Verkehrsteilnehmer eine zusätzliche Wartezeit von rund 25 Sekunden mit sich bringen würde.

Zurück zum Trambetrieb?

«Viele von uns sind wohl mit der Forchbahn aufgewachsen», begrüsste Weber die in der Mehrzahl ältere Zuhörerschaft im gut gefüllten Saal. Die Bahn sei im Volksmund als «Frida» bekannt, fügte er an und verwendete damit den Kosenamen der roten Zugskomposition. «Aber aus der ‹Frida› sei der feuerrote ‹Fritz› geworden. Er flitzt an uns vorbei.» In der Folge zählte er die Argumente auf, die aus der Sicht des Quartiervereins gegen den Bau der Halbbarrieren sprechen. Sie würden die bereits bestehende Quartiertrennung vergrössern, der Rückstau wäre enorm, der Notfall-Zugang zum Spital Zollikerberg wäre längere Zeit blockiert, und der Schleichverkehr in den Quartierstrassen würde zunehmen.

«Der Quartierverein verlangt in seiner Einsprache die Rückkehr zum Trambetrieb zwischen den Stationen Waldburg und Zollikerberg», schloss Weber sein Referat. «Das ist die Rückkehr zu einem Tempo, das keine Barrieren erfordert.» Für Markus Amrein, einem weiteren Diskussionsteilnehmer, ist die Temporeduktion aber keine Option. «Mit einem Tram kann der aktuelle Fahrplan nicht eingehalten werden», sagte der Bereichsleiter Infrastruktur der Forchbahn AG. «Wieso denn die Tempoforcierung wegen ein paar Sekunden Zeitverlust?», lautete Webers Replik. «Im Bahnhof Stadelhofen beispielsweise ist jede Sekunde wichtig, um einen reibungslosen Bahnverkehr zu gewährleisten», konterte Amrein.

Amrein verhehlte ausserdem nicht, dass die zwei Bahnübergänge mit den Ampeln und ohne Barrieren den gesetzlichen Anforderungen eigentlich genügen würden. «Die Kantonspolizei wertet den Streckenverlauf auf Zolliker Gebiet als sicher.» Die Eisenbahnverordnung des Bundes verlange allerdings die zusätzlichen Bahnschranken. Die Forchbahn AG sei deshalb bereit, in Zollikerberg die beiden Barrieren anzubringen.

Rege geführte Diskussion

Auch der Gemeinderat Zollikon erhob beim BAV Einsprache. Im Namen der Exekutive sagte Martin Hirs (SVP), Ressortvorsteher Bau. «Wir finden es unnötig, diese Bahnübergänge mit Schranken zu sichern.» Für ihn besteht – wie für den Quartierverein – die Gefahr von mehr Stau und Schleichverkehr. Aus dem Publikum meldeten sich danach einige Stimmen, die sich in der Mehrzahl ebenfalls gegen die Barrieren richteten. Ein Zuhörer wies darauf hin, dass die Barrieren auch die Buslinien 910, 917 und 91 behindern würden. «Der öffentliche Verkehr behindert dann den öffentlichen Verkehr.»

Seine emotionalen Worte stiessen auf Beifall und bewiesen: Das Thema Barrieren gibt in Zollikerberg viel zu reden, wohl auch nach dem definitiven Entscheid des BAV, der noch in diesem Herbst zu erwarten ist.

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