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«Ave Maria» und das musikalische Reduit

Kommentar zur Rap-Szene

«Ave Maria» und das musikalische Reduit

Klartext von Redaktor Benjamin Rothschild zu den Diskussionen rund um den Rap «Ave Maria».

Mike
Gadient
Mittwoch, 03. Januar 2018, 11:18 Uhr Kommentar zur Rap-Szene
«Ave Maria» sorgte in der Schweiz für Aufregung. (Bild: Screenshot Youtube)

Die Festtage sind vorüber, doch ein «Ave Maria» hallt nach. Gemeint ist der gleichnamige Song der deutschen Rapper Kollegah und Farid Bang, der kurz vor Weihnachten auf Radio SRF in den Charts gespielt wurde und der bei hiesigen Politikern für Empörung sorgte.

Tatsächlich lebt der Track von derben Zeilen und Provokationen. Und auch wenn im Rap-Kosmos Inhalte selten so gemeint sind, wie sie geäussert werden, so sollte es doch niemanden überraschen, wenn Ausdrücke wie «Hurensohn», «Fotze» oder Referenzen auf das «Columbine-Massaker» beim Schweizer Durchschnittspolitiker wenig Beifall finden.

Die SVP-Nationalrätin Nathalie Rickli kritisierte das SRF3 dafür, den Kollegah-Song «Ave Maria» gespielt zu haben.
Was der Ustermer Rapper «Freezy» dazu meint >>

Bemerkenswert ist jedoch, dass sowohl einige Politiker als auch Teile der Öffentlichkeit offensichtlich aus allen Wolken fielen, als ihnen die umstrittenen Textpassagen vorgespielt wurden – und damit sind nicht nur jene gemeint, die aufgrund der anstehenden No-Billag-Abstimmung mit gespieltem Entsetzen auf die Tatsache hinwiesen, dass Radio SRF einen solchen Song spielt.

«Ave Maria» kam nicht aus heiterem Himmel. Seit Jahren ist expliziter Strassenrap vor allem bei jungen Hörern die populärste Musikrichtung, Gangsterrapper gehen längst nicht mehr nur in den USA, sondern auch in Frankreich, Deutschland und der Schweiz massenhaft Gold und Platin. In den Nachbarländern hat man dies seit längerem zur Kenntnis genommen und die volltätowierten Exponenten der Zunft haben ihren Platz in Talkshows und auf roten Teppichen.

In der Schweiz scheint man währenddessen im musikalischen Reduit zu verharren. Die Aufregung um «Ave Maria» offenbart, wie schlecht nicht zuletzt jene ihr (jüngeres) Volk kennen, das sie zu vertreten vorgeben.

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