Zürcher Oberland

«Ökogold» macht die Runde

Vier Oberländer Goldschmieden offerieren Schmuckstücke aus sogenanntem Ökogold. Hierfür wurde bestehendes Gold in Europa rezykliert. Bei den Kunden hat das Schweizer Label bisher wenig Anklang gefunden.

von
Jörg
Marquardt
Uhr

Rezykliertes Altgold ist ressourcenschonend. (Symbolbild: Fotolia

Dem schönen Glanz zum Trotz: Am und ums Gold ist nicht alles glänzend. Minen gefährden oder zerstören gar die Lebensgrundlage von Mensch und ­Natur, Arbeiter in Drittwelt­ländern riskieren zu Niedrigst­löhnen ihre Gesundheit und ihr Leben, Menschenrechte werden Profiten geopfert.

Wer solche Zustände nicht unterstützen will, kann Schmuck mit dem Label Ökogold kaufen. Lanciert wurde es im Jahr 2013 von der Gyr Edelmetalle AG aus Baar, der grössten Lieferantin für Schweizer Goldschmieden und Bijouterien. Die geschützte Wort- und Bildmarke garantiert, dass es sich bei dem Gold um wiederverwerte-tes Edelmetall handelt. Hierfür wird bestehendes Gold in Europa rezykliert.

Viermal Ökogold im Oberland

Im Oberland sind vier Goldschmieden als Ökogold-Fach­geschäfte lizenziert. Stephan Straub, Inhaber des Goldschmiedeateliers Straub in Greifensee, ist Lizenznehmer der ersten Stunde. Bislang wurde er nur vereinzelt von Kunden auf das Label angesprochen. «Sie finden es gut, dass unsere Schmuckstücke unter umweltschonenden und menschenwürdigen Bedingungen hergestellt worden sind», sagt Straub. Allerdings hätte er mit deutlich mehr Interesse gerechnet.

Ähnliche Erfahrungen hat man bei der Goldschmiede Obsession in Wetzikon gemacht. Designer und Verkäufer Joa ­Sahagun hält fest: «Das Öko-gold-Label kommt bei den Kunden immer gut an, wenn wir sie darauf aufmerksam machen. Aber darüber hinaus wird ihm kaum Beachtung geschenkt.» Von einem Marketing-Erfolg könne deshalb nicht die Rede sein. «Ausser den Fachleuten redet praktisch niemand darüber.»

Warum dem so ist, dafür hat Goldschmied Straub aus Greifensee eine einfache Erklärung: «Bei Schmuckstücken sind ästhetische Kriterien immer noch wichtiger als ökologische.» Die Relevanz ökologischer Standards sei bisher nicht bei den Kunden angekommen.

Nicht teurer als Normalgold

Zu einer etwas anderen Einschätzung kommt Goldschmied Christian Arena. Er betreibt mit seinem Bruder Oliver Arena seit zehn Jahren die Dübendorfer Goldschmiede Arena in Arte. Er sagt: «Die Kunden legen immer mehr Wert auf Nachhaltigkeit, auch bei Schmuckstücken.» Zudem sei das verwendete Ökogold nicht teurer als reguläres Gold.

Auch wenn Arena von Kundenseite nur selten auf das Thema Ökogold angesprochen wird, erwies sich das Label bisweilen als Zünglein an der Waage. «Sind Kunden unschlüssig, ob sie ein bestimmtes Schmuckstück kaufen wollen, hat sich das Label als gutes Verkaufs­argument bewährt», sagt er.

Schweizer Handarbeit

Wer das Ökogold-Label führt, verpflichtet sich, das Gold ausschliesslich bei der Gyr Edel­metalle AG zu beziehen. Diese sorgt für die Durchsetzung ­hoher sozialer, ethischer und ökologischer Standards bei der ­Wiederverwertung von Gold. «Das Label garantiert, dass es sich bei den Produkten um Schweizer Handarbeit handelt – ohne Kinderarbeit in Drittweltländern», sagt Christian Arena.

Das dazugehörige Öko-Signet in Herzform kann mit einem Stempel, der den Fachgeschäften für die Dauer des Lizenzvertrags zur Verfügung gestellt wird, auf die Schmuckstücke geprägt werden – zusätzlich zur Verantwortlichkeitsmarke und zum Feingehaltsstempel.

Bis auf Arena in Arte verzichten alle Oberländer Goldschmieden darauf, sei es aus Platzgründen, wegen des ­Zusatzaufwands oder weil das Signet zu wenig bekannt sei.

Schon vorher ökologisch

Bei Arena in Arte arbeitet man seit etlichen Jahren mit der Gyr Edelmetalle AG zusammen, aber erst 2015 erfuhren die Brüder von dem Ökogold-Label und ­liessen dann ihr Fachgeschäft ­lizenzieren. Herbert Kistler von der Goldschmiede Kistler betont, dass er schon vor der Einführung des Labels rezykliertes Gold verwendet habe. «Der Kreislauf istja längst da gewesen», sagt er.

Die Gyr Edelmetalle AG, von der Kistler seit Jahren den Grossteil an Gold bezieht, habe sich seit Langem in der Rückgewinnung von edelmetallhaltigen Abfällen wie Altgold einen Namen gemacht, sagt er. Dementsprechend stammte das von ihm verarbei­tete Gold bereits aus einem Recyclingverfahren.

Boom an Altgoldankäufen

Dass die Aufmerksamkeit auf den Recyclingkreislauf bei Edelmetallen und damit auch die Sensibilität für dieses Thema in den letzten Jahren zugenommen haben – dazu hat aus Kistlers Sicht auch der Boom an Altgoldankäufen vor rund sechs Jahren beigetragen. «Der Goldpreis war extrem hoch, und die Leute haben ihre Schubladen nach veräusserbarem Schmuck durchsucht», sagt er. Neue Recyclingfabriken mussten aufgebaut werden, um genügend Kapazitäten für die Wiederaufbereitung der Altgold-Chargen bereitzustellen.

Alternativ zum Ökogold wird auch Schmuck aus «Fair-Trade-Gold» angeboten. Kistlers Haltung zu dieser Zertifizierung ist zwiespältig. Einerseits trage sie zu einer deutlichen Verbesserung der Arbeitsbedingungen insbesondere von mittelame­rikanischen Kleinschürfern bei. Diese würden nun besser geschult, technologisch ausgerüstet und entlöhnt.

Andererseits werde die Erde durch den Abbau weiterhin gleich stark belastet wie bei der herkömmlichen Gewinnung. «Natürlich wurde Ökogold auch irgendwann einmal unter nicht nachhaltigen Bedingungen gewonnen, aber anders als Fair-Trade-Gold ist es nun in einen Kreislauf eingebunden, der ressourcenschonend und sozialverträglich ist», sagt Kistler.

Dieses neue Label beurteilt der Goldschmied aus Wetzikon als ein gutes Marketing-Instrument, das für Transparenz in der Goldschmiedebranche sorge. «Die Kunden sollen den Goldschmuck mit gutem Gewissen kaufen können.»

Autor: Jörg
Marquardt

Kommentare

Neuen Kommentar schreiben

Kommentare können nur von registrierten Benutzern erfasst werden. Gehe zur Registrierung.