Pro und Kontra

Sollen Frauen obligatorisch Militärdienst leisten?

In der Rubrik Pro und Kontra nehmen jede Woche zwei Politiker aus der Region Stellung zu einem Thema. In dieser Woche zur Wehrdienstpflicht für Frauen.

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Kantonsrat Benjamin Fischer (SVP, links) und Kantonsrätin Maria Rita Marty (EDU, rechts) beziehen Stellung zum Thema Militärdienst. (zvg)

Pro von Benjamin Fischer (SVP, Volketswil)

Die Frage wird auch innerhalb der Armee kontrovers diskutiert, für mich ist schon länger klar: die Schweizer Frauen des 21. Jahrhunderts sollen Dienst leisten, nicht zwingend Militärdienst, doch auf jeden Fall sollen sie dienstpflichtig sein.
Früher, als ein Familienmodell mit klarer Rollenverteilung Normalität war und auch gesellschaftlich gefordert und staatlich gefördert wurde, hatte das heutige System seine Berechtigung. Spätestens mit der Einführung des Frauenstimmrechts wurde das Individuum institutionell über die Familie erhoben. Daher macht die einseitige Dienstpflicht nur für Männer heute keinen Sinn mehr und ist ungerecht.

«Die einseitige Dienstpflicht nur für Männer macht heute keinen Sinn mehr und ist ungerecht.»

Männer, die aus physischen, psychischen oder Gewissensgründen keinen Militärdienst leisten können, leisten Zivilschutz, Zivildienst oder Wehrpflichtersatzabgabe. Diese Möglichkeiten sollen auch den Frauen offen stehen. Selbstverständlich müssen zusätzliche Regeln geschaffen werden. Hier könnten wir uns am israelischen Modell orientieren wo Frauen wie Männer dienstpflichtig sind, jedoch bei Schwangerschaft oder Mutterschaft die Dienstpflicht entfällt, in diesem Fall müssten sie auch keine Ersatzabgabe bezahlen.
Ich persönlich habe, sowohl in meiner militärische Ausbildung als auch in meiner Tätigkeit als Offizier, nie negative Erfahrungen mit Frauen im Dienst gemacht. Selbstverständlich muss die Funktion den Fähigkeiten entsprechend zugewiesen werden. Die Dienstpflicht ist eine tragende Säule unseres Milizsystems welches das Fundament für Sicherheit, Freiheit und Wohlstand in der Schweiz bildet. Wir alle profitieren davon und somit sollte jeder Staatsbürger, und aus meiner Sicht auch jede Staatsbürgerin, seinen/ihren Beitrag leisten

Kontra von Maria Rita Marty (EDU, Gutenswil)

Als Erstes möchte ich anführen, dass ich nicht gegen eine Dienstpflicht bin, sondern eine effiziente Schweizer Armee unterstütze und selbst gerne Kampfpilotin geworden wäre.

«Eine Dienstpflicht für Frauen würde zu einer weiteren massiven Benachteiligung der Frauen führen.»

Der Militärdienst muss für Frauen freiwillig bleiben, denn eine Dienstpflicht würde zu einer weiteren massiven Benachteiligung der Frauen führen; insbesondere von Frauen, die sich für Familie und Kinder entscheiden. Aufgrund der familiären Verpflichtungen wäre es diesen Frauen nicht möglich, die Wiederholungskurse zu leisten und wären infolgedessen gezwungen einen Militärpflichtersatz zu leisten. Dieser Betrag wäre eine weitere diskriminierende und unnötige Belastung der Familie. Aufgrund der bisherigen Gesetzgebung, welche extrem familienfeindlich ist, ist nicht zu erwarten, dass in dieser Hinsicht auf Frauen Rücksicht genommen wird, welche sich für Kinder und Familie entscheiden. Aber auch für diejenigen Frauen, die sich für die Karriere entscheiden, aber trotzdem Kinder möchten, würden durch die Dienstpflicht in ihrem Fortkommen zeitlich behindert, da zur Babypause auch noch die Dienstpflicht hinzukäme. Eine Benachteiligung, die vermieden werden muss und auf keinen Fall Realität werden darf.
Angesichts der immanenten Terrorgefahr könnte meines Erachtens eine Dienstpflicht von lediglich drei Wochen eingeführt werden, damit die Grundkenntnisse und Fertigkeiten der Waffenkunde erlangt werden könnten. Ich bin überzeugt, dass dies bei einem Teil der Frauen einen grossen Anklang finden würde.

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