Pro und Kontra

Soll der Lehrplan 21 vors Volk gebracht werden?

In der Rubrik Pro und Kontra nehmen jede Woche zwei Politiker aus der Region Stellung zu einem Thema. In dieser Woche zum Lehrplan 21.

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Die Kantonsrätinnen Anita Borer (SVP, links) und Monika Wicki (SP, rechts) nehmen zur möglichen Abstimmung zum Lehrplan 21 Stellung. (zvg)

Pro von Anita Borer (SVP, Uster)

Mit der Initiative «Lehrplan vors Volk» fordert ein überparteiliches Komitee mehr Mitsprache bei der Einführung von neuen Lehrplänen. Was heisst das konkret? Der Lehrplan unserer Volksschule wird wie bisher vom Bildungsrat ausgearbeitet. Abschliessend genehmigt aber nicht der Regierungsrat, sondern der Kantonsrat den Lehrplan. Das Volk hat mit dem fakultativen Referendum die Möglichkeit, den Beschluss des Kantonsrates anzufechten.

«Wenn die Stimmbürger mitreden, findet eine breite Diskussion über eine grundlegendes Thema der Schule statt.»

Was nützt uns diese Initiative und die verbesserte Mitsprache? Ganz einfach: Faire Chancen für alle Schülerinnen und Schüler. Wenn der Kantonsrat und in letzter Instanz die Stimmbürger mitreden und Ja oder Nein zu einem neuen Lehrplan sagen, findet eine breite Diskussion über ein grundlegendes Thema unserer Schule statt. Nicht vereinzelte, oftmals praxisfremde Theoretiker und auserwählte Vernehmlassungs-Teilnehmer entscheiden abschliessend über den Weg unserer Volksschule, sondern die Betroffenen an der Basis: Lehrkräfte, Eltern, Lehrlingsausbildner und die Gemeinden – all diejenigen, die letztlich die Auswirkungen von Schulreformen tragen müssen.

Weshalb ist der Lehrplan entscheidend? Der Lehrplan gibt die Leitplanken für die Lehrmittel und somit auch für den Schulunterricht vor. Er entscheidet also grundlegend, wie unsere Schülerinnen und Schüler für die Zukunft gewappnet sind. Eine offene Diskussion darüber gibt neue Sichtweisen und Inputs, die Allen und nicht nur Einzelnen, von einer Interessensgruppe vertretenen Schülerinnen und Schülern zu Gute kommen. Sagen Sie Ja zur Initiative und somit Ja zu fairen Chancen für alle Schülerinnen und Schüler.

Kontra von Monika Wicki (SP, Zürich)

Weil die Leute heute häufiger von einem Kanton in einen anderen umziehen, ist es wichtig, dass die Kantone ihr Schulsystem und die Bildungsziele anpassen. Darum hat das Schweizer Stimmvolk 2006 dem Bildungsartikel in der Bundesverfassung mit 86 Prozent Ja-Stimmen zugestimmt. Damit der Bund nicht in die Hoheit der Kantone eingreift, verfassten die Kantonalen Erziehungsdirektoren das Harmos Konkordat. Das Zürcher Volk stimmte dem Beitritt zum Konkordat 2008 zu.

«Eine weitere Abstimmung zum Lehrplan 21 bringt nur hohe Kosten dafür, dass man sich im Kreis dreht.»

Die Erziehungsdirektoren entschieden, für die Anpassungen den Lehrplan 21 zu erstellen. Dieser wurde 2013 in eine breite Vernehmlassung gegeben. Lehrpersonen, Wissenschaftler, Parteien, Verbände und Einzelpersonen konnten sich zum Lehrplan äussern. Die Rückmeldungen wurden in den Lehrplan eingearbeitet. Danach überarbeiteten die Kantone ihre bestehenden Lehrpläne und passten sie dem Lehrplan 21 an. Im Kanton Zürich ist dafür der Bildungsrat verantwortlich. Der Bildungsrat ist durch den Kantonsrat und dieser wiederum vom Volk gewählt.

Der durch den Bildungsrat angepasste Lehrplan wurde noch einmal in eine breite Vernehmlassung gegeben. Und nun wird der Lehrplan eingeführt. Die Initiative fordert, dass dieser neue Lehrplan noch einmal vom Kantonsrat genehmigt werden soll. Stimmt der Kantonsrat zu, so soll das Referendum ergriffen werden können damit das Volk auch noch einmal darüber abstimmen kann. Doch eine weitere Abstimmung bringt keinen Zugewinn für die Demokratie, sondern nur hohe Kosten dafür, dass man sich im Kreise dreht.

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