Redaktoren im Schreibduell

See gegen Badi

In den Sommerwochen duellieren sich Redaktorinnen und Redaktoren der Zürcher Oberland Medien AG zu Grundsatzthemen. Heute dreht sich alles ums Freiluftbaden.

von
Christian
Brütsch
Uhr

Annette Saloma fühlt sich nur im See wohl

Über Sand und Steine wate ich ins Wasser, langsam immer tiefer ins kühle Nass, bis ich nicht mehr stehen kann. Ein paar Meter weiter schwimmt eine Entenmutter mit ihren Jungen, vor mir liegen die Berge. Ich mag es ursprünglich, natürlich, bodenständig. Egal ob Fluss, Weiher oder See, natürliche Gewässer finde ich toll. 


In der Nähe eines Sees aufgewachsen, war für mich schon als Kind das Baden im See ein Highlight, Sprungturm inklusive. Bojen umrunden, auf dem Floss sünnele und einander reinschubsen, ohne festen Boden unter den Füssen – Abenteuer pur. Keine Begrenzung, ausser das andere Seeufer, keine kreischenden und herumspritzenden Plantscher, keine übermotivierten Bahnschwimmer, die einen entnervt umrunden. Wenn mir dabei ein wenig Algen um die Füsse schwadern – kein Problem, das ist die Natur. Wasservögel, Fische und anderes Gekreuch und Gefleuch nimmt sowieso Reissaus, wenn ich zu nahe komme. 

«Keine Begrenzung ausser das andere Seeufer und keine übermotivierten Bahnschwimmer.»

Baden im Bassin, das ist etwas für Weicheier. Oder für Kinder, die einen festen Boden unter den Füssen für ihre wilden Spiele brauchen und nach Ringen tauchen. Für Schwimmer, die eine klare Linie benötigen und brav Kilometer zählen. Im Pool brennt mich das Chlor in den Augen, Platz habe ich kaum. Ich sehe Haare herumschwimmen, Pflaster, Insekten, einmal sogar Fäkalien. 


Im See hats das alles auch, aber man sieht es wenigstens nicht oder die Fische haben es bereits gefressen. Das Absurdeste sind Menschen, die ans Meer verreisen und dann ihre Ferien am Hotelpool verbringen – das kann ich bei allem Verständnis nun wirklich nicht verstehen. 

 

Christian Brütsch findet Vorteile in der Badi

Hände ans Böckli. Tief einatmen und mit einem Köpfler eintauchen ins 50-Meter-Becken der Badi. 20 Längen gleich ein Kilometer. Im gemächlichen Brustschwumm plus/minus 25 Minuten. Innerhalb einer Stunde sind so zwei Kilometer abgespult. Training erledigt.


Nach dem Schwimmen kann ich mich mit sauberem Wasser abduschen. (Sollte das Wetter nicht allzu schön sein, kann eine warme Dusche genossen werden.) Mein Badetuch liegt auf einem gepflegten Stück Rasen und der Abfall wurde mehrheitlich von den Benutzen der Badi entsorgt. Ich muss keine Sorgen haben, dass mir Hausschlüssel oder Portemonnaie abhanden kommen, diese Dinge sind mit einem Depotzweifränkler im Chäschtli eingesperrt und der Schlüssel an meiner Badehose befestigt. Umziehen kann ich mich in einer Garderobe ohne um die Hüfte gewickeltem, rutschendem Badetuch und ohne hüpfendes Balancehalten, bis die Badehose doch noch im Sand liegt.

«Umziehen kann ich mich in einer Garderobe – ohne um die Hüfte gewickeltem, rutschendem Badetuch.»

Natürlich mache ich einen weiten Bogen um das Kleinkinder- und Nichtschwimmerbecken. Ersteres wegen der eventuell Urin belasteten Wasserqualität. Zweiteres wegen dem Getobe und Gespritze der Kinder – dafür ist es ja da. Nicht auslassen will ich aber die grosse Wasserrutsche. Ja, auch ein Erwachsener kann Freude am Rutschen haben. Genauso gerne hat der Erwachsene eine Glacé, fühlt er sich doch in die Kindheit zurückversetzt, als man zwischen Calippo, Winnetou und Twister entscheiden durfte.


All die Dinge kann ein See nicht bieten. Dort krieg ich bloss glitschige Algen zwischen die Zehen und stinke nach dem Bad  wie ein Fisch. Der pittoreske Blick über die Wasserfläche in die Berge kann ich auch auf einem Spaziergang geniessen.

 

 
Autor: Christian
Brütsch

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