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Reformen im Schweizer Vorsorgesystem

Im Herbst 2017 stimmt das Schweizer Stimmvolk über Reformen im Rentensystem ab. Braucht es diese Reformen wirklich? Welche Auswirkungen haben sie auf das gesamte System, und was kann man tun, um seine persönliche Situation zu verbessern? UBS-Experten im Gespräch.

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Dr. Veronica Weisser, UBS-Ökonomin und Vorsorgeexpertin, das Vorsorgesystem der Schweiz steht vor grossen Veränderungen und Herausforderungen. Können wir uns in Zukunft noch auf die klassischen Säulen der Altersvorsorge (AHV und PK) verlassen?

Das einzig Sichere in der Altersvorsorge ist, dass die Renten nicht sicher sind. Heutige Rentner sind in der Altersvorsorge privilegiert. Wenn heute Erwerbstätige erwarten, dass die Altersvorsorgesysteme ihnen denselben Lebensstandard sichern werden, wie es Rentner heute geniessen, so werden sie eine böse Überraschung erleben. Die von UBS in Zusammenarbeit mit gfs-Zürich im Sommer 2016 publizierten Umfrageergebnisse zeigen, dass die Schweizer und Schweizerinnen völlig unrealistische Vorstellungen bezüglich ihrer Altersvorsorge haben. So erwarten 63% der Befragten, dass sie mehr als 70% ihres letzten Lohnes aus Renteneinkommen erhalten werden. Ein Drittel erwartet gar 90% oder mehr. Realistisch sind in Zukunft für eine Person mit Medianeinkommen 50% bis 60%, für jüngere Generationen auch weniger.

Was ist die Konsequenz für den Vorsorgenehmer?

Jeder Erwerbstätige muss entscheiden, ob er einen tieferen Lebensstandard im Rentenalter hinnimmt, oder ob er privat für das Alter sparen will. Eine selbstverantwortliche Entscheidung ist gefragt.

Was bedeutet das aktuelle negative Zinsumfeld für unsere Vorsorgewerke respektive für unsere Renten?

Die tiefen Zinsen betreffen vor allem die zweite Säule, in dem das Vorsorgekapital an den Finanzmärkten angelegt wird. Da die Renditen auf sichere Anlagen wie Obligationen im negativen Bereich oder im besten Fall bei null sind, müssten eigentlich die Umwandlungssätze der Pensionskassen schon lange viel tiefer liegen, denn das geringer verzinste Kapital kann über die Rentenbezugszeit nur eine tiefere Rente finanzieren. Doch weil die bestehenden Renten nicht reduziert werden können und die Umwandlungssätze nur sehr zögerlich herabgesetzt wurden, müssen nun jährlich Milliardenbeträge von den Erwerbstätigen zu den Rentnern umverteilt werden. Das bedeutet, dass insbesondere die jungen Erwerbstätigen nochmals deutlich tiefere Renten in der zweiten Säule haben werden, weil sie nie das Kapital, das ihnen eigentlich zustand, in der zweiten Säule für sich sparen können werden.

Bundesrat, Ständerat und Nationalrat haben Reformentwürfe für die AHV erarbeitet. Reichen diese Massnahmen, um die AHV-Finanzierungslücke zu schliessen?

Die Reformentwürfe sind ein Schritt in Richtung einer solideren Finanzierung der AHV. Dennoch kann keiner der Reformentwürfe mehr als die Hälfte der langfristigen Finanzierungslücke der AHV füllen. Um die Lücke ganz zu schliessen, müsste eine viel schmerzhaftere Reform umgesetzt werden. Beispielsweise müsste das Rentenalter sofort deutlich angehoben und die AHV-Renten müssten gekürzt oder zumindest ihr Wachstum gedämpft werden. Dafür gibt es derzeit in der Politik keinen Appetit. Überhaupt tun sich die meisten Politiker sehr schwer damit, diese unangenehmen Fakten dem Volk zu vermitteln – beliebt macht man sich dadurch nicht. Verschweigen oder gar negieren ist der einfachere, aber langfristig verheerende Weg, den bisher viele Politiker gewählt haben.

Müssen wir angesichts der ungedeckten Leistungsverpflichtungen in den Pensionskassen mit weiteren Reduktionen der Umwandlungssätze rechnen?

Selbstverständlich. Ein mathematisch und ökonomisch korrekt gerechneter Umwandlungssatz wäre heute nur noch zwischen 3,5% und 4,5%.

Was bedeutet dies für die zukünftigen Rentner?

Pensionskassen werden in Zukunft einen höheren Umwandlungssatz nur noch für Personen bieten können, die länger erwerbstätig bleiben, da die Rente dann weniger lang ausbezahlt werden muss. Ich denke, dass sich in 15 bis 20 Jahren viel mehr Personen entscheiden werden, länger erwerbstätig zu bleiben, weil sie gesund sind und ein zu starkes Absinken ihres Lebensstandards verhindern wollen.

Welche Generationen werden im Rahmen von möglichen Reformen der Vorsorgewerke am meisten zur Kasse gebeten?

Die derzeitigen Reformvorschläge gehen alle in dieselbe Richtung – man verschiebt die Lasten der Reform in die Zukunft, auf die jungen und zukünftigen Generationen. Dies ist höchst ungerecht, da gerade diese Generationen keine Schuld am Babyboom der Nachkriegsjahre und am anschliessenden deutlichen Rückgang der Geburtenrate haben. Doch politisch fehlt eben der Mut zu einer Reform, bei der der Schmerz von den verantwortlichen Generationen, d. h. den Babyboomern und den Rentnern, getragen wird. Es fehlt die Überzeugung, dass eine gegenüber den jungen und zukünftigen Generationen faire Reform vor dem heutigen Stimmvolk bestehen könnte.

Konstantin Wyser, als Vorsorgeexperte beraten Sie täglich Menschen und sehen die verschiedensten Ansätze in der Vorsorgeplanung. Gibt es den richtigen Zeitpunkt, um mit der Vorsorgeplanung zu beginnen?

Grundsätzlich früh genug! Es macht sicherlich Sinn, sich bereits vor dem 50. Altersjahr mit dem Thema Vorsorge zu beschäftigen, denn je früher die richtigen Schritte eingeleitet werden, desto stärker profitiert jeder Einzelne davon.

Wenn von Vorsorgeplanung die Rede ist, wird meist das private Sparen erwähnt. Gibt es noch weitere Aspekte, die man beachten sollte? Welche Massnahmen erachten Sie im Rahmen der persönlichen Vorsorge als wichtig und sinnvoll?

Das private Sparen ist sicherlich etwas vom Wichtigsten. Zusätzlich soll aber zum Beispiel bei einem Stellenwechsel ebenso die Ausgestaltung der Pensionskasse detailliert betrachtet werden. Ebenfalls macht es Sinn, eine gewisse persönliche Lebensplanung zu haben.

Wie geht man seine Planung am besten an? Was ist der erste Schritt?

Zuerst sollen die verschiedenen Vermögens- und Vorsorgeauszüge zusammengestellt werden, damit eine Übersicht über die Vermögenssituation entsteht. Ein guter Zeitpunkt dafür ist sicherlich die Steuererklärung. Aber Vorsicht: Die Vorsorgegelder aus der eigenen Pensionskasse und der gebundenen 3. Säule finden sich nicht in der Steuererklärung aufgeführt. Hier wird in der Regel zu Beginn des Jahres ein aktueller Auszug verschickt.

Gibt es Ereignisse im Leben, bei denen die bisherige Vorsorgeplanung angepasst werden sollte?

Ja natürlich, die gibt es. Im Grunde jedes Ereignis, welches grössere finanzielle Auswirkungen hat: Eheschliessung oder -scheidung, Todesfall, Invalidität, Auswanderungsszenarien, Jobwechsel usw.

Was versteht man unter einer Vorsorgelücke?

Die Vorsorgelücke ist im Privaten jener Betrag des Vermögens, welcher das fehlende Einkommen zur Deckung der Lebenshaltungskosten finanzieren soll.

Geben Sie uns doch bitte einen kurzen Ausblick zu Ihren Referaten am 20. März 2017 im Rahmen des UBS-Vorsorge-Anlasses im Stadthofsaal in Uster.

Veronica Weisser gibt einen Überblick über die momentane Lage und den Reformvorschlag «Altersvorsorge 2020». Wer trägt die Sanierungslast der Reform? Was bedeutet der Reformvorschlag für Sie? Konstantin Wyser wird im Anschluss an das Referat von Veronica Weisser die Auswirkungenauf den Vorsorgenehmer im Detail beleuchten. Dabei werden mögliche Stolpersteine aufgezeigt und die verschiedenen Wege angesprochen, diese zu überwinden.

 

VORSORGE-ANLASS: «Altersvorsorge – kennen Sie Ihre Möglichkeiten?»

Hintergrundinformationen und Praxiswissen zum Thema Vorsorge

Ort und Zeit:

Montag, 20. März 2017, 18.30 Uhr im Stadthofsaal, Theaterstrasse 1, 8610 Uster

Referenten:

Dr. Veronica Weisser, UBS-Ökonomin und Vorsorgeexpertin

Konstantin Wyser, Leiter Vorsorgeberatung UBS Schweiz

Gastgeber:

Bénédict Rohner und Patrick Michelberger

Anmeldung:

Telefon 044 944 91 30 oder per E-Mail an andrea.rueegg@ubs.com

Veranstaltung der UBS Switzerland AG in Zusammenarbeit mit der Zürcher Oberland Medien AG

 

DR. VERONICA WEISSER, Ökonomin und Vorsorgeexpertin, UBS Switzerland AG

Dr. Veronica Weisser studierte Ökonomie, Mathematik und Internationales Management und stiess 2006 zum Research von UBS, wo sie zunächst in New York und anschliessend in Zürich verschiedene Analysetätigkeiten ausübte. Heute leitet Veronica Weisser im Chief Investment Office von UBS die Schweizer makroökonomische und Sektorenanalyse und hat sich als Spezialistin für die Schweizer Altersvorsorge etabliert. Sie hält regelmässig im In- und Ausland Vorträge zur Weltwirtschaft und zu den Finanzmärkten sowie zur Schweizer Makroökonomie und dem Vorsorgesystem.

KONSTANTIN WYSER, Leiter Vorsorgeberatung UBS Switzerland AG

Konstantin Wyser arbeitet bereits seit rund 15 Jahren im Bereich Vorsorge-/Vermögensberatung und stiess 2015 als Leiter Vorsorgeberatung zur UBS Schweiz. Heute referiert Konstantin Wyser regelmässig zu verschiedenen Themen im Bereich der Vorsorge und berät nach wie vor tagtäglich Kunden zu den verschiedensten, komplexen Fragestellungen in diesen Bereichen.

 

 

 

 

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