Klartext zum Höhlendrama

Missbrauchtes Mitgefühl

Das Höhlendrama in Thailand ruft Personen auf den Plan, die damit nichts zu tun haben. Doch die mediale Aufmerksamkeit nützt ihnen. Zumindest auf den ersten Blick.

von
David
Kilchoer
Uhr

Redaktor David Kilchör ärgert sich über Trittbrettfahrer die das Höhlendrama in Thailand für ihre eigenen Zwecke missbruachen.

Ich mag Elon Musk nicht. Wenngleich er ein Genie sein dürfte und vielleicht mit seinen Erfindungen und seinem gigantischen Budget die Welt ein bisschen verbessert, so ist mir sein Auftreten doch deutlich zu grossspurig. Und nun hat ihn auch noch das Mitleid gepackt.

Er glaubt, er müsse sich in die Rettung der Fussballjungs aus Thailand einschalten und bringt ein Mini-U-Boot zu deren Höhle, was seine «Fans» auf den sozialen Medienkanälen live mitverfolgen können. Gutes tun und darüber twittern, so das Motto.

 

 

Auch Gianni Infantino ist mir unsympathisch. Er präsidiert einen unter Korruptionsgeneralverdacht stehenden Weltverband, der gerade seinem Goldesel, der Fussballweltmeisterschaft, frönt und verbringt seine Zeit mit zweifelhaften Staatsoberhäuptern.

Nun kommen diese Fussballjungs aus Thailand mit ihrem Höhlendrama und klauen der WM die Schlagzeilen. Infantino ist besonders kreativ. Statt sich zu beklagen, klinkt er seinen Verband und sein Turnier in die Berichterstattung ums Drama ein, indem er die knapp dem Tod entronnenen Jungs kurzerhand ans Finale in Moskau einlädt.

Dass die Knaben da aufgrund ihres Zustands nicht hinfliegen können und wohl auch nicht wollen, liegt auf der Hand. Aber Hauptsache, die Fussball-WM findet Niederschlag in der Berichterstattung ums Thai-Drama.

Was auf den ersten Blick grossherzig wirkt, sowohl von Musk als auch von Infantino, ist kalkulierte Inszenierung des eigenen Portfolios auf dem Buckel der Schwachen. Diese tragen keinen Schaden davon, die beiden genannten Herren aber einen Nutzen: Applaus für ihr Mitleid.

Das ist zutiefst störend. Denn Mitgefühl benötigt keine Bühne, keinen Beifall. Wenn doch, handelt es sich vermutlich um etwas anderes. Selbstherrlichkeit etwa. Oder Arroganz.

Autor: David
Kilchoer

Kommentare

Ach ja, Sympathie versus Antipathie.
R. Federer, Vermögen zirka 500 Millionen. Nike Mitarbeiter verdienen unter noch immer prekären Arbeitsbedingungen nicht genug, um würdevoll leben zu können. Wer verdient das Geld, dass sie nicht bekommen?
R. Federer Stiftung, nicht etwa für Kinder von Nike Mitarbeiter, nein, sondern für Kinder in Afrika. Wenigstens haben es die ein bisschen besser und für Federer bedeutet es Prestige und Steuern sparen. Ach ja, Federer hat sich von Nike getrennt, sie zahlen nicht mehr genug.
Zur Schlussfrage, wen interessiert es?
S. Marchi

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