Der Roadster schlechthin

Mazda MX-5 – ein Wagen zum Verlieben

Er ist der meistverkaufte Roadster weltweit und hat einen Kultstatus: der Mazda MX-5. In vierter Generation ist das Design dynamischer geworden und vom Gewicht her hat er abgespeckt. Einmal gefahren, möchte man nicht mehr aussteigen.

von
Gerold
Schmid
Uhr

Der neue Mazda MX-5 erinnert  mich vom Typ her an den legendären Triumph Spitfire aus den 80er Jahren: ein kleiner und äusserst eleganter Roadster. Jetzt, in vierter Generation, hat der MX-5 abgespeckt, ist nur noch 1090 Kilogramm schwer, liegt ein wenig höher, hat geschwungene Linien und gelungene Proportionen. Fast möchte ich diese Linien nicht nur mit den Augen aufnehmen, sondern auch mit den Händen ertasten. Kurzum: der Wagen ist sexy.

Bequemes Sitzen

Der gefahrene MX-5 hat zwei Recarositze mit eingebauten Stereolautsprechern in den Kopfstützen. Die Sitzposition ist optimal, Platz gibt es genug, auch wenn das Lenkrad nur in der Höhe und nicht in der Tiefe verstellbar ist. Die Oberschenkel liegen bequem auf der vorne in der Höhe verstellbaren Sitzfläche auf. Der Oberkörper wird straff vom Recarositz umfasst. Vor mir eine nicht enden wollende Frontpartie mit markanten, leicht überhöhten Kotflügeln. Der MX-5 hat eben den Zweiliter-Vierzylinder-Benziner längs angeordnet, wie es sich für einen Sportwagen gehört. In der gefahrenen Ausführung Revolution mit Sportpack ist unter der Haube zudem eine Domstrebe eingebaut.
Ein Handschuhfach auf der Beifahrerseite sucht man vergebens. Dieses ist hinter der Mittelkonsole angebracht. Zudem gibt es auf der Fahrer- und Beifahrerseite ein Fach hinter den Sitzen. Insgesamt etwas knapp bemessen, aber ich fahre ja einen Roadster und kein SUV.

Knackiges, präzises Getriebe

Gestartet wird per Knopfdruck. Das Getriebe ist knackig, präzise mit kurzen Schaltwegen und die Gänge lassen sich geschmeidig einlegen. Der Unterarm liegt gut auf der Mittelkonsole auf. Den kurzen Ganghebel kann ich aus dem Handgelenk bewegen.
Obwohl «nur» 160 PS zur Verfügung stehen, die Leistung ist mehr als ausreichend für den Wagen. Die Fahrt startet überaus flott und an diesem schönen Herbsttag mit offenem Verdeck. Die Luftverwirbelung im Innenraum ist bescheiden. Lose Papiere auf dem Beifahrersitz bleiben liegen.

Verdeck leicht bedienbar

Das Verdeck übrigens lässt sich leicht öffnen. Zuerst eine Taste über dem Rückspiegel drücken, dann den Öffnungshebel nach unten ziehen und das Verdeck mit dem rechten Arm nach hinten drücken. Zum Schluss braucht es etwas Schwung, damit es einrastet.
Zum Schliessen die zentrale Verriegelung hinter dem Windschott öffnen, das Verdeck springt leicht hervor, dann mit dem rechten Arm nach vorne ziehen, den Verschlusshaken einrasten und mit dem Öffnungshebel das Verdeck sichern. Eine Sache von wenigen Sekunden. Gelingt mir mehrmals, angeschnallt auf dem Fahrersitz, mit nur dem rechten Arm.

Er will einfach nicht ausbrechen

Da der MX-5 traditionellerweise über einen Heckantrieb verfügt, will ich ausreizen, ob ich den Wagen zum Ausbrechen bringe. Was ist dafür geeigneter, als eine Passfahrt. Der nächstgelegene Pass ist die Hulftegg. Sportlich, mit Zwischengas beim Herunterschalten, nehme ich die erste Kurve. Dann, ausgangs Kurve, Pedal voll gedrückt. Ein kleiner, kaum spürbarer Ruck hinten und der MX-5 schiesst spurstabil aus der Kurve. Trotz mehrmaliger Versuche gelingt es mir nicht, den Wagen zu übersteuern. Die Lenkung ist hochpräzise. Dies auch deshalb, weil der Antrieb über die Hinterachse läuft. Die Kurven nimmt er ohne Neigung, ein wahrer Kurvenflitzer.
Je länger die Fahrt, desto mehr habe ich den Eindruck, mit dem Fahrzeug zu verschmelzen. Von aussen tönt Kuhglockengebimmel, sogar das Zwitschern der Vögel höre ich, als ich durch einen Wald fahre und wenn ich die Stereoanlage, übrigens eine Bose, aufdrehe, tönt aus den Kopfstützen fetziger Sound. Dazu weht der Fahrwind leicht über meinen Kopf.
Die Fahrt wird zum Multimedia-Erlebnis der besonderen Art mit einem meditativen Touch. Mit Worten nur schwer zu beschreiben.
Trotz den vorhandenen Assistenzsystemen wie etwa Tempomat, Limiter und Spurhalte­assistent und einem modernen Multimediasystem ist der MX-5 puristisch gehalten.

Optional mit Heckgepäckträger

Das Kofferraumvolumen beträgt bescheidene 130 Liter. Das reicht für zwei Einkaufstaschen, da der Kofferraum in die Tiefe gebaut ist. Wer auf Reisen geht, kann sich als Zubehör einen klassischen Heckgepäckträger aus Carbon anschaffen, für den Mazda gleich noch den passenden Koffer und Befestigungsgurte anbietet.
Laut Werksangaben beträgt der durchschnittliche Verbrauch bei 6,6 l/100 km. Am Ende der Fahrt kam ich mit sportlicher Fahrweise auf 7,2 l/100 km, ein sehr gutes Resultat.


Fazit: Der Mazda MX-5 ist ein aussergewöhnliches Fahrzeug, das seinesgleichen sucht. Ein Roadster mit moderner Technik. Er ist agil, man verschmilzt mit diesem Fahrzeug und mit der Fahrbahn, einfach unbeschreiblich. Das alles zu einem Hammerpreis. Den MX-5 erhält man bereits ab 23'900 Franken, das gefahrene Modell Revolution mit Sonderausstattung kommt auf 36'900 Franken. Selten brachte ich am Ende einer Testfahrt einen Wagen so ungern zurück.

Technische Daten
Gefahrenes Modell Mazda MX-5 Revolution mit Sonder­aus­stattung «Sport Pack».

■ 4-Zylinder 2-Liter Benzinmotor Skyactiv-G 160 MT
■ Leistung 160 PS/118 kW
■ Manuelles 6-Gang-Getriebe
■ Normverbrauch 6,6 l/100 km
■ CO2-Emissionen 154 g/km
■ Abgasnorm Euro 6
■ Basispreis ab 23 900 Franken

 

Autor: Gerold
Schmid

Verlags- und Autojournalist

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