Ford Mustang GT Convertible

Ford Mustang – Wildpferd auf vier Rädern

Seit 1964 ziert das Silberpferd den Kühlergrill des Ford Mustangs. Nun kommt er, in 6. Version, auch auf den europäischen Markt und kann regulär beim Händler bestellt werden. Power auf Rädern ist die Ikone ge­fahren – und ­total begeistert.

von
Gerold
Schmid
Uhr

Mit Pferdesport ist das bei mir so eine Sache. Ich werde da nicht recht warm. Ganz anders beim Mustang von Ford. Als Mustangs werden wild lebende Pferde in Nordamerika bezeichnet. Genau­so wild gebärdet sich der gleichnamige Wagen von Ford. Gefahren wird der GT, mit einem 5-Liter-V8-Motor und 422 PS, wie es sich gehört. Der Mustang ist auch mit einem 2,3-Liter-Ecoboost-Motor auf dem Markt. Aber eben, zum «echten» Mustang gehört ein V8. Der in Gelb lackierte Flitzer ist ein «Convertible», ein Cabrio.

Sound lässt Herz höherschlagen

Mit einem Druck auf den Startknopf beginnt der Motor seinen dumpfen, grollenden Sound. Das Herz schlägt höher. Ein Druck aufs Gaspedal verwandelt diesen Sound in eine heutzutage kaum noch gehörte Melodie. Tief sitzt man im Cockpit, gut ­gehalten von den Wangen des Fahrersitzes, die lange, mit zwei markanten Sicken versehene Motorhaube vor Augen. Rechts, fast auf Schulterhöhe, die massive Mittelkonsole mit einem kurzen, griffigen Schaltknauf. Es geht los – und fast daneben. Beim Rechtsabbiegen beschleunige ich wohl etwas zu viel, die Hinterachse schiebt über die Vorderachse, der Wagen kommt quer. Nur mit viel Fingerspitzengefühl bringe ich ihn wieder auf die Spur. Den Grund entdecke ich etwas später: Das ESP war ausgeschaltet...

Knackiges Getriebe

Das manuelle Sechsganggetriebe mit dem erwähnten kurzen Schaltknauf und ebenso kurzem Schaltweg ist hörbar knackig zu schalten. Inzwischen hat das Wetter aufgeklart und die Sonne scheint. Zeit, das Faltdach zu öffnen. Mit dem Drehbügel entriegeln und den Öffnungsschalter drücken. Doch das funktioniert nur, solange der Schalter gedrückt bleibt. Beim Loslassen bleibt das Verdeck «stehen». Wir empfinden das als kleines Manko, das aber nach kurzer Fahrzeit im offenen Wagen in den Hintergrund tritt.

Agil und spurtreu

Jetzt geht es Richtung Hulftegg. Eine Passstrecke mit teils engen Kurven. Der V8 zieht mächtig bergwärts, sogar im fünften Gang. Vor der Kurve vom Gas, herunterschalten, ausgangs Kurve auf den Stempel gedrückt. Mit Grollen entfaltet der Motor seine Kraft und stösst den Wagen spurtreu mit 80 km/h «Ground Speed» aus der Kurve. Richtig gelesen. Auf dem Tacho prangt in weisser Schrift gut lesbar: Ground Speed. Vorne verfügt der Wagen über eine Hochleistungsbremsanlage mit 6 Kolben. Enorm, was abgeht, steigt man vor einer Kurve mal kräftig in die Eisen...

Starrachse ade

Es braucht Konzentration dieses «wunderschöne horizontale Geschoss» (Chefdesigner Joel Piaskowski) zu fahren; denn die Lenkung spricht unmittelbar und direkt an, erweist sich als agil und die über 500 Nm Drehmoment jagen den Wagen in se­kundenschnelle auf schwindelerregende Tempi. Am Bordcomputer kann das Lenkgefühl, also das Ansprechverhalten des Lenkservos, eingestellt werden: Normal, Sport und Komfort. Keine Frage, Sport gefällt am besten. Die Fahrwerkdämpfung ist hart und gefällt. Als Fahrer fühle ich mich mit dem ­Boden verbunden. Die Starrachse, ein Relikt aus den Anfängen des Automobils, wurde ersetzt durch eine Einzelhinterradaufhängung. Dem Fahrgefühl tut dies keinen Abbruch, im Gegenteil.

Auf Wunsch Burn-out

Dass Ford den Mustang auch als Rennwagen konzipiert hat, zeigt sich zum Beispiel daran, dass ein extra Fahrmodus für Rennstrecken gewählt werden kann. Wer einen Burn-out hinlegen möchte, kann im Bordcomputer die Vorderachse blockieren. Dann voll aufs Gas und Kupplung loslassen. Was dann folgt, soll an den Start eines Dragsters erinnern. Doch den Reifen zuliebe, unterlasse ich dieses Experiment. Wie das gehen könnte, erfahre ich bei mehreren Kavalierstarts.

Fazit: Der Ford Mustang GT V8 begeistert. Ein Wagen für die Massen ist der Mustang GT mit V8 bestimmt nicht, sondern eher ein Liebhaberfahrzeug. Das Design ist gelungenes Retrodesign mit einigen Elementen des Urmodells von 1964. Ergänzt mit modernen Helferlein rund um die Kommunikation. Vieles ist schon in der Basisversion vorhanden, sodass teure Zusatzoptionen weitgehend entfallen. Und jetzt, das Beste zum Schluss: Der Preis ist der Hammer. Den GT Fastback mit manuellem Schaltgetriebe gibt es schon ab 49 900 Franken, den Convertible ab 53 900 Franken. Ein Hoch auf die Wildpferde mit vier Rädern!

Technische Daten

Gefahrenes Modell Ford Mustang GT Convertible mit Sonderausstattung

Motor/Getriebe

5-Liter-V8-Benzinmotor

Leistung 422 PS/310 kW

Drehmoment max. 524 Nm

Manuelles 6-Gang-Getriebe

Normverbrauch/Emissionen

Kombiniert 13,6 l/100 km

CO2-Emissionen 306 g/km

Autor: Gerold
Schmid

Leiter Content Marketing

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