Zu unreif

Fahrlehrer gegen Lernfahrausweis für 17-Jährige

Der Bundesrat plant, den Lernfahrerausweis auch schon an 17-Jährige abzugeben. Fachleute raten davon ab, das Mindestalter herabzusetzen.

Uhr

Kurven künftig schon 17-Jährige mit dem L auf dem Heck auf den Strassen herum? (Symbolbild: Keystone)

Der Schweizerische Fahrlehrer Verband (SFV) will nichts davon wissen, Lernfahrausweise bereits an 17-Jährige abzugeben. Der Reifegrad der Jugendlichen spreche dafür, beim heutigen Mindestalter 18 zu bleiben.

Ein Grobkonzept des Verbands habe 2009 den Anstoss gegeben für die Überarbeitung der Fahrausbildung, schrieb der SFV am Freitag. Seine Experten hätten von Anfang an an der Vorlage mitgearbeitet. Obwohl er die Pläne des Bundesrats grundsätzlich unterstützt, fordert der Verband nun Nachbesserungen an der Vernehmlassungsvorlage.

Gegen Kürzung bei Weiterbildung

Opposition melden Fahrlehrerinnen und -lehrer nicht nur zu den 17-jährigen Lernfahrern an, sondern auch zur Streichung von einem der beiden zurzeit obligatorischen Weiterbildungstage für Neulenker. Der zweite Tag könne mit den beiden obligatorischen Fahrstunden vor der Prüfung nicht kompensiert werden, argumentieren sie.

Der Fahrlehrer Verband hält ein eigenes Konzept für die Ausbildungszeit bis zur praktischen Fahrprüfung bereit und behält sich vor, es erneut einzubringen. Es sieht 16 obligatorische Lektionen in einer Fahrschule vor, bevor die Fahrschüler mit der Begleitung von Laien ans Steuer und auf die Strasse dürfen.

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) erwartet nicht, dass es wegen der 17-jährigen Lernfahrer zu nennenswert mehr Unfällen kommt. Zu bedenken gibt sie aber, dass wegen der vorgezogenen Ausbildung rund 40'000 junge Autofahrerinnen und Autofahrer «ein halbes Jahr früher auf die Strasse kommen» könnten.

Ungefähr 100 Fahrstunden

Die bfu hat für das Ausbildungsjahr klare Vorstellungen: Die Lehrfahrerinnen und -fahrer sollten vor der Prüfung mit einem Fahrlehrer oder Laien mindestens 3000 Kilometer fahren. Das entspreche ungefähr 100 Fahrstunden.

Problematisch ist für die bfu das zur Diskussion gestellte Alter 16 für das Fahren mit Motorrädern bis zu 125 ccm. Gleichzeitig begrüsst es die bfu, dass jede Motorradkategorie nur nach einer Prüfung gefahren werden darf, und dass Autofahrer die Fahrerlaubnis für diese Motorräder nicht mehr automatisch erhalten sollen.

Der Touring Club Schweiz, der mehrere Anlagen für Weiterbildungskurse betreibt, wolle sich später zu den Plänen äussern, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Am Freitag konnte der TCS noch keine Stellungnahme abgeben.

Räte geteilter Meinung

Über die obligatorischen Neulenkerkurse waren die eidgenössischen Räte geteilter Meinung: Der Nationalrat unterstützte im September 2013 eine Motion von Christian Wasserfallen (FDP/BE), welche die Weiterbildungskurse streichen wollte. Beibehalten werden sollten sie nur für Neulenker, die schwere Verkehrsregelverletzungen begangen haben.

Der Ständerat lehnte die Motion dann aber im März 2014 ab. Seine Verkehrskommission hatte beantragt, vor einem Entscheid die nun vom Bundesamt für Strassen (ASTRA) präsentierten Vorschläge für Anpassungen an der Fahrausbildung abzuwarten. (sda)

Kommentare

Neuen Kommentar schreiben

Kommentare können nur von registrierten Benutzern erfasst werden. Gehe zur Registrierung.