Erster Blick auf den neuen Opel Ampera-e

Auf Einladung von Opel Suisse konnte züriost.ch einen ersten Blick auf den neuen Opel Ampera-e werfen. Ein Elektrofahrzeug mit einer rein elektrischen Reichweite von mehr als 500 Kilometern.

von
Gerold
Schmid
Uhr

Ein Rückblick zu Beginn. Um 1900 waren in den USA 40 Prozent aller Fahrzeuge mit einem Elektro­antrieb ausgerüstet, 38 Prozent mit Dampfantrieb und lediglich 22 Prozent mit einem Benzinmotor. Heute macht der Anteil an rein elektrisch betriebenen Fahrzeugen in der Schweiz gerade noch 1 Prozent aus.

Mehr Reichweite verlangt

Der Siegeszug der mechanischen Mobilität verlangte immer grössere Reichweiten mit möglichst wenigen «Boxenstopps». Dass da Elektrofahrzeuge, die zwar um 1900 eine Reichweite von bis zu 100 Kilometern hatten, nicht mehr mitkamen, liegt auf der Hand. Und die Ladezeit der da­maligen Blei-Akkumulatoren war sehr lang.

60-kWh-Batterie

In den letzten Jahren, gewiss auch unter Druck der politischen Ziele zur CO2-Reduktion, erlebt das Elektroauto eine Renaissan­­ce. Zuerst in Form von Hybridfahrzeugen, jetzt mehr und mehr wieder in Form von rein elektrisch betriebenen Fahrzeugen.
Und genau hier setzt Opel mit dem neuen Ampera-e an.
Eine Besonderheit an diesem Wagen ist, dass er um die Batterie herum gebaut wurde. Das be­stätigte Dr. Ralf Hannappel, Director European Electrification von Opel, kürzlich an einer Vorstellung des Ampera-e. Die Batterie ist im Unterboden versorgt und dient gleichzeitig als Karosserieverstärkung. Sie hat eine Kapazität von 60 kWh und besteht aus 288 Lithium-Ionen-Zellen. Gemäss Opel Suisse soll auf die Batterie eine Garantie von acht Jahren oder 160'000 Kilometern gewährt werden.
Ein weiterer Vorteil dieser so gebauten Batterie zeigt sich, wenn die Hecktüre geöffnet wird. Es kommt ein überaus grosszügiger, tiefer Laderaum mit 381 Litern Inhalt zum Vorschein.
Angetrieben wird der Ampera-e mit einem 204 PS starken Elektromotor, mit einem maximalen Drehmoment von 360 Nm, der das Fahrzeug in 3,2 Sekunden von 0 auf 50 km/h beschleunigt.

Ohne futuristische Zusätze

Das Interieur wirkt hochwertig verarbeitet, ohne futuristische Zusätze. Unterhalb des hochauflösenden Touchscreens in der Mittelkonsole finden sich sogar noch Knöpfe. Besondere Erwähnung verdient das, weil Hannappel darauf hinwies, dass Studien im Vorfeld ergeben hätten, dass Knöpfe sich nach wie vor grosser Beliebtheit erfreuen. Der Touchscreen übrigens scheint so beschaffen, dass sich keine schmierigen Fingerabdrücke darauf festsetzen.
Und um Gewicht zu sparen, verwendet Opel beim Ampera-e auch Bauteile aus Aluminium. Dass sich die Entwickler für ein Elektrofahrzeug entschieden haben, das nicht «wie ein Raumschiff auf Rädern» (Hannappel) daherkommt, ist ihnen hoch anzurechnen. Offensichtlich grossen Wert legt Opel beim Am­pera-e auf Massen- und Alltagstauglichkeit.

London–Paris mit einer Ladung

Gemäss Neuem Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) hat der Ampera-e eine Reichweite von mehr als 500 Kilometern. Damit hängt er die Konkurrenz (ausser Tesla) deutlich ab. An einer 50-kW-Gleichstrom-Schnellladestation können in 30 Minuten bis zu 150 Kilometer Reichweite geladen werden.
Ralf Hannappel berichtet von einem praxisnahen Test unter realen Bedingungen von London nach Paris. Resultat: Das Ziel wurde mit nur einer Batterie­ladung erreicht, und die Batterie hatte noch Kapazität zur Weiterfahrt.

Produktion in den USA

Produziert werden wird der Ampera-e in den USA, wo auch der beinahe baugleiche Chevrolet Bolt produziert wird. Die beiden unterscheiden sich laut Hannappel optisch sowohl innen wie aussen, und die Sicherheits­aspekte seien beim Ampera-e auf Europa angepasst worden.
Zum Preis herrscht noch Stillschweigen. Die Markteinführung in der Schweiz dürfte im 2017 erfolgen.

Erster Eindruck vom ersten Blick: Mit dem Opel Ampera-e könnte das erste Elektroauto für die grosse Masse auf den Markt kommen, das nicht nur die Funktion eines Zweitwagens hat, sondern vollumfänglich alltagstauglich ist. Es darf bei der Elektromobilität nicht vergessen werden: Zur Anfangszeit der «Benzinkutschen» musste das Benzin oder das Petrol teilweise in der Apotheke bezogen werden. Ein flächen­deckendes Tankstellennetz gab es erst mit dem Siegeszug des Benzinmotors. Ich bin mir sicher, dass es analog dazu bald ein flächen­deckendes Ladestationen-Netz geben wird. Ebenso ­sicher bin ich mir, dass mit dem Opel Ampera-e eine neue Dynamik in den Elektrofahrzeug-Markt kommt.

Autor: Gerold
Schmid

Leiter Content Marketing
Autojournalist

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