Kommentar

Ein zwiespältiges Vermächtnis

von
Florian
Bolli
Uhr

Florian Bolli, Sportchef des ZO/AvU, zur Absetzung von Monisha Kaltenborn als Sauber-Teamchefin. (Bild: Keystone)

Die Ära von Monisha Kaltenborn an der Hinwiler Wildbachstrasse ist vorbei (mehr dazu). Die Österreicherin mit indischen Wurzeln prägte das Team in den letzten Jahren, sie war eine Pionierin in mancherlei Hinsicht – als erste weibliche Teamchefin in der Formel 1, aber auch im Sauber-Team selber, das zuvor über Jahrzehnte von Firmenpatron Peter Sauber selber geführt worden war.

Kaltenborn hinterlässt ein zwiespältiges Vermächtnis. Ihre Ära in Hinwil war geprägt von Floskeln und leeren Versprechnungen – sie gab in der Öffentlichkeit bisweilen kein gutes Bild ab, kommunizierte intransparent oder gar nicht. Und in den letzten Jahren nahm der Ruf des einst so angesehenen Teams Schaden. Betreibungen, unbezahlte Löhne, aber auch Rechtsstreite wie jener im Frühjahr 2015, als Kaltenborn für zwei Cockpits vier Fahrer unter Vertrag nahm, hinterliessen ihre Spuren. Im persönlichen Gespräch zeigte sie sich wohl stets charmant, oft aber auch nichtssagend. Fragte man sie etwa, wo die dringend benötigten Sponsoren blieben, sagte sie stets denselben Satz: «Wir sind dran und hoffen, bald etwas bekanntgeben zu können.» Letzten Endes kam wenig bis nichts – auch sportlich. Realität und Anspruch klafften immer weiter auseinander – auch in der aktuellen Saison ist man weit vom angepeilten Mittelfeld entfernt.

Doch das ist nur die eine Seite. Die andere: Sauber existiert noch immer. Das ist zu grossen Teilen Kaltenborns Verdienst. Nach dem Rückkauf des Teams von BMW im November 2009 betonte Peter Sauber, dass ohne Kaltenborn die Lichter in Hinwil wohl ausgegangen wären. Vor elf Monaten schaffte sie es mit dem Verkauf an Longbow erneut, aus einer quasi aussichtslosen Lage das Unternehmen und damit die 350 Arbeitsplätze zu retten. Selbst die grössten Kritiker halten ihr das zugute. Denn letztlich führte sie einen eigentlich nicht zu gewinnenden Kampf gegen das für Privatteams unwirtliche Umfeld in der Formel 1. Dafür gebührt ihr Respekt.

Autor: Florian
Bolli

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