Winterthur

Schwarze Schafe lauern im Immobiliendschungel

Ralph Bauert warnt vor Gauklern und Gaunern in der Maklerbranche. Der Geschäftsführer des Hauseigentümerverbands Region Winterthur erzählt, welche Maschen diese abziehen und wie sich Hauseigentümer vor ihnen schützen können.

von
Marko
Stevic
Uhr

Durch die grossen Fenster strömt viel Licht in den Sitzungsraum des Hauseigentümerverbands (HEV) Region Winterthur. Licht ins Immobiliendunkel bringen will auch der Geschäftsführer: Ralph Bauert, der Architektur studierte und eine Weiterbildung zum Immobilientreuhänder machte, ist seit 32 Jahren in der Branche tätig. Er klärt aus seinem Erfahrungsschatz schöpfend über die Tricks unseriöser Makler auf, vor denen auch Winterthur nicht gefeit ist.

Schafe mit Federn
«Zwielichtige Makler suggerieren die Nähe zum HEV, um seriös zu wirken», so Bauert. Die schwarzen Schafe würden sich «mit fremden Federn schmücken», indem sie ihre Websites mit dem Logo des HEV versehen würden. Auch versprächen sie Mitgliedern des HEV Rabatte, um den Anschein zu erwecken, sie würden mit dem Verband zusammenarbeiten.

«Manchmal rufen uns Hauseigentümer an und fragen: ‹Schaffet Ihr zäme?› Ich weiss leider nicht, wie viele Leute nicht anrufen und den Gauklern Glauben schenken», sagt der Architekt.

Das Ziel der Makler sei es, sich Verkaufsmandate zu sichern. «Wer schon einmal ein Haus verkaufen wollte, der weiss, dass die ersten zehn bis fünfzehn Telefonanrufe von Maklern stammen, die das Haus vermitteln wollen.» Das ist laut Bauert nicht unseriös, aber für den Hauseigentümer, der selbst direkt verkaufen will, «nervend».

Fiktive Familien
Es gebe aber auch Makler, die mit unseriösen Mitteln ein Verkaufsmandat «erschleichen wollen». Eine beliebte Methode sei der angebliche Suchauftrag. Bauert veranschaulicht das Prinzip mit einem hypothetischen Beispiel: Für eine fiktive Familie werde ein schönes Einfamilienhaus in Winterthur gesucht. «Der Hauseigentümer meldet sich auf das Inserat. Der Makler sagt dann, dass es für die erfundene Familie nicht passe.» Stattdessen böte er an, selbst das Haus zu vermitteln.

Eine andere Variante sei die, dass sich der Makler direkt auf ein Liegenschaftsinserat meldet und angibt, er wolle das Haus für einen Kunden überprüfen. Bauert sagt: «Natürlich passt das Haus auch diesem erdachten Kunden nicht. Dafür bietet der Makler dem Hauseigentümer ein Verkaufsmandat an.»

In beiden Fällen erhalten die Maklermogler vom Verkäufer einen Anteil – in der Regel drei Prozent. Bauert sagt: «Ein guter Makler hat es nicht nötig zu mogeln. Sein Ruf eilt ihm voraus, seine Kunden gewinnt er durch Mund-zu-Mund-Werbung.»

«Ein guter Makler hat es nicht nötig zu mogeln.»

Ralph Bauert, Geschäftsführer des Hauseigentümerverbands Region Winterthur

Callcenter verkaufen Daten
Ein fauler Trick, mit dem Makler Aufträge generieren, wird im Internet angewendet. Im Netz werden kostenlose Immobilienbewertungen angeboten. «Nachdem der Hauseigentümer seine Daten eingegeben hat, bekommt er aber keinen Immobilienwert, sondern einen Anruf», so Bauert.

Dieser komme in der Regel aus einem ausländischen Callcenter. Der Mitarbeiter spreche Schweizerdeutsch und rufe mit einer Schweizer Telefonnummer an. Laut Bauert erkundigen sie sich über Liegenschaften und ob die Hauseigentümer an einem Verkauf interessiert seien. Die gesammelten Daten würden dann Maklern verkauft. Pro Adresse gebe es 300 Franken, für den Verkauf einer Liegenschaft erhielten die Callcenter gar ein Viertel der Provision des Maklers. Gegen die dunklen Machenschaften lasse sich rechtlich nicht vorgehen.

Bauert bringt mit einem hypothetischem Beispiel aber auch schwere und sehr dreiste Betrugsfälle näher. «Einem Hauseigentümer, der sein Haus für 1 200 000 Franken verkaufen will, werden für das Haus 1 600 000 angeboten.» Laut Bauert würde der Betrüger dann mit 200 000 Euros auftauchen und den Deal vereinbaren, aber 40 000 Franken verlangen, weil er angeblich noch ein Geschäft abzuschliessen aber keine Franken hätte. «Danach sieht man den Ganoven nie wieder und die ausgehändigten Euroscheine erweisen sich als Falschgeld.»

Seminare für erfolgreiches Mogeln
Bauert zieht Parallelen zu den Enkeltrickbetrügern: Die Opfer der Täuschungsmanöver seien vor allem ältere Menschen. «Aus Höflichkeit legen sie den Hörer nicht auf oder schmeissen die aufdringlichen Makler nicht hinaus.» Genau dazu rät Bauert. Im Zweifelsfalle könne der HEV Region Winterthur Tipps geben. Er warnt vor mündlichen Zusicherungen am Telefon, weil die Gespräche manchmal aufgenommen würden.

«Es gibt sogar offizielle Seminare, in denen solche Mogeleien Unterrichtsstoff sind.» Als Bauert vor einigen Jahren einen solchen Kurs besucht und gesagt habe, dass dies unehrenhafte Mittel seien, habe ihm der Dozent erwidert, er würde in dem Geschäft nicht weit kommen.

Seit April hat der HEV Region Winterthur auf der Homepage für Hauseigentümer die Möglichkeit lanciert, eine kostenlose Schätzung ihrer Liegenschaft einzuholen – ohne dass sich ein schwarzes Schaf der Maklerzunft ein Verkaufsmandat sichert.

Autor: Marko
Stevic

Kommentare

Als Immobilienverkäufer sind wir sehr erzürnt über die Machenschaften von Comparis auf dem Immobilienmarkt. Sie suchen sich Verkaufsangebote, die auf den Immobilienplattformen veröffentlicht wurden, online zusammen und veröffentlichen diese auf ihrer Plattform. An sich nicht weiter schlimm, aber sie bewerten diese Angebote rechnerisch mit einer Note, ohne überhaupt die Immobilie zu kennen und beurteilen zu können und vor allen ohne Auftrag des Eigentümers dieser Immobilie. Dies ist nicht mit dem Datenschutz vereinbar und zum Teil kreditschädigend. In dem Fall nämlich, wo sie die Immobilie mit einer schlechten Note versehen und sie deshalb nicht verkauft wird.

Neuen Kommentar schreiben

Kommentare können nur von registrierten Benutzern erfasst werden. Gehe zur Registrierung.