Gossauer erwacht wegen Antonow

«Ich dachte an einen Armee-Bomber»

Ein sowjetisches Transportflugzeug ist in der Nacht auf Freitag über die Region geflogen. Ein Gossauer erwachte ab dem Lärm und dachte zuerst an Krieg. Urs Holderegger vom BAZL kennt das Problem.

von
Tanja
Bircher
Uhr

Ein Bewohner aus dem Grüt ist in der Nacht auf Freitag mächtig erschrocken. «Ich erwachte ab einem höllisch lauten Lärm», sagt der Mann, der anonym bleiben möchte. Ein riesiges Flugzeug sei gegen drei Uhr morgens sehr tief über sein Haus geflogen. «Im ersten Moment dachte ich an einen Armee-Bomber aus dem Zweiten Weltkrieg.» 

Er sei sicher, der Lärm habe viele andere Gossauer und Wetziker geweckt. Er wisse, dass gewisse Maschinen eine spezielle Bewilligung erhielten, mitten in der Nacht über bewohntes Gebiet zu fliegen. «Die Rega bei einem Notfall zum Beispiel.» Der Flieger von gestern Nacht habe aber eher nach einem Frachter geklungen. «Ich frage mich, ob der eine Erlaubnis hatte», so der Mann. Er bezweifle es. 

Nachtflugverbot existiert nicht

Urs Holderegger, Sprecher des Bundesamts für Zivilluftfahrt BAZL, weiss sofort, worum es geht. «Ja, der darf das», sagt er. Beim Flugzeug handle es sich tatsächlich um einen Frachter: Eine ukrainische Antonow. Sie habe die Erlaubnis, nachts auf rund 8000 Metern Höhe von Bratislava nach Châteauroux zu fliegen.

 

Es sei aber nicht das erste Mal, dass sich jemand wegen des Lärms der Maschine melde. Der Frachter werde nicht nur im Oberland, sondern in der ganzen Schweiz wahrgenommen. «Diese Flüge finden regelmässig statt und wecken hie und da jemanden.» Die Antonow sei mit Propellern ausgestattet und fliege tiefer als ein Linienjet. «Daher hört man ihn auch besser», so Holderegger. Viele Leute seien der Meinung, in der Schweiz herrsche ein Nachtflugverbot. Dem sei aber nicht so. 

Die Antonow über Wetzikon: Auf dem Programm Flightradar 24 sieht man die Route des Frachters. (Bild: Screenshot)

Die nächtlichen Flüge der Anatows beschäftigen auch die Schweizer Politik. Die SVP-Nationalrätin Barbara Keller-Inhelder (SVP) hat erst am 15. März einen Vorstoss im Parlament eingereicht, in dem sie Antworten zu den Überflügen der Frachter verlangt. «Seit Oktober 2016 gelangen besorgte Bürger an mich als Mitglied der Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrats und fragen nach den sehr lauten, schweren Propellermaschinen, die mittlerweile regelmässig, spätabends oder mitten in der Nacht unser Land überqueren und bisweilen Häuser und Balkongeländer vibrieren lassen», schreibt Keller-Inhelder in ihrer Interpellation.

«Wurden Flüchtlinge transportiert?»

Bei Flightradar 24 liessen sich die Flugzeuge verfolgen: Es handle sich um Transportflugzeuge des Typs Antonow 12B/12BK/12BP von Cavok Air, der ukrainischen Frachtfluggesellschaft. «Die Antonows starten beispielsweise in Leipzig oder Paris und landen regelmässig in der Sahara, in Ghardaia, Algerien – oder sie verschwinden plötzlich vom Radar.» 

Laut der SVP-Nationalrätin stellt sich die Frage, was hier derart häufig aus Leipzig in die Sahara, und aus der Sahara nach Leipzig, Tanger, Marseille oder Paris transportiert wird. So will sie denn auch wissen, ob diese nächtlichen Überflüge eine Bewilligung brauchen und wie viele seit Oktober 2016 stattgefunden haben. Keller-Inhelder interessiert sich aber vor allem für den Inhalt der Fracht. Sie hat auch eine Vermutung: «Wurden Flüchtlinge beziehungsweise Asylsuchende transportiert?» Die Interpellation wurde im Rat noch nicht behandelt. 
 

Autor: Tanja
Bircher

Kommentare

Wieso wieder unnötige Zeit im Parlament vergäuden Frau Barbara Keller-Inhelder (SVP), wenn man doch einfach kurz googlen kann. Es gab schon diverse Artikel darüber, dass die Cavok Air für die deutsche Bundeswehr Material nach Ghardaia transportiert. Diese sind in dieser Region im Einsatz und haben nicht genügend eigene oder passende Maschinen.

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