Redaktorinnen im Schreibduell

CDs und LPs gegen digitale Musik

In den Sommerwochen duellieren sich Redaktorinnen und Redaktoren der Zürcher Oberland Medien AG zu Grundsatzthemen. Heute dreht sich alles um die Musik.

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Stine Wetzel will nicht auf die CD verzichten

Keine Angst: Ich laufe weder mit einem Monster-Discman in der Tasche durch die Gegend, noch sitze ich im Schneidersitz, umnebelt von Weihrauch, vor dem Schallplattenspieler. Auch ich höre MP3, wenn ich unterwegs bin, und muss nicht jeden Song vom Auftakt bis zum letzten Akkord zelebrieren. Ich habe nie verstanden, warum sich Musikliebhaber da in eine Horde Militanter verwandeln müssen: erst wegen der (Glaubens-)Frage «Vinyl oder CD?», dann wegen «CD oder MP3?». Wer hat überhaupt gesagt, dass man sich entscheiden muss?
Es gibt jene, die das warme Knistern und Knacken von Schallplatten in den Himmel loben und die CD wegen ihres cleanen Klanges verteufeln. Heute ist der Streit ein Medium weiter gewandert: CD klinge besser als MP3. Ah ja? Das soll wohl ein Witz sein.

«Ein Album ohne Cover ist wie
Knight Rider ohne Kitt.»

Ich bin aus anderen Gründen ein grosser Fan von CDs und Schallplatten. Über ein Cover kann ich schon mal in Entzücken geraten. Oder über ein Booklet. Oder über Plattenaufkleber. Klar, die Essenz ist die Musik. Aber die soll man mir nicht einfach um die Ohren hauen. Das Design ist ein Versprechen, ein verpacktes Geschenk, in dem drin ist, was drauf steht. Alice Cooper landete mit der «School’s-Out»-LP im Slip einen ordentlichen Coup. Die Sex Pistols gaben mit den Neonfarben von «Never mind the Bollocks» auf den ersten Blick den Tarif durch.
Ein Album ohne Schallplatten- oder CD-Cover samt Hülle ist wie Knight Rider ohne Kitt. Von der Albumdramaturgie ganz zu schweigen. Ich bin für selbstbestimmte Nutzung. Das MP3-Format verleitet aber regelrecht dazu, Songs auszuwählen statt Alben. Mir ist das zu kurzatmig.

 

Isabel Heusser findet Musik nur digital optimal

Uff, CDs. Eben habe ich meine Sammlung im Brockenhaus abgegeben. Und mich dabei unheimlich gut gefühlt. Sollen sie ruhig woanders vor sich hinverstauben. Hauptsache, ich habe in meiner Wohnung wieder mehr Platz. Für Dinge, die mir wirklich etwas bedeuten. CDs gehören definitiv nicht dazu. Nicht mehr.
Damit keine Missverständnisse entstehen: Ich bin ein grosser Musikfan. Aber das Zeitalter der CDs ist vorbei, und das ist gut so. Ich kaufte einst CDs, weil es kein anderes Format gab. Aber das änderte sich, als man Musik digitalisieren konnte. Alben kaufe ich seither nur noch im MP3-Format. Ein Klick, schon ist die Musik heruntergeladen. Seither speichert der Computer meine Musiksammlung. Ich habe meine Musiksammlung immer dabei: auf meinem iPhone.  Danke, technischer Fortschritt!  

«Alben kaufe ich nur noch im MP3-Format.
Ein Klick, schon ist die Musik heruntergeladen.»

Schon klar: CD-Besitzer glauben, sie seien die besseren Musikfans. Das ist ein netter nostalgischer Gedanke. Aber ob man Musik Online oder als CD kauft, macht nun wirklich keinen Unterschied. Höchstens finanziell, denn CDs sind teurer. Kein Wunder, zelebrieren CD-Liebhaber ihren Besitz gern. Doch etwas zu sammeln, bedeutet nichts anderes, als Dinge anzuhäufen, die man nicht wirklich brauchen kann. Wer braucht schon 400 CDs? Eben.
CDs zu sammeln, macht eh wenig Sinn. Ihre Lebensdauer ist begrenzt. Im Internet finden sich unzählige Foren, in denen diskutiert wird, wie sich CDs am besten halten: Da geht es ernsthaft um Themen wie Sonneneinstrahlung, Luftfeuchtigkeit und Zimmertemperatur. Oh je.
Wahre Musikliebhaber digitalisieren ihre Schätze. Mit Backup, selbstverständlich. Nicht, dass mir was verloren geht.

 

 

Kommentare

, Mi 09.08.2017 - 10:18
#1

Natürlich spielt die Audio Qualität keine Rolle wenn ich Rhianna, Shakira, Rolling Stones oder Justin Timberlake ab Cd oder ab Mp3 Player höre! Wenn ich allerdings das Flügelhorn eines Paolo Fresu, den Sound von Pink Floyd oder "Solo Piano" von Philip Glass geniessen möchte, dann verzichte ich gerne auf Cd und mp3 Player.

Klar, wenn man Musik nur als Konsumprodukt sieht, von dem man immer das Neuste hören möchte, braucht man weder CDs noch Vinyl zu kaufen ...im Prinzip nicht mal MP3. Das erledigen die Streamingdienste mit einem Steten Fluss der gewünschten Geschmacksrichtung besser. Wer auch nur mit den "Superstars" des Moments - deren Name bereits nach zwei Jahren wieder vergessen ist - aufgewachsen ist, wird daran auch kaum etwas vermissen.
Auch die Hardware Fans schätzen die Vorzüge der Digitalisierung und tragen mehr Alben auf dem Handy mit sich, als sie in physischer Form tragen könnten, oder beschallen das Heim via Sonos oder Kodi vom Medienserver.
Trotzdem: gute Musik ist mehr als nur Schall. Ein gutes Album ist vielmehr sowas wie ein Gesamtkunstwerk. Dazu gehört auch das Blättern im Booklet oder das Artwork bewusst anzusehen, während der Neuerwerb spielt.
Ein altes Album wieder hervorzunehmen hat etwas rituelles, sowie in damit verbundenen Erinnerungen zu schwelgen.
Das schafft Digital nicht

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