Unerwartete Begegnungen am Wef

Mehrere Stunden täglich ist jeder unterwegs. Diese Zeit bietet die Chance auf viele Begegnungen. Zufälligerweise auch mit lockeren Polizisten, Reichen und Mächtigen.

von
Martin
Liebrich
Uhr

Am Wef treffen sich die Mächtigen der Welt. Sportanlagen und Skipisten sind derweil weitgehend leer. (Bild: Keystone)

Das World Economic Forum in Davos ist die ideale Gelegenheit, Eishockey zu spielen. In Davos. Und zwar, weil der durchschnittliche Wef-Teilnehmer nicht Eishockey spielt. Folglich hat es auf dem Rink so wenige Leute wie sonst kaum einmal, und genau das nutzen ich und meine Freunde seit fünf Jahren während jeweils drei Tagen aus.

Vor unserer ersten Reise nach Davos habe sich sicherheitshalber abgeklärt, ob man während des Forums überhaupt ins Landwassertal kommt. Auf dem Tourismusbüro erklärte mir jemand, das sei kein Problem – Touristen müssten sich einfach ausweisen können.

Kontrolliert worden sind wir allerdings noch nie. Zugfahrer sind entweder weniger verdächtig als Autofahrer, oder dann liegt es daran, dass die wichtigsten Gäste regelmässig schon wieder abgereist sind, wenn wir jeweils anreisen.

Heuer leisteten wir uns sogar ein paar dumme Sprüche beim Umsteigen in Landquart, wo ein Polizist überwachte, wer in die RhB steigt. Er schien locker drauf und fragte, ob wir in Davos randalieren gehen. Unsere Antwort fiel aus im Sinn von «Nein, haben wir schon in Zürich». Wie schlau das in etwa war, kam uns später in den Sinn. Jedenfalls machten wir uns gefasst auf ein Grossaufgebot, das uns bei unserer Ankunft in Davos filzen würde. Falls sie uns nicht schon in Malans aus dem Zug zerren würden.

Doch nichts dergleichen passierte: Alles war ruhig.

Da wir in den folgenden Tagen nie bis zum Kongresszentrum vordrangen, sahen wir auch nur wenige Sicherheitskräfte. Auf das Wef deuteten nur die Absperrgitter hin – und gefühlt tausende schwarzer Limousinen, die permanent durch den Ort kurvten.

Und dann war da noch dieser Herr aus Mumbai, Indien, mit dem ich mich im Anschluss an einen Spaziergang auf der Talfahrt von der Schatzalp unterhielt. Er wunderte sich über die zwei Minuten Verspätung, die die Bahn hatte; das sei in der vergangenen Woche sonst nie passiert. So kamen wir ins Gespräch. Er ist offenbar ein hoher Kadermann beim weltweit grössten Hersteller dreirädriger Motorräder, war mit dem Privatjet unterwegs – alledings allein. Frau und Kinder reisten ebenfalls alleine – «in diesen unsicheren Zeiten», wie er erklärte.

Im Nachhinein wunderte ich mich, wie einfach man mit Mächtigen ins Gespräch kommen kann. Sofern einem kein Bodyguard den Weg versperrt, in diesen unsicheren Zeiten.