Scheiden mit Stil

Der Lifestyle-Blog von Züriost behandelt Themen rund um Körper, Food und Stil. Heute: Sich scheiden lassen mit erhobenem Haupt.

von
Deborah
von Wartburg
Uhr

«Auf die Scheidung» scheint Russell Crowe mit diesem Bild sagen zu wollen. (Foto: Screenshot Website Sothebys Australia)

«Auf bis dass der Tod euch scheidet.» Diesen Priesterspruch nehmen viele junge heiratende Menschen sehr ernst. Sie glauben an die ewige Liebe. Deshalb heiraten sie ja. Trotzdem werden rund die Hälfte aller Ehen früher oder später wieder geschieden. Und meistens sind Scheidungen traurige Dramen, für die sich die Beteiligten schämen. Denn Scheiden = Scheitern.

Doch ist das wirklich so? Kann scheiden nicht auch heissen, man hat begriffen, dass man nicht mehr zusammenpasst und die notwendigen Konsequenzen zieht? Ist die Scham und die Schlammschlacht wirklich nötig? Sehr stilvoll hat sich meiner Meinung nach Russel Crowe kürzlich geschieden. Der Gladiator-Darsteller trennte sich nach vielen Jahren Ehe von seiner Frau Danielle Spencer. Bei dem wohlhabenden Promi-Paar hatten sich viele Kunstwerke, Filmrequisiten und sonstige Schätze angehäuft. Um dem Streit um die gemeinsamen Besitztümer sowie Staubfängern aus dem Weg zu gehen, hat Russell Crowe diese bei dem Auktionhaus Sothebys versteigern lassen. Der Titel der Auktion: «The art of divorce» zu deutsch «Die Kunst des Scheidens».

Ein grosser Scherz zum Abschied

Die Aktion schlug Wellen. Russell Crowe, der auf dem Plakat für seine Auktion der Kamera fröhlich mit einem Drink zuprostet, trägt seine Scheidung mit Stolz statt mit Scham. Nicht dass ich seine Rüstungen oder ausgestopften Pferde unbedingt ersteigern wollen würde, aber mir gefällt die Haltung, die er dabei hat. Zur britischen Zeitung «Independent» sagte Crowe, seine Ex-Frau habe die Aktion «sehr sehr witzig» gefunden. Ist doch schön. Ein Ehepaar gönnt sich zum Abschluss einen Scherz, der ihnen erst noch eine Million Dollar einbringt.

Klar kann sich ein Durchschnittspaar so eine pompöse Abschiedsshow nicht leisten, aber einen Denkanstoss könnte man sich von der Aktion trotzdem geben lassen. Ich sehe natürlich auch ein, dass es Lebensgeschichten gibt, in denen man gar nicht mehr miteinander kann und bei denen ein friedliches Auseinander einfach nicht mehr möglich ist. Trotzdem: Sollte es mit der ewigen Liebe nicht klappen, und jemand fragt nach dem Zivilstand, muss man ja nicht mit gesenktem Blick traurig «geschieden» nuscheln, sondern kann das auch mit Selbstbewusstsein tun.

Eine Scheidung impliziert ja nicht nur, dass man eine Entscheidung revidiert, sondern, dass man einmal den Mut gehabt hat, sich für eine Person zu entscheiden, mit dieser im besten Fall eine schöne Zeit hatte und gemerkt hat, dass dies nun vorbei ist. Das ist doch kein Grund für Scham. Warum macht man als Ehepaar eigentlich kein Abschiedsfest? Wenn man einen tollen Job hat, den man kündigt, feiert man ja auch mit den Kollegen. Und wenn man nach dem Grund der Kündigung gefragt wird, nuschelt man die Antwort ja auch nicht verschüchtert vor sich hin, sondern sagt, «es war schön, aber irgendwann eben nicht mehr», oder «ich habe was Besseres gefunden».

«Scheiden Olé», statt «scheiden tut weh»

Dieselbe selbstbewusste Haltung wünsche ich mir auch bei Geschiedenen. Ich jedenfalls nehme mir fest vor, falls ich eines Tages heirate und die Ehe nicht hält, ein schönes Abschiedsfest zu veranstalten, anstatt eine Schlammschlacht.

Vielleicht sollten sich auch die Priester und Pfarrer anpassen und nicht mehr sagen: «Bis dass der Tod euch scheidet», sondern: «Bis dass der Tod oder Ihr selbst euch scheidet. Geniesst die Zeit.»

Autor: Deborah
von Wartburg