Die Mitleids-Crisis

«Leben mit Stil» ist der Lifestyle-Blog von Züriost und behandelt Themen rund um Körper, Seele und Stil. Heute: Vom Regen in die Traufe und zurück zum Sonnenschein.

von
Lea
Chiapolini
Uhr

Eine schlechte Laune ist oft Einstellungssache - besonders bei Selbstmitleid. (Bild: Lea Chiapolini)

Jeder kennt solche Tage. Die, in denen einfach der Wurm drin ist. So einen durfte auch ich vor kurzer Zeit wieder erleben. Ich ging am Abend zuvor schon mit schlechter Laune ins Bett, in der Nacht bin ich aufgewacht, auf dem Handy erwarteten mich bereits schlechte Nachrichten und ich konnte fast zwei Stunden nicht mehr einschlafen. Am Morgen wurde ich viel zu früh durch Hämmern der Nachbarn geweckt und ich wusste schnell: heute wird nix. 

Ich gebe es zu, ich bin eine der Frauen, die sich ab und zu mit einer ausgedehnten Shoppingtour zufrieden stellen. Da ich an besagtem Tag frei hatte, entschied ich mich zu diesem Schritt. Doch es wurde nur noch schlimmer, ich lief durch zig Läden und mir gefiel einfach nichts.

Nachdem ich wenigstens ein bisschen Gemüse gekauft hatte, machte ich mich mitnoch schlechterer Laune als je zuvor auf den Heimweg. An einer Stelle musste ich aber mit dem Auto so stark abbremsen, dass die Einkaufstasche auf dem Rücksitz umkippte und ihr Inhalt ausleerte. Für mich war somit klar: der Tiefpunkt ist erreicht. Doch nichts dergleichen. Als mich dann die Polizei kurz vor dem Ziel herauswinkte, da ich den Weg durch ein Fahrverbot gewählt hatte, erklärte ich meinen Tag innerlich offiziell für beendet. Ich wollte nur noch nach Hause und mich unter meiner Bettdecke vergraben. 

Da fiel mir ein Begriff ein, den wir einige Tage zuvor beim Mittagessen bei der Arbeit ins Leben riefen: «Die Mitleids-Crisis». Mit diesem Begriff hätte man meinen Zustand in diesem Moment wohl am besten beschreiben können. Schon seit Stunden war ich immer tiefer ins Selbstmitleid gerutscht.

Also machte ich gute Miene zum bösen Spiel, gab gegenüber dem Polizisten alles sofort zu, blieb freundlich und anständig. Es war, als wäre damit ein Schalter umgelegt worden. Denn nach ein wenig hin und her erliess er mir doch tatsächlich die 100 Franken Busse, die er mir zuerst angedroht hatte. Ich konnte es nicht fassen. Endlich zu Hause angekommen, stellte ich fest, dass nicht einmal die weichen Avocados, die zuvor quer durch das Auto purzelten, einen Schaden erlitten hatten. Und plötzlich musste ich über mich selber lachen. 

Autor: Lea
Chiapolini