Mit 66 Jahren, da fängt das Trendsetten an

«Leben mit Stil» ist der Lifestyle-Blog von Züriost und behandelt Themen rund um Körper, Seele und Stil. Heute: Alte Damen in jugendlichen Kleidern.

von
Deborah
von Wartburg
Uhr

Die neuen Models, Trendsetter und Instagram-Influencer sind nicht mehr 20-jährig und pfirsichhäutig. Nein, die neue Generation der It-Girls and Boys hat graues Haar und Falten.

Anscheinend hat die Beauty-Trend- und Lifestyle-Industrie die Generation 50+ entdeckt und weil Authentizität immer wichtiger wird, werden eben auch die Models älter. Da werden dann knalliger Lippenstift und schrille Outfits mit Altersflecken kombiniert. Andersrum gibts den Trend übrigens auch.

Es wimmelt mittlerweile von Instagram Stars, betagten Topmodels, die mehr und mehr auch Covers von Magazinen mit jüngerem Zielpublikum zieren. Mein persönlicher Favorit der alten Stylerinnen ist Baddie Winkle. Durch Zufall bin ich auf Instagram auf sie gestossen und musste ihr sofort folgen. Sie trägt Outfits, vor denen wohl selbst ein Hybrid aus Möchtegern-Rapper Money Boy und Lady Gaga Respekt hätte. Und das tut sie ganz selbstverständlich, ohne auch nur im Geringsten ihr doch schon sehr fortgeschrittenes Alter zu verstecken.

Hier ein Paar Bilder:

 

Natürlich kann man bezüglich Personen wie Baddie Winkle geteilter Meinung sein. ich denke was die Faszination an ihr ausmacht, ist, dass sie mit Konventionen bricht und für alles steht, was man nicht mit dem Alter verbindet.

Aus der Unsichtbarkeit treten

Auch die Wissenschaft beschäftigt sich mittlerweile mit dem Phänomen. Die Soziologin Julia Twigg geht in ihrer Untersuchung mit dem Untertitel «Dress, the Body and Later Life» sogar so weit, die Bewegung als ein «Aus der Unsichtbarkeit holen» der älteren Damen zu bezeichnen. Denn Frauen, so Twigg, erfahren in ihrer Jugend eine Art Hypersichtbarkeit des eigenen Körpers, weil die Gesellschaft auf diesen so fixiert ist. Diese Sichtbarkeit nimmt mit dem Alter ab – und damit auch die Erwartung von aussen, den Körper in schillernde Farben und Stoffe zu hüllen.

Ausserdem sprechen viele Autoren laut dem Missy Magazin von einer Ungleichheit, mit der der Alterungsprozess der Geschlechter gesehen wird. Männer ab 50 wurden lange und werden immer noch wohlwollend als «Best Agers» oder auch «Silver Foxes» bezeichnet. Da gelten die grauen Haare als elegant. Frauen hingegen rutschen mit zunehmenden weissen Strähnen vermehrt in die Unsichtbarkeit. Dagegen soll der neue Trend steuern.

Revolution oder doch nur Anregung zum Konsum?

Mir und Bekannten, mit denen ich mich über Baddie und Co austausche, kommen aber auch andere Gedanken. Inwiefern meint sie das ernst? Ist sie nicht nur eine Inszenierung eines Managers, der Geld wittert? Und zielt die Bewegung der alten weiblichen Stilikonen nicht eher auf die Mobilisierung zum Konsum einer bekanntlich sehr kaufkräftigen Zielgruppe, als auf die Veränderung der Gesellschaft?

Wie meistens bei solchen Fragen ist vermutlich an beidem etwas dran. Ich persönlich finde es trotzdem gut, wenn alte Frauen aus der Unsichtbarkeit treten und zeigen, dass man Mode in allen Altersklassen vertreten kann. Frei nach dem Motto: Löcherjeans und Glitzer meets graue Haare und Falten. Und das passt wunderbar. 

Autor: Deborah
von Wartburg