Meine neuen Augenbalken

«Leben mit Stil» ist der Lifestyle-Blog von Züriost und behandelt Themen rund um Körper, Seele und Stil. Heute: Augenbrauen eine Woche im Scheinwerferlicht.

von
Lea
Chiapolini
Uhr

Wer hätte gedacht, dass Frauen jemals so viel Arbeit in ihre Augenbrauen stecken, wie es heute der Fall ist. Vor allem durch Instagram-Stars erlangten Augenbrauen eine Berühmtheit, die momentan wohl jeden anderen Teil des Gesichts in den Schatten stellt. Allen voran ist einmal mehr der Kardashian-Clan, der neben prallen Lippen und Füdlis eben auch schön gezupfte und bemalte Augenbrauen zu bieten hat (siehe Bildstrecke).

Meine Wenigkeit - die Augenbrauen noch unberührt. (Bild: Sibylle Egloff)

 

Meine Brauen zupfe ich zwar auch schon seit längerer Zeit, sie anzumalen kam mir aber noch nie in den Sinn. Änderungen an den Brauen haben einen erstaunlich grossen Einfluss auf das ganze Gesicht, schnell wirkt man überschminkt – oder dann irgendwie arrogant und wütend. Trotzdem wagte ich den Versuch und malte sie an einem Montagmorgen zum ersten Mal in meinem Leben an. Da ich aber das nötige Equipment nicht hatte, pinselte ich einfach von einem Bräunungspuder, das noch bei mir zu Hause herumlag, ein bisschen auf meine Brauen.

Ich sah einen Unterschied, mein Umfeld anscheinend nicht. Während des ganzen Tages kam kein einziger Kommentar. Also musste richtiges Werkzeug her. Nach der Arbeit kaufte ich mir ein für Brauen vorgesehenes Produkt, das auch die richtige Farbe hatte. Am Dienstagmorgen kam die Farbe auf meinen Brauen zum Einsatz. Nun starrte mich eine grimmig ausschauende Person aus dem Spiegel an. «Wenn jetzt niemand etwas sagt, schaut mich offenbar niemand richtig an», dachte ich für mich.

Ein erster sanfter Versuch, meine Brauen anzumalen - ohne Kommentare von meinem Umfeld. (Bild: Sibylle Egloff)

 

Aber tatsächlich – wieder gab es keinen einzigen Kommentar. Nicht einmal von meinem eigenen Ehemann. Aber fast noch irritierender: Ich begann, mir selber zu gefallen. Mit jedem erneuten Bilck in den Spiegel gewöhnte ich mich an meinen eigenen Anblick und hatte irgendwann das Gefühl, diese neue Schminktechnik lässt mich nicht wütend, sondern älter, seriöser aussehen.

Am Mittwoch gönnte ich meinen Brauen einen Tag Pause, aber am Donnerstag sollte das grosse Finale stattfinden. Ich wollte Reaktionen - egal ob gut oder schlecht. Also noch mehr Farbe auf das Gesicht geklatscht, bis mir wirklich nicht mehr wohl war. Die Person im Spiegel starrte leicht angeekelt als ich den Pinsel weglegte. Zugegeben, ich hatte keine Ahnung was ich da tue. Einfach Farbe rauf. Die Stars und Sternchen - beziehungsweise ihre Make-Up-Artists - haben bestimmt auch die entsprechende Technik drauf, damit die Brauen nicht einfach wie zwei dicke dunkle Würmer aussehen.

So machte ich mich also auf den Weg zur Arbeit. Und ich stellte ein für alle Mal fest: Es interessiert sich niemand für meine Augenbrauen. «Wäre ja gar nicht gut, wenn es jemand merken würde, oder?», meinte eine Kollegin, als ich sie auf meine Bälkchen ansprach. «Das würde ja bedeuten, dass du überschminkt bist.» Es sehe aber gut aus.

Der Gipfel der Augenbrauenfärbung: So geschminkt fühle ich mich nicht mehr richtig wohl. (Bild: Sibylle Egloff)

 

Mein Fazit des ganzen Projektes: Entgegen meiner Erwartungen gefiel ich mir mit geschminkten Augenbrauen - bis zu einem gewissen Punkt. Sehr wahrscheinlich werde ich nun ab und zu auch meine Brauen mit dem Pinsel bearbeiten, auch wenn es niemand merkt. Einfach für mich.

Sollte ich mich mal in professionellen Händen wiederfinden, werde ich wohl noch mutiger sein, und ein Styling über mich ergehen lassen, das aus mehr als Schminke aus der Migros auf den Brauen besteht. Die Person, die mir dann aus dem Spiegel entgegenblickt, werde nicht ich sein.

Autor: Lea
Chiapolini