Ein Lederschuh aus der Petrischale

«Leben mit Stil» ist der Lifestyle-Blog von Züriost und behandelt Themen rund um Körper, Seele und Stil. Heute: Über veganes Leder und was dahinter steckt.

von
Deborah
von Wartburg
Uhr

Vegan ist in. Immer noch und das aus sehr guten Gründen, wie ich finde, obwohl ich selbst gern Fleisch esse. Aber eigentlich gibt es mittlerweile alles in veganer Form: Eis, Würstchen, ja sogar Lederhandtaschen. Wie man die tierischen Produkte im Eis oder in den Würstchen ersetzt ist den meisten klar. Aber was steckt hinter veganem Leder?

Das, was wir meistens als vermeintliches Leder im Schuh- oder Handtaschengeschäft zu Spottpreisen unter dem Nahmen «Lederimitat» oder «Kunstleder» präsentiert bekommen, ist meistens einfach Kunststoff. Wenn man das Etikett studiert, steht da Polyester, Spandex oder Polyethylen. Damit musste vielleicht kein Tier direkt seine Haut lassen, aber umwelt- und damit auch tierfreundlich ist diese Variante auch nicht wirklich.

Einen Schuh züchten?

Doch es gibt eine Firma, die veganes Leder produziert, das tatsächlich auch Leder ist. Garantiert hergestellt ohne einen einzigen Kuhseufzer. Modern Meadow heisst das US-Unternehmen, welches sich auf die Biofabrikation von Naturstoffen spezialisiert hat. Vereinfacht ausgedrückt: Es züchtet Zellen eines Stoffes.

Und wie funktioniert das ganze? Ganz einfach, sagt Forgacs, Mitgründer der Firma, die sich der Revolution der Tierprodukteproduktion verschrieben hat. «Man nehme eine Kuhhautzelle, die dem Tier schmerzfrei entnommen wird. Dann lässt man sich die Zelle in der Petrischale vervielfachen. Es bildet sich sogenanntes Collagen. Collagen ist das Bindemittel zwischen Zellen, ein Art Klebstoff aus dem Leder hauptsächlich besteht», sagt Forgacs. 

Hier ein Printscreen aus seinem Ted-Talk, der die Herstellung vereinfacht erklärt:

Noch Zukunftsmusik

Das so entstandene Leder hat gemäss Forgacs alle Materialeigenschaften von herkömmlichem Leder, wie Atmungsaktivität und Wasserabweisung. Das Prinzip sei eigentlich kein anderes als das, welches beim Bierbrauen oder bei der Joghurtherstellung angewandt wird.

Das klingt alles ziemlich toll finde ich. Aber ein Problem gibt es noch: Das Laborleder ist noch absolute Zukunftsmusik. Was es bereits gibt, auch von modern Meadow hergestellt, ist ein Labor-Burger, der momentan aber noch um die 20‘000 Dollar kostet. Ein teurer Spass. Erste Lederstücke gibt es auch bereits. Aber von einem Schuh noch keine Spur. Und wie viel der dann erstmal kostet, will ich mir gar nicht vorstellen.

Ich bin bereit für den Labor-Schuh

2018 sollen richtige Produkte aus Labor-Leder auf den Markt kommen. In der USA. Doch bis wir im Schuhladen nebenan unsere Lieblingsschuhe aus dem Leder kaufen können, wird noch ein bisschen Zeit vergehen. Denn es kann dauern, bis die Zellzüchtungsmaschinen die grossen Lederproduktionsfirmen wirtschaftlich verdrängen können. Doch wenn es so weit ist, greife ich persönlich liebend gern zum Laborleder- statt zum Echtleder-Schuh. Denn so muss eine Kuh weniger ihre Haut lassen. 

Autor: Deborah
von Wartburg